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Gang durch die Jahrhunderte

Im Beamtenbau des ehemaligen Jagdschlosses im Lampertheimer Stadtteil Neuschloß sind die Spuren von Zerstörung und Wiederaufbau sichtbar

Der Lampertheimer Architekt Franz-Rudolf Braun im ehemaligen Schlossgebäude. Bauhistorische Details aus Barock und Renaissance wurden freigelegt.

©  Nix/sm

Wenn der Lampertheimer Stadtteil Neuschloß im kommenden Jahr sein 550-jähriges Bestehen feiert, soll das älteste Zeugnis seiner Geschichte in neuem Glanz erstrahlen: der ehemalige Beamtenbau des früheren Jagdschlosses, von dem Neuschloß seinen Namen hat. Der Lampertheimer Architekt Franz-Rudolf Braun hat das Gebäude in den Besitz der Familie übernommen. Er wird es zusammen mit seinem Sohn Michael sanieren.

Zur Zeit bereiten die beiden Architekten den Bauantrag für die Sanierung vor. Einzuholen ist neben der bau- auch die denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Geplant ist es, im Gebäude Platz für acht Wohneinheiten und ein Büro zu schaffen. Im Sommer soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ein Jahr später sollen die Mieter einziehen können.

Bauhistorisch sehr komplex

Bei den Rückbauarbeiten sind die Architekten auf eine bauhistorisch komplexe Situation gestoßen. Das im 15. Jahrhundert errichtete Gebäude weist zwar noch Spuren der ursprünglichen Substanz auf; doch seinen Charakter hat es vor allem als Barockgebäude bewahrt. Immerhin musste das Schloss zwei Zerstörungen - 1504 und 1621 - über sich ergehen lassen, wie Franz-Rudolf Braun die Chronik erläutert.

Brandspuren aus dem Jahr 1504

Braun ist tief in die Geschichte rund um Neuschloß und sein historisches Gebäude eingedrungen. Beim Rundgang erschließt sich, warum historisches Wissen für die Sanierung eines solchen denkmalgeschützten Gebäudes unerlässlich ist. Auf Schritt und Tritt wird der Besucher auf bauhistorische Reminiszenzen aufmerksam gemacht: hier ein Stilornament aus dem 15. Jahrhundert, dort ein barockes Detail, schwarze Brandspuren aus dem Kriegsjahr 1504 neben neuzeitlichen Kabelsträngen.

In einem Raum betreten wir historischen Boden - und stehen unversehens auf Steinplatten, die dort beim Bau vor 550 Jahren verlegt worden waren. Teilweise wurden die Mauern mit Ziegeln aus dem Mittelalter verstärkt. Franz-Rudolf Braun vermutet, dass sich hinter den Mauerschichten noch Renaissancemalereien befinden. Dem Architekten kommt nun die schwierige Aufgabe zu, zwischen der bloßen Konservierung der historischen Bausubstanz und ihrer bleibenden Sichtbarmachung zu entscheiden - und zugleich den Anforderungen modernen Wohnens zu genügen.

Braun ist Architekt mit Haut und Haaren. Dem gebürtigen Lampertheimer ist aber zudem an der Erhaltung bauhistorischer Zeugnisse gelegen. Beim ehemaligen Beamtenbau des früheren Jagdschlosses hat er es zudem mit dem ältesten Baurelikt auf Lampertheimer Gemarkung zu tun. Die über die Jahrhunderte hinzugefügten Schichten dokumentieren die unterschiedlichen Zeitepochen und machen das Gebäude so zu einem wertvollen Zeugnis früherer Lebensgewohnheiten.

1468 wurde Neuschloß erstmals urkundlich erwähnt: als "Fridelsburg bei Lamparten gelegen", wie Braun dokumentarisch nachweist. Er vermutet, dass das Schloss zwischen 1465 und 1468 von Kurfürst Friedrich I., der im Namen den Zusatz "Der Siegreiche" trug, errichtet wurde. Der ehemalige Beamtenbau war Bestandteil einer Befestigungsanlage, die das flachburgähnliche Anwesen umgab. Links und rechts des Treppenturms sind die eingemauerten Tore zu sehen, durch die Kutschen ins Innere gelangten. Über einer Tür haben die Bauarbeiter einen spätgotischen Bogen aus der Ursprungszeit des Gebäudes freigelegt. Handbehauene Granitplatten und Steinbildhauerzeichen wurden vom Putz befreit.

Grundmauern bieten Dämmschutz

Auch im Dachstuhl trifft man auf Spuren der Jahrhunderte. Die Dachbalkenkonstruktion stammt aus dem Jahr 1747 und trägt noch die Markierungen der Zimmermannsleute. Die Deckenbalken bleiben als denkmalgeschützte Relikte erhalten, werden allenfalls verstärkt. Auch soll das Dach gedämmt werden, während die Grundmauern laut Braun dank des hohen Speicherwerts einen optimalen Klimaschutz bieten. Noch nicht geklärt ist die Frage, welchen bauhistorische Akzent die Dachaufbauten erhalten sollen.

Auch beim Rundgang ums Gebäude zeigen sich Details, die dem eiligen Passanten verborgen bleiben. An der Westseite verläuft ein statischer Riss von oben nach unten - Folge der zahlreichen "Bausünden", die im Lauf der Zeit verübt wurden. Die Fassade ist mit Steinbildhauerzeichen und Bogenfragmenten von Fenstern oder Türen gespickt. An der Ostseite ist noch ein Torpfosten zu sehen. Der Zweite wurde in die gegenüberliegende Ecke integriert. Hier soll sich das große Zufahrtstor zum Jagdschloss befunden haben. urs/sm

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 17.03.2017

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