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Flüchtlinge: Am Donnerstag wird die neue Unterkunft eingeweiht

Einhausen kratzt an der 100er-Marke

Archiv-Artikel vom Samstag, den 27.08.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Florian Karlein

Einhausen. Zuerst kamen die Mails aus dem Einhäuser Rathaus. Als die Flüchtlingszahlen begannen, dramatisch zu steigen, suchte die Verwaltung händeringend nach Wohnraum, um Asylbewerber dort unterzubringen. In immer kürzeren Abständen erreichten die Wohnungsgesuche auch die BA-Redaktion. Dass die ersten Flüchtlinge in Containern untergebracht werden mussten, kam nicht von ungefähr. Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Die neue Unterkunft an der Carl-Benz-Straße im Norden der Gemeinde wird in der kommenden Woche eingeweiht.

Wer dort genau einzieht, ist allerdings noch unklar. Darüber wird bereits diskutiert: Flüchtlinge, die bereits schon länger in Einhausen leben, oder die, die derzeit in den Häusern Mathildenstraße 46 und 48 wohnen? Beide Gebäude sollen in naher Zukunft abgerissen werden. Insgesamt leben derzeit 95 Flüchtlinge in der Gemeinde. Alle, das berichtet Bürgermeister Helmut Glanzner nicht ganz ohne Stolz, sind in privaten Wohnungen untergebracht. 70 Menschen in Eigentum der Gemeinde, die übrigen 25 in einem Gebäude eines privaten Eigentümers. Die Container sind längst Vergangenheit.

Kritik an der Kanzlerin

Trotz aller Kritik - sie seien damals alternativlos gewesen. "Wir hatten einfach keinen Wohnraum zur Verfügung", sagt Glanzner, "die Container waren eine hohe finanzielle Belastung für die Gemeinde." Beschwert haben sich über die damalige Lösung einige. Flüchtlingshelfer empfanden die Unterbringung als nicht geeignet, Nachbarn beschwerten sich über die Bewohner, die teilweise bis 23 Uhr vor ihrer Unterkunft gegrillt und sich lautstark unterhalten haben sollen. "Das waren allesamt junge Männer", relativiert Glanzner. "Die Beschwerden wären auch gekommen, wenn es Deutsche gewesen wären."

Trotzdem will der Rathauschef nicht verheimlichen, dass anfängliche Bedenken gegen die Menschen aus fremden Ländern spürbar waren. Nicht zuletzt bei der Debatte um den Standort der neuen Unterkunft. Dass das Verhältnis von Einhäusern und Asylbewerbern mittlerweile besser ist, liege am steten Arbeiten des Netzwerks Flüchtlingshilfe, den Rathaus-Mitarbeitern und daran, dass Bürgermeister Glanzner das Thema zur Chefsache erklärt hatte. "Ich bin dankbar für das außerordentlich große soziale Engagement in unserer Gemeinde." Aber er betont auch, dass es von Anfang an keine Probleme mit den Flüchtlingen gab. Heute laufe die soziale Integration reibungslos.

Helmut Glanzner musste in der Vergangenheit dennoch einige unangenehme Gespräche führen. Trotz niedriger Arbeitslosenquote von 1,4 Prozent und hoher Kaufkraft gibt es auch sozial Schwache in Einhausen - und die suchten öfter, als man denken könnte, das Gespräch mit dem Verwaltungschef. Manchen, bei denen die Rente nicht ausreicht, beschwerten sich über fehlende Unterstützung, während Asylbewerbern sofort und in großem Ausmaß geholfen würde.

Anteil an dieser Unzufriedenheit hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer "Wir schaffen das"-Aussage. "Der Satz war unüberlegt und hat uns an der Basis Probleme bereitet", geht Glanzner mit der Regierungschefin hart ins Gericht. In Berlin habe man nicht überschauen können, was dieser Satz für die Kommunen bedeutet. Hätten Turnhallen geschlossen werden müssen, um Flüchtlinge unterzubringen, wäre das nicht auf viel Verständnis gestoßen, führt der Bürgermeister weiter aus. "Die überwiegende Mehrheit befürwortet Flüchtlingshilfe. Aber was, wenn die Ereignisse in Köln früher stattgefunden hätten?"

Nach wie vor kommen neue Asylbewerber nach Einhausen. Weil aber immer wieder auch Menschen, deren Aufenthaltsstatus geklärt ist, wegziehen, bleiben die Zahlen annähernd konstant. Dennoch kratzt die Gemeinde in den kommenden Tagen an der 100er-Marke. In einer E-Mail wurde der Verwaltung mitgeteilt, dass Einhausen eine syrische Familie zugeteilt wurde.

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 27.08.2016

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