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Ortsentwicklung: Bei seinem Antrittsbesuch besprach Landrat Christian Engelhardt drängende Themen mit Bürgermeister Helmut Glanzner

An Wohnraum fehlt’s in allen Ecken

Archiv-Artikel vom Freitag, den 15.01.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Florian Karlein

Das größte Projekt der Gemeinde Einhausen in diesem Jahr: der Neubau der Mehrzweckhalle. Bürgermeister Helmut Glanzner (links) und Landrat Christian Engelhardt bringen es auf den Weg.

© oh

Einhausen. Abdullah scheint ein Musterbeispiel zu sein. Er kam vor einiger Zeit aus Ostafrika nach Deutschland, um sich hier ein besseres und sicheres Leben aufzubauen. Doch er stößt in seinem Alltag auf einige Hindernisse, die seine Integration erschweren - selbst in Einhausen, wo sich ein äußerst aktives Netzwerk für Flüchtlinge engagiert. Ganz oben auf der Liste: die deutsche Sprache.

75 Flüchtlinge in der Gemeinde

Der junge Mann hilft derzeit als Praktikant in einer Einhäuser Schreinerei aus. Inhaber Richard Hiemenz nennt er schon "Papa", aber mit der Pünktlichkeit hapert es noch gewaltig. "Für ihn ist das ein dehnbarer Begriff", erzählt Bürgermeister Helmut Glanzner, der gemeinsam mit Landrat Christian Engelhardt den Betrieb besuchte. "Aber das muss er lernen." Genauso wie die Sprache - auch daran scheitert es bislang noch, dass Abdullah seinen Praktikums- noch nicht in einen Ausbildungsplatz hat umwandeln können. Wie ihm geht es vielen Flüchtlingen in Einhausen und im Kreis. Doch Arbeit, so Engelhardt, sei die beste Integration. Deswegen sollen Asylbewerber mit einer Bleibe-Perspektive mithilfe der Schulen und Volkshochschule auf ein zumindest niedriges Deutsch-Level gebracht werden. Weitere Kompetenzen, die für einen bestimmten Beruf erforderlich sind, sollen gezielt vermittelt werden.

Wie überall in Deutschland nahm das Thema Flüchtlinge beim Antrittsbesuch des Landrats im Rathaus der Weschnitzgemeinde großen Raum ein. 75 Asylbewerber leben derzeit in Einhausen, alle sind in Wohnungen von privaten Vermietern untergebracht. Trotzdem suchen Kreis und Gemeinde weiter nach Unterkünften. Glanzner hat den Eindruck gewonnen, dass Vermieter mittlerweile offener dafür gewordener sind, Menschen aus Syrien, Eritrea oder Somalia in ihre Wohnungen und Häuser einziehen zu lassen. "Familien werden allerdings stärker akzeptiert als junge Single-Männer", so Glanzner.

Zwar hat die Zahl der neuen Flüchtlinge in Hessen "dramatisch abgenommen", sagt Engelhardt. Doch niemand könne derzeit abschätzen, ob die Entwicklung ein allgemeiner Trend oder anderen Faktoren wie dem Wetter geschuldet ist. Die Konsequenz: Der Druck, geeigneten Wohnraum zu finden, ist nach wie vor hoch - auch in Einhausen. Mit dem zentralen Wohnheim des Kreises an der Heppenheimer Tiergartenstraße hat sich der Kreis lediglich Luft verschafft, um nicht jedes Angebot annehmen zu müssen, sondern auch gute Mietverträge aushandeln zu können. Glanzner lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt - wo sich Flüchtlinge stauen, wird Aufschub gewährt.

Auf der Baustelle an der Carl-Benz-Straße im Norden der Gemeinde überzeugten sich der Bürgermeister und der Landrat gestern vom Baufortschritt der Häuser der Christophorus Wohnbau-Gesellschaft. Laut Engelhardt eine gute, aber nicht die günstigste Lösung. Doch derzeit werden die Kosten dafür vom Land Hessen ersetzt. "Wir zahlen nichts drauf." Werden die Unterkünfte, die aktuell nicht nur in Einhausen, sondern auch in anderen Kommunen im Kreis - beispielsweise in Bensheim - entstehen, nicht mehr Flüchtlinge gebraucht, können sie als sozialer Wohnraum genutzt werden. Den zu schaffen sei, so der Landrat, "mindestens genauso wichtig". Gleiches gelte für Häuser für Familien - gerade auch für Einhausen.

Der 6000-Einwohner-Ort wächst nach wie vor. "Die Nachfrage nach Bauplätzen ist enorm", sagt Helmut Glanzner und verweist auf das Baugebiet Wilbers. Für etwa zehn bis 15 Bauplätze gab es rund 75 Interessenten. Deswegen sollen etwas weiter nördlich rund um die Christophorus-Wohnheime weitere 100 bis 120 Bauplätze entstehen. Christian Engelhardt geht noch einen Schritt weiter und stellt die aktuelle Regionalplanung infrage. Die könne aufgrund aktueller Entwicklungen der Bevölkerungszahlen - auch durch Flüchtlinge und deren Familiennachzug - mittlerweile überholt sein. Zwar habe Priorität, Städte und Gemeinden zunächst innerörtlich zu entwickeln. Doch in Einhausen hat beispielsweise kein Besitzer eines freiliegendes Grundstücks auf Nachfrage der Verwaltung die Bereitschaft gezeigt, verkaufen zu wollen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 15.01.2016

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