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Flüchtlingshilfe: Kleine Wohnung für werdende Eltern gesucht / Auch Wohnraum zur Miete für junge Familien willkommen

Im August kommt Ali zur Welt

Archiv-Artikel vom Freitag, den 08.07.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Schmelzing

Inge von Zeppelin (rechts) betreut Sabrin und Ibrahim, die im August Eltern werden. Auch Pfarrerin Dr. Katrin Hildenbrand (Zweite von rechts) und Ingrid Gärtner engagieren sich ehrenamtlich im Einhäuser Flüchtlingsnetzwerk.

© Lotz

Einhausen. Als die erste Flüchtlingswelle vor zwei Jahren die Bergstraße erreichte und für viele Asylsuchende Wohnraum benötigt wurde, da war die Situation in Einhausen schwierig. Um alle Neuankömmlinge unterzubringen, mussten in der Gemeinde - damals kreisweit eine Besonderheit - Wohncontainer aufgestellt werden. In Einhausen gab es nämlich keine freien Immobilien in kommunalem Besitz, in die Flüchtlinge hätten einziehen können - und auf dem privaten Wohnungsmarkt hielten sich Vermieter zuerst zurück. Man wolle die Räume lieber an Familien vergeben als an Wohngemeinschaften alleinstehender Männer, hieß es von Eigentümern damals häufig. Mittlerweile allerdings wäre die Gelegenheit dazu da, dies einzulösen - mehrfach sogar.

Denn die Container sind zwar schon lange wieder verschwunden, und inzwischen leben über 90 Flüchtlinge an verschiedenen Adressen in Einhausen. Die Tatsache aber, dass alle ein festes Dach über dem Kopf haben, bedeutet nicht unbedingt, dass die jeweilige Wohnung auch langfristig ideal zu den Mietern passt. Bei Sabrin Nameh und Ibrahim Mohamad ist das zum Beispiel der Fall.

Das Zimmer wird zu klein

Das Ehepaar, das aus Damaskus geflüchtet ist, lebt in einem Haus in der Mathildenstraße. Im Obergeschoss ist eine sechsköpfige Familie aus Afghanistan untergebracht, die in Kürze das fünfte Kind erwartet. Mit einer vierköpfigen kurdischen Familie teilen sich Sabrin und Ibrahim im Erdgeschoss Küche und Bad. Keine 15 Quadratmeter umfasst das Zimmer, das ihnen privat zur Verfügung steht, so Inge von Zeppelin vom Einhäuser Flüchtlingsnetzwerk. Diesen knappen Raum haben die beiden allerdings auch bald nicht mehr nur für sich, denn sie erwarten ein Baby. In wenigen Wochen, wohl Anfang August, wird der Junge auf die Welt kommen. Ali soll er heißen.

Inge von Zeppelin, die sich ehrenamtlich als Haus-Patin für die Bewohner der Mathildenstraße engagiert, hofft, dass ihre beiden Schützlinge bald eine neue Bleibe finden. Eine Wohnung mit anderthalb Zimmern wünscht sie sich - am liebsten in Einhausen, auch Lorsch aber wäre in Ordnung. Hauptsache, es werden überhaupt passende Objekte von Vermietern angeboten. "Es gibt wenig bezahlbaren Wohnraum an der Bergstraße", hat die vom Niederrhein zugezogene Ärztin bereits bedauernd festgestellt.

Der Aufenthalt in der Mathildenstraße 48 allerdings kann für das Paar aus Syrien keiner auf Dauer sein, selbst wenn es sich in seinem Zimmerchen auch mit dem Baby arrangiert. Schließlich soll das Haus in absehbarer Zeit abgerissen werden. Auf dem Gelände sollen Gebäude mit Eigentumswohnungen für Senioren entstehen (der BA hat mehrfach berichtet). Im Frühjahr 2018 soll der Einzugstermin sein.

Keine Zahlungsschwierigkeiten

Einfach an die Carl-Benz-Straße wechseln, wird für Sabrin und Ibrahim nicht möglich sein. Dort entsteht zwar die Einhäuser Flüchtlingsunterkunft, die 66 Plätze bieten wird und noch in diesem Jahr bezugsfertig werden soll. Sie ist aber eben nicht für bereits anerkannte Flüchtlinge mit Bleiberecht gedacht, wie Sabrin.

Weil es nicht leicht für die 25-Jährige ist, auf eigene Faust auf dem privaten Wohnungsmarkt fündig zu werden, erhält sie Unterstützung auch von Dr. Katrin Hildenbrand. Die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde engagiert sich schließlich - wie rund 50 ehrenamtlich tätige Einhäuser - ebenfalls im Flüchtlingsnetzwerk der Weschnitzgemeinde. Inge von Zeppelin begleitet ihre Schützlinge bei Wohnungsbesichtigungen, hilft auch bei möglichen Übersetzungsproblemen und kümmert sich um die nötigen Formalitäten. Zahlungsschwierigkeiten müssen Wohnungseigentümer nicht befürchten. Die Miete - sofern sie für die Wohnung von Amts wegen als angemessen akzeptiert ist - wird vom Kreis übernommen.

Die Aktiven im Flüchtlingsnetzwerk hoffen, dass sich für Sabrin und Ibrahim möglichst noch vor der Geburt von Ali ein Quartier finden lässt, das genügend Platz für eine junge Familie bietet. Häuser, in denen Wohnungen frei sind, gibt es in der Weschnitzgemeinde noch, sind die Ehrenamtlichen überzeugt. Vielleicht, so wünschen sich die Helfer, ergeben sich langfristig auch Angebote für weitere Flüchtlingsfamilien in Einhausen, die eine neue Bleibe suchen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 08.07.2016

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