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Neujahrsempfang: Bürgermeister Glanzner und Gemeindevertretervorsitzender Bettels blickten zurück auf Einhäuser Geschehnisse / Lob für großes Bürgerengagement

„Flüchtlinge, Feuer und Finanzen“

Archiv-Artikel vom Montag, den 18.01.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Schmelzing

Sehr gut besucht war der Neujahrsempfang der Gemeinde Einhausen gestern im Bürgerhaus. Bürgermeister Glanzner gab dabei auch einen Ausblick auf kommende Projekte.

© Matern

Einhausen. Die Neujahrsempfänge in den beiden vergangenen Jahren in Einhausen hatten es in sich. 2014 hatte Philipp Bohrer einen Paukenschlag gesetzt, als er das Forum nutzte, um dort den - völlig von seiner Entscheidung überrumpelten - Einhäusern sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt des Bürgermeisters zu verkünden. 2015 diente der Neujahrsempfang auch Markus Hirth (Grüne) als ideale öffentliche Bühne, um seinen Rückzug nach 25 Jahren engagierter Kommunalpolitik anzukündigen.

Ein vergleichbarer Knaller fehlte diesmal. In Zeiten von Terror und verbreiteten Unsicherheitsgefühlen dürfte eine Großveranstaltung ohne Überraschung aber sogar als gute Nachricht empfunden werden. Angst und Schrecken gab es in Einhausen schließlich zuletzt genug. Sowohl Bürgermeister Helmut Glanzner als auch Gemeindevertretervorsitzender Ingo Bettels erinnerten in ihren Reden gestern im Bürgerhaus an die Serie von Brandstiftungen, unter der die Bevölkerung der Weschnitzgemeinde in den vergangenen Monaten zu leiden hatte.

Ein Jahr mit drei "F"

"Blicken wir in Einhausen auf das Jahr 2015, so kann man dieses Jahr auch als das Jahr der drei "F" bezeichnen", formulierte Glanzner: "Flüchtlinge, Feuer und Finanzen." Zu 85 Einsätzen hatte die Freiwillige Feuerwehr 2015 ausrücken müssen. Mehr als die Hälfte der Brände wird dem Feuerteufel zugeschrieben. Auch in der Nacht vor dem letztjährigen Neujahrsempfang war die Feuerwehr um Brandinspektor Christoph Röll gefordert gewesen.

"Kaum ein freies Wochenende, ständiger Anspannung ausgesetzt - das geht an die Nerven und die Gesundheit. Keiner der Feuerwehrleute aber hatte geklagt oder resigniert - bewundernswert", stellte Glanzner fest. Umsichtig, mutig und kompetent seien die zahlreichen Einsätze, die die Einsatzkräfte bis an das Limit persönlicher Belastbarkeit führten, durchgeführt worden, lobte der Bürgermeister. Die zahlreichen Zuhörer des sehr gut besuchten Neujahrsempfangs stimmten dieser Einschätzung mit kräftigen Beifall zu.

Als Dankeschön für die Feuerwehrleute und ihre unermüdliche ehrenamtliche Arbeit überreichte Glanzner an Christoph Röll und Wilhelm Krüger einen Scheck über 2000 Euro. Das Geld sei diesmal nicht für die Anschaffung technischer Geräte gedacht, betonte der Verwaltungschef, sondern für eine Feier. Schließlich hatten die Brandschützer vor allem wegen der Dauer-Einsätze sogar ihr 120-jähriges Bestehen nur im kleinen Rahmen begangen.

Ausdrücklich dankte Glanzner in seiner Rede auch dafür, dass die Familie des Brandstifters nicht mit Vorwürfen zusätzlich belastet worden sei. Einhausen charakterisierte der Verwaltungschef als eine "starke Gemeinschaft". Zu verantworten hat sich für die kriminellen Taten ein 19 Jahre alter Feuerwehrmann aus der eigenen Gemeinde. Der junge Einhäuser wurde im November gefasst und zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Bald über 100 Asylsuchende

Geblieben seit 2014 sind dagegen die Neujahrs-Appelle beim Thema Flüchtlingskrise. Die Herausforderungen für die Bürger werden 2016 nicht weniger. 75 Flüchtlinge leben derzeit in Einhausen. Bis Ende März könnten es 114 Asylsuchende werden, informierte Glanzner über das voraussichtlich neue Aufnahme-Soll für die Weschnitzgemeinde.

"Wer zu uns kommt, ist willkommen", erklärte Glanzner. Einhausen sei immer eine "offene und gastfreundliche Gemeinde" gewesen. "Wer bleiben will, der muss unsere Freiheit, unsere Werte anerkennen, annehmen und akzeptieren", unterstrich er aber gleichfalls. "Ich hoffe, dass Flüchtlinge in unserer Gemeinde nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden, sondern dass wir uns gemeinsam, wie bisher, dieser Aufgabe stellen und Kriegsflüchtlingen Schutz und Hilfe anbieten", so Glanzner. Es könne aber nicht sein, dass dies eine deutsche Aufgabe bleibe: "Europa ist gefordert."

"Wir merken - und müssen uns das auch eingestehen -, dass unsere Fähigkeiten zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen nicht unbegrenzt sind", sagte Ingo Bettels in seiner Ansprache an. Der Zustrom von Flüchtlingen mache vielen Menschen zunehmend Sorgen. Es sei wichtig, ihn künftig zu verringern und wirksamer zu steuern. Mit der Integration von Menschen mit Bleibeperspektive müsse früh begonnen werden. Und: "Wir müssen alles tun, um de Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten", erklärte der Gemeindevertretervorsitzende.

Integration ist erst am Anfang

Es sei "großartig, was wir - die Behörden und die Zivilgesellschaft - im vergangenen Jahr bei der Aufnahme der Flüchtlinge geleistet haben. Aber wir können das nicht beliebig wiederholen", mahnte er: "Bei der großen Aufgabe der Integration stehen wir erst am Anfang." Stellvertretend für das Netzwerk Flüchtlingshilfe Einhausen wurde Sprecherin Beate Kallenbach-Herbert gestern ausgezeichnet. Sie erhielt als Dankeschön für die ehrenamtliche Arbeit ihrer inzwischen 50 Mitstreiter von der Gemeinde 250 Euro zum Feiern. Einhausen werde die Herausforderungen auch 2016 meistern, zeigte sich Glanzner überzeugt.

Geehrt wurde auch Aref Mohamed. Der junge Mann aus Somalia kam vor einem Jahr als Flüchtling nach Einhausen. Er kann Englisch und hat mittlerweile auch gute Deutsch-Kenntnisse. Als eine Art Integrationslotse unterstütze er das Flüchtlingsnetzwerk und helfe auf dem Sportplatz ebenso aus wie als Dolmetscher, freute sich Glanzner - und bedankte sich bei ihm mit Schokolade.

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 18.01.2016

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