Landtagspräsident Norbert Kartmann sprach beim politischen Aschermittwoch des Bensheimer CDU-Stadtverbands.
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Bensheim.
Beim politischen Aschermittwoch des CDU-Stadtverbands präsentierte sich der hessische Landtagspräsident zahm und versöhnlich. Ob es an seiner amtlichen Neutralität lag, dass Norbert Kartmann in Bensheim auf die anlassbezogenen markigen Worte verzichtet hat? Oder vielleicht eher am Thema?
Im Walderdorffer Hof sprach der Mann aus dem Wetteraukreis über das, "worauf es in unserem Land ankommt". Im geschichtsträchtigsten Haus am Platz begann Kartmann mit einem Witz. Dem Datum geschuldet. Eine Pointe über den Knast in seiner politischen Heimat Butzbach. Als die Heringshappen christdemokratisch verdaut wurden, rief der 64-Jährige seine Landsleute zu mehr Geschlossenheit auf: "Wir brauchen mehr sozialen Kitt."
Dieser Zusammenhalt sei ein gesellschaftlicher Wert und nur durch eine "kluge Streitkultur" in der politischen Debatte möglich, die trotz aller parteilicher Kontraste auch öffentlich anerkannt werden müsse. Damit sprach Kartmann einer Rehabilitierung der politischen Glaubwürdigkeit das Wort. Politik sei kein abgekartetes Spiel und in der Realität sehr viel komplizierter, als dies oft nach außen dargestellt werde.
Das Plädoyer des Landtagspräsidenten traf auch die eigenen Reihen: "Die CDU hat mir immer dann am besten gefallen, wenn sie geschlossen aufgetreten ist." Wer internen Streit und Lagerbildung hinnehme, brauche sich über eine prompte Quittung des Wählers nicht zu wundern. Dafür gab es beinahe Beifall in der Gastwirtschaft.
Selbst gemachte Luxusprobleme
Unter den zahlreichen Gästen waren Christdemokraten aus dem gesamten Kreisgebiet, darunter der Landtagsabgeordnete Peter Stephan, Kreistagsvorsitzender Werner Breitwieser und der Europapolitiker Carl Otto Lenz. Für den Landeschef der Senioren-Union und Vize des Evangelischen Arbeitskreises im Bund weine Deutschland aktuell zu sehr über selbst gemachte Luxusprobleme. In einer wirtschaftlich angenehmen Lage sei dies nicht verwunderlich, doch dürfe dadurch nicht der Blick auf die wirklichen Probleme getrübt werden.
Als Beispiele nannte Norbert Kartmann die Situation der Senioren auf dem Land und die steigenden Wohnungspreise in den Städten. Zur Energiewende sagte der erfahrene Kommunalpolitiker, dass Deutschland nicht weiterhin gegen eine Mehrheit in der Bevölkerung auf Kernkraft setzen könne. Allein dadurch sei der Ausstieg gerechtfertigt.
Es gehe nicht um politische Willkür, sondern um den Willen der Gemeinschaft. Wer diesen ignoriere, bleibe taub für die Belange der Bevölkerung. Einen "gemeinsamen Geist" beschwörte der Redner auch in puncto Haushaltssanierung. Er sei gespannt, ob und wie es die Kommunen und Landkreise in den kommenden Jahren schaffen werden, mit angezogener Schuldenbremse Kommunalpolitik zu machen.
Bei der Finanzierung von lokalen Projekten müsse man Prioritäten setzen. Das Wörtchen "Nein" werde man in Zukunft öfters hören. Dass es in einem solchen Rahmen schwierig ist, die von ihm selbst geforderte positive kollektive Stimmung zu schüren, brauchte der Gast aus Mittelhessen nicht extra zu betonen. tr
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