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Goethe-Gymnasium: Podiumsrunde beschäftigte sich mit dem Thema Generationengerechtigkeit

Debatte über ein heißes Eisen

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 07.05.2013

Bei der Podiumsrunde zum Auftakt des Europatags am Goethe-Gymnasium diskutierten Titus Möllenbeck, Igor Dimitrijoski, Tobias Benz, Moderator Christian Brudy, Christian Falkowski und MdB Dr. Michael Meister (von links).

© Neu

Bensheim. Lebt die ältere zu sehr auf Kosten der jungen Generation? Liegt tatsächlich eine Schieflage vor und inwieweit behindert sie das Verständnis füreinander? Das Thema der Generationengerechtigkeit erregt die Gemüter: die der Senioren, die ein langes Arbeitsleben fast hinter sich haben, und die des Nachwuchses, der sich in der Verantwortung für einen staatlichen Schuldenberg, für Ressourcenraub und nicht zuletzt den demografischen Wandel sieht.

Die Podiumsdiskussion "Aufstand der Jungen: Generationenkonflikt und Generationengerechtigkeit" gestern am Geothe-Gymnasium stellte sich damit einem durchaus heißen Eisen. Unter der Moderation des Oberstufenschülers Christian Brudy beleuchtete das Experten-Forum nicht nur die unterschiedlichen Bereiche des brisanten Themas. Es ließ gleichzeitig die verschiedenen Perspektiven und Positionen erkennen.

MdB Dr. Michael Meister distanzierte sich von einer Begrifflichkeit, die von einem Generationenkonflikt oder von Generationengerechtigkeit spricht. Das politische Alltagsgeschäft fokussiere die Frage, wie sich ein gesellschaftliches Zusammenleben fair gestalten lässt.

Für den jungen Politologen Tobias Benz steckt durchaus Sprengstoff in dem Thema: "Wir jungen Leute werden uns morgen nicht mehr das leisten können, was heute noch möglich ist." Er fürchtet um eine massive Verschiebung der gesellschaftlichen Lasten auf die Schultern der heute jungen Generation. Allein durch die Leistungsverpflichtungen in der Kranken- und Pflegeversicherung sieht er unter dem Blickwinkel einer immer älter werdenden Gesellschaft zukünftig einen enormen finanziellen Ballast auf junge Leute zukommen. "Das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre hochzusetzen, ist ohne Alternative."

Diesbezüglich habe die Politik durchaus die ersten Stellschrauben gesetzt, betonte Dr. Meister. Er verwies etwa auf die hohe Staatsverschuldung, der man mit der sogar gesetzlich verankerten Schuldenbremse einen Riegel vorgeschoben habe.

Christian Falkowski, Botschafter a.D. der Europäischen Kommission, sieht durchaus den derzeit hohen Lebensstandard, doch schaut er auch auf die Kehrseite. "Es ist eine gesellschaftliche Einstellung nötig, die sich am Wohle der Schwachen und nicht der Starken orientiert." Denn: "Je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto fragiler ist sie." Für ihn sei es ein Holzweg zu glauben, dass technische Innovationen zwangsläufig soziale Veränderungen nach sich ziehen. Auch wenn Bildung, Wissen und Forschung die Zukunft bestimmen würden.

Titus Möllerbeck (stellvertretender Geschäftsführer im Haus am Maiberg) ist beruflich an der Basis tätig und mit der Schnittstelle zwischen den Jungen und Alten konfrontiert. Er stellte immer wieder ein gegenseitiges Interesse an den unterschiedlichen Lebenswelten fest. Er erzählte von Senioren, die sich in Facebook tummeln und die Kommunikation mit dem Nachwuchs suchen. Die Leute im höheren Alter würden zum einen bescheidener leben und sich zum anderen vor allem für junge Familien engagieren. "Es hängt von euch jungen Leuten ab, wie eure Zukunft aussieht", ermunterte er zu mehr Engagement.

"Keine Generation vor Ihnen hatte so gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie Sie", machte Dr. Meister deutlich. Zwar müsse die Politik die Wählerschaft im Blick haben, die sich zu über 50 Prozent aus über 50-Jährigen zusammensetze. Somit müsse man Akzeptanz schaffen für Maßnahmen, die sich gerade für die ältere Generation als unpopulär erweisen würden. Doch er setzt auf eine volkswirtschaftliche Leistungskraft, die auch die Produktivität des Einzelnen steigen lässt.

Igor Dimitrijoski von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen thematisierte den hohen Ressourcen-Verbrauch in der heutigen Zeit. Die westlichen Industriestaaten verbrauchen dreimal mehr, als die Erde zu bieten hat. Was bleibt den Nachkommen, fragte er. Die jungen Leute ermutigte er, sich eine Stimme zu geben und zu Wort zu melden. Er wünschte sich, dass das Wahlalter auf 16 herabgesetzt würde, damit Politik auch die Interessen der Jüngeren mehr zu gewichten habe.

Die Podiumsrunde war der Auftakt der diesjährigen Europawoche: In diesem Jahr fokussieren die hessischen Europaschulen die Problematik, die sich aus dem demografischen Wandel ergibt. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 07.05.2013

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