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Persönlich: Afomia Kflay lebt seit etwa einem Jahr in Einhausen, jetzt hat sie hier geheiratet / Unterschiede zu deutschen Bräuchen

Bei eritreischen Hochzeiten müssen die Gäste früh raus

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 08.09.2016

Von unserer Mitarbeiterin Christa Flasche

Afomia Kflay kam aus Eritrea nach Einhausen. In der Weschnitzgemeinde heiratete sie erst vor kurzem.

© Lotz

Einhausen. Afrika - das sind Farbenvielfalt, Trommeln, Gesang und rhythmischer Tanz. Doch wer sich so auch eine typische Hochzeit in Eritrea vorstellt, der irrt sich. Das Ja-Wort von Afomia Kflay ist sogar ganz anders abgelaufen. Die junge Frau lebt seit fast einem Jahr in Einhausen und hat in dieser Zeit ihren heutigen Mann Medhane Mehart kennengelernt, der momentan noch im westfälischen Paderborn wohnt.

"Im Frühjahr kam Afomia zu mir und sagte, dass sie heiraten wolle", erzählt Dr. Simone Sartorius-Neef vom Einhäuser Flüchtlingsnetzwerk, die von Kflay als "Mama" bezeichnet wird. Bei deutschen Brautpaaren bricht schon lange vor der Hochzeit große Hektik aus. Brautkleid, Kirche, Pfarrer, die Lokalität für die Feier bis hin zu Hochzeitstorte, Dekoration und die Tischordnung - in Deutschland wird minuziös und mit jeder Menge Stress geplant. Anders in Eritrea. Was hierzulande schon eine große Gesellschaft ist - so um die 200 Personen -, das ist in Eritrea ein kleiner Kreis. Und das ist noch die "abgespeckte" Version einer nordost-afrikanischen Hochzeit. Das musste auch Sartorius-Neef lernen, denn in Eritrea kommen eher 600 Gäste.

Die Braut wird verwöhnt

Die Ehe ist noch nicht gültig

Afomia Kflay und ihr Mann Medhane Mehart werden künftig ihren jeweiligen Namen behalten. Wenn zwei junge Menschen in ihrer Heimat Eritrea heiraten möchten, werden üblicherweise die Eltern über diesen Wunsch informiert und der Bräutigam hält um die Hand der Braut an. Die Familie und Kinder haben in Eritrea einen sehr hohen Stellenwert - so auch bei dem jungen Paar, das in Deutschland lebt. Nach deutschem Recht ist die Ehe der beiden nicht gültig, denn es fehlt an Papieren. Werden beide anerkannt und bekommen Pässe, können sie noch einmal heiraten - und zwar standesamtlich. cf

Eine eritreische Braut wird im Vorfeld völlig aus dem eigentlichen Geschehen herausgenommen. Sie wird schon einige Zeit vorher und auch noch danach rundum verwöhnt, wird umsorgt, gepflegt und unterhalten. Für deutsche Frauen ein Traum. Freunde, Bekannte und auch die Männer helfen mit.

Für das Ja-Wort musste das junge Paar allerdings in die Heppenheimer Christuskirche. Dort teilten sich drei Priester die Gottesdienstgestaltung. Und dann eine Gemeinsamkeit: In Eritrea heiratet man ebenfalls in Weiß - allerdings alle: Braut, Bräutigam und Gäste. Dabei tragen Braut und ihr Bräutigam eine spezielle Robe, wobei die Braut die Haare bedeckt haben muss. "Die weiße Kleidung haben wir als Deutsche besorgt bekommen", schildert Sartorius-Neef. "Sie ist so gemacht, dass man sie fest zusammenrollen und in die Handtausche packen kann", ist sie noch heute überrascht.

Die Feier in der Kirche begann bereits um fünf Uhr morgens. Nicht alle mussten zu dieser Zeit schon anwesend sein; es gab auch Gäste, die "erst" um sieben Uhr eintrafen. Der Gottesdienst selbst dauerte mehr als drei Stunden und alle standen während der gesamten Zeremonie. Es wurde viel gesprochen, gesungen und die Arme bewegten sich im Rhythmus der Musik. Beim Auszug aus der Kirche wurde das Paar mit Trommeln begleitet.

Nicht jeder darf Torte naschen

Im Anschluss an die kirchliche Zeremonie schloss sich der zweite Teil der Feier an. Dazu hatten die vielen helfenden Hände im Vorfeld zwei Lämmer geschlachtet, unzählige Zwiebeln geschält und Brot für das Buffet im Einhäuser Bürgerhaus vorbereitet. Während sich deutsche Paare vorher oft noch via Tanzkurs fit machen, wird in Eritrea bei Hochzeiten nicht getanzt. Eine Torte gab es dafür bei Afomia Kflay und Medhane Mehart. In Eritrea ist es Brauch, dass die ausschließlich vom Hochzeitspaar und ganz speziellen Personen, die dem Paar sehr nahe stehen, verzehrt wird. Brauch ist auch, dass sie sich gegenseitig damit füttern. Auch dabei zeigt sich, dass in Eritrea ganz spontan geheiratet werden kann: "Die Torte haben wir ganz kurzfristig bestellt und auch bei den Getränken war das so", erinnert sich Sartorius-Neef. Eingeladen wird ohnehin nicht schriftlich - in Eritrea reicht das gesprochene Wort.

Unter den Gästen, so schätzt sie, waren um die zehn deutsche Personen mit dabei. "Auf jeden Fall war es ein sehr schönes Erlebnis und eine bewegende Feier. Auch wenn wir als Deutsche von der Predigt nichts verstanden haben. Die Wärme und Herzlichkeit der Menschen, die sogar aus Hamburg und Bremen kamen, war überwältigend."

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 08.09.2016

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