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Persönlich: Am 11. Juli kam die kleine Iqbaal auf die Welt – als erstes Kind von Asylbewerbern, die in Einhausen leben

Das erste Flüchtlingsbaby

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 23.08.2016

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Scharf

Glückliche Familie: Mutter Amina Omar hält Töchterchen Iqbaal auf dem Arm, Iqra freut sich im Arm von Vater Khadar Cabdi Cali über ihre kleine Schwester.

© Funck

Einhausen. An Streicheleinheiten fehlt es Iqbaal wahrhaftig nicht. Das Neugeborene wird nicht nur von der großen Schwester Iqra (vier Jahre), Mama Amina und Papa Khadar geherzt und liebevoll umsorgt, sondern obendrein von den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft in der Einhäuser Mathildenstraße 46. Sie alle wollen den properen Säugling in ihren Armen wiegen und ihn aus der Nähe betrachten.

Iqbaal ist erst einige Wochen alt. Das kleine Mädchen im rosa-weiß gestreiften Strampelanzug kam am 11. Juli im Kreiskrankenhaus in Heppenheim auf die Welt und ist das erste Flüchtlingsbaby von Einhausen. Mittlerweile hat auch eine syrische Familie aus der Nachbarschaft Nachwuchs bekommen.

Erstausrüstung wurde gespendet

Die Eltern der kleinen Iqbaal sind vor dem mehr als 25 Jahre tobenden Bürgerkrieg in Somalia geflüchtet und haben schwere Zeiten erlebt. Beide haben sich erst 2014 in Deutschland - und zwar auf einer Party in Frankfurt - zufällig kennengelernt und kurze Zeit darauf nach islamischem Recht geheiratet. Amina lebte damals noch mit ihrer erstgeborenen Tochter Iqra in der Nähe von Bremen, Khadar wurde aus der Aufnahmeeinrichtung in Gießen nach Einhausen geschickt, wo er sich anfangs mit anderen Flüchtlingen einen Container teilte.

Seit etwa einem halben Jahr wohnt die vierköpfige Familie in einem geräumigen, von Amina gemütlich hergerichteten Zimmer in der Mathildenstraße. Demnächst allerdings sollen das Gebäude und das Nachbarhaus 48 abgerissen werden. Ein Großteil der Bewohner wird dann in neuerrichtete Unterkünfte im Norden der Weschnitzgemeinde umziehen.

Um den neuen Erdenbürger in der Gemeinschaft willkommen zu heißen, haben seine Eltern und die übrigen Flüchtlinge ein Fest organisiert, im Hof ein Zelt aufgestellt und bunte Luftballons aufgehängt. Eingeladen sind auch die ehrenamtlichen Helfer von der Flüchtlingshilfe. Die stolze Mutter tischt den Geburtstagsgästen selbst gebackene und gekochte Spezialitäten aus ihrer Heimat Somalia auf. "Sie ist eine sehr gute Köchin", bestätigt Flüchtlingshelferin Christiane Osterkamp im Gespräch mit dem BA.

Iqbaal, die Hauptperson des Tages, lässt sich von dem Trubel um sie herum nicht beeindrucken: Der süße Fratz mit den schwarz schimmernden Haaren schlummert selig. "Sie ist ein pflegeleichtes Kind und schläft viel", schwärmt die Mutter. Babybettchen, Kinderwagen und Maxicosi sind Spenden von Gemeinde und Einwohnern, eine Einhäuserin hat für das Gitterbett einen Babyhimmel zur Verfügung gestellt.

Drei Jahre war die 25-jährige Somalierin auf der Flucht durch Äthiopien, den Sudan, Libyen bis nach Italien und Schweden. Wie ihr frisch gebackener Ehemann und Vater der kleinen Iqbaal, der in einem total überfüllten Boot aus Lampedusa strandete, saß auch sie in Libyen im Gefängnis. Beide hatten bei ihrer Festnahme keine Ausweispapiere bei sich. Das Ehepaar Khadar Cabdi Cali und Amina Omar hat in Deutschland mittlerweile Asyl beantragt und möchte gern in der Region bleiben. Die glücklichen Eltern aus Somalia haben ein vorläufiges Bleiberecht.

Schwester spricht schon Deutsch

Die vierjährige Iqra erweist sich unterdessen als charmanter und kesser Wirbelwind - aber auch als liebevolle große Schwester. Und sie plappert drauf los, so wie ihr der Schnabel gewachsen ist - auf Deutsch. Iqra kann sich in der fremden Sprache sehr gut verständigen. Gelernt hat sie schnell, unter anderem von den deutschen Kindern im Einhäuser Kindergarten Weschnitzwichtel, wo sie eine gute Freundin gefunden hat.

Auch Amina und Khadar können sich einigermaßen auf Deutsch verständigen. Ab Oktober soll der 22-jährige Papa eine Qualifizierungsmaßnahme am Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Bensheim beginnen und einen Integrationskurs besuchen.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 23.08.2016

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