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Export-Serie: ProxiVision ist weltweit führend für Spezialkameras und Bildverstärker / 65 Mitarbeiter im Neubau an der Stubenwaldallee in Bensheim beschäftigt

Der perfekte Durchblick

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 02.02.2016

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

In den neuen Unternehmenssitz an der Bensheimer Stubenwaldallee hat ProxiVision rund acht Millionen Euro investiert.

© Neu

Ein Bensheimer Unternehmen macht das Innenleben von Bauteilen sichtbar. Und zwar schneller und präziser als das bislang möglich war. ProxiVision ist ein Weltmarktführer in der Entwicklung und Herstellung von Spezialkameras und Bildverstärkern.

Eine knisternde Hochspannungsleitung. Elektrische Entladungen an den stromführenden Seilen. Leistung geht verloren. Miniblitze, die der Mensch nicht sehen kann. ProxiVision kann.

Durch UV-empfindliche Bildsensoren werden auch extrem schwache Lichtereignisse optisch sichtbar gemacht - auch bei Tageslicht. Mit einem sensiblen Kamerasystem können beschädigte Isolatoren entdeckt werden, bevor sie ausfallen und das komplette System lahmlegen.

Nur eine von unzähligen Anwendungen, bei denen das Know-how der Bensheimer ganz konkret zum Einsatz kommt. ProxiVision ist spezialisiert auf die Herstellung, Forschung und Entwicklung opto-elektronischer Bauteile. Die Kernkompetenz liegt im Design und in der maßgeschneiderten Produktion von Bildverstärkern für Anwendungen in Forschung und Industrie. Die Einheiten werden unter anderem in Spezialkameras und Detektoren integriert.

Eine weitere Nische sind besonders rauscharme Photomultiplier, die unsichtbares Infrarotlicht und ultraviolette Strahlung in elektrische Signale umwandeln können. Spezialprodukte für Unternehmenskunden.

Aber ein expansiver Markt, so Prof. Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, der die Denkfabrik gemeinsam mit Yvo Hoffmann leitet: Forschung und Entwicklung auf höchstem Niveau für hoch technisierte Anwendungen auf der ganzen Welt. Es geht um Sicherheit, Früherkennung, Präzision.

Projektpartner in den USA

Mit neuartigen Neutronendetektoren haben die Experten jüngst für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt: Zusammen mit seinem US-amerikanischen Projektpartner Nova Scientific wurde eine schnelle, hochempfindliche Kamera entwickelt. Das System liefert maximale Transparenz bei der Fehlersuche und Wartung von sämtlichen Komponenten, die von konventionellen Röntgenstrahlen nicht durchdringbar sind. Zum Beispiel Metallteile.

Auch Kunststoffe und organische Strukturen werden durch diese Methode sichtbar. So können Bauteile auch in komplexen Maschinen sicher und zerstörungsfrei überprüft oder vermessen werden.

Zum Beispiel hydraulische oder pneumatische Systeme im Automobilbereich. Eine 3D-Neutronentomography schaut durch Metall und erkennt eventuelle Schädigungen von Gummibauteilen wie Dichtungsringen und Kunststoffpartikeln. Selbst kleinste Verklebungen sind erkennbar.

Auf diese Weise lassen sich Komponenten überprüfen ohne sie öffnen zu müssen. Das spart Zeit und Geld. Auch auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik sind verlässliche Aussagen über die verbleibende Haltbarkeit eines Bauteils extrem relevant.

Bildgebende Verfahren mit Neutronen liefern im Vergleich zu den elektromagnetischen Röntgenstrahlen einen höheren Kontrast auch im Umfeld von wasser- und ölbasierten Materialien, weshalb sie für viele industrielle und physikalische Anwendungen die bessere Lösung darstellen. Gefragt ist das Verfahren überall dort, wo eine verlässliche Qualitätskontrolle und Präzisionsbearbeitung erforderlich sind.

Daher nutzt auch die Luft- und Raumfahrt solche Systeme. Etwa beim Raketenbau: Die Abtrennung von Trägerraketen erfolgt durch kleine Sprengsätze, deren Innenleben perfekt funktionieren muss. Mit Komponenten, wie sie ProxiVision entwickelt, können kleinste Details wie Kabelführungen und Pulvermengen exakt festgestellt werden.

Die in Bensheim entwickelten Photomultiplier werden in Bildverstärker integriert und wandeln schwache Lichtsignale in elektrische Impulse um. Damit lassen sich stoffliche Zusammensetzungen exakt identifizieren, ohne das Medium zu berühren. "Jede Substanz besitzt spezifische spektrale Eigenschaften", erläutert Rolf-Jürgen Ahlers.

Durch Sensor-Systeme lässt sich auch die Existenz von Keimen in Nahrungsmitteln nachweisen. Ein Photomultiplier kann gezielt nach den fluoreszierenden Signalen von bestimmten biologischen Erregern suchen. Auch Mikroorganismen in Milch oder Käse lassen sich durch opto-elektronische Sensoren feststellen. Das schafft Transparenz, Sicherheit und Gesundheit.

Darüber hinaus bieten solche Technologien völlig neue Perspektiven in der Sicherheitstechnik: Neue optische Geräte könnten die Kontrolle beispielsweise an Flughäfen entscheidend optimieren, weil sie Drogen oder auch Sprengstoff eindeutig, schnell und ohne chemische Verfahren erkennen können. Es gibt eine ganze Menge von denkbaren Anwendungsmöglichkeiten. ProxiVision öffnet Türen und stößt neue Entwicklungen an.

"Es kommt aber auch darauf an, für welche Innovationen der Markt bereit ist", betont Prof. Rolf-Jürgen Ahlers.

Er erkennt ein riesiges Potenzial. Vom Standort Bensheim werden auch weiterhin technologische Innovationen ausgehen, die in vielen Nischen für deutlich mehr Durchblick sorgen.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 02.02.2016

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