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Helferkreis: 50 Kinder erkundeten mit Forstleuten den Jägersburger Wald / Mit Geweihstangen durchs Unterholz

Wie man Wildschweinen entkommt

Archiv-Artikel vom Montag, den 29.08.2016

Der sieben Jahre alte Luk kletterte einen Baum empor, um zu zeigen, wie er sich vor nahenden Wildschweinen in Sicherheit bringen würde.

© Weinbach

Einhausen. Man sollte nicht meinen, dass Kinder dauernd mit Handys unterwegs sind und sich nicht für ihre Umwelt interessieren. Zumindest war das bei den 50 Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren nicht der Fall. Diese hatten sich nach einer Einladung des Helferkreises der evangelischen Kirche von Einhausen am Gemeindehaus eingefunden und marschierten von dort gemeinsam zum Parkplatz des TV Einhausen. Dort warteten der pensionierte Lorscher Förster Karl Eifert und der Förster und Waldpädagoge Klaus-Peter Winterfeldt vom Forstamt Lampertheim auf die Kleinen und ihre Betreuerinnen.

Ziel der Wanderung war der Lehrpfad im Jägersburger Wald. "Haltet Abstand", forderte Klaus-Peter Winterfeldt, "ich rede mit Händen und Füßen", als er den Kindern etwas über den Wald erklärte und sie fragte, was sie vom Wald kennen. Dabei zeigte er unter anderem einen Kiefern- und Fichtenzweig und informierte die engagiert wirkenden Teilnehmer, dass dies keine Zweige von Tannen seien. Die kämen eher im Odenwald vor.

Tipps gegen juckende Nesseln

"Ich war schon mit meinem Papa im Odenwald", versicherte ein Junge. Der Förster vergaß auch nicht den Hinweis auf Brennnesseln. "Die können jucken, wenn man sie berührt", erinnerte er. Erstaunt zeigten sich die Erwachsenen, als der sechsjährige Neo daraufhin erklärte, man könne das Jucken mit Spitzwegerich erträglicher machen: "Ich habe es selbst ausprobiert".

Bei den durch Wildschweine aufgewühlten Spuren wollte der Forstmann wissen, was diese Tiere fressen. Eicheln, Walnüsse, Bucheckern, Kastanien, so lauteten die Antworten. Diese Waldfrüchte holte der Förster aus seinem Rucksack. Auf der Suche nach Spuren von Wildschweinen fand ein Mädchen den Unterkiefer einer jungen Wildsau, ein Fund, der von allen bestaunt wurde.

Die Frage, was zu tun ist, wenn ein Wildschwein auftauche, beantworteten die Kinder mit verschiedenen Möglichkeiten: Weglaufen, sich tot stellen oder auf einen Baum klettern. Alles sei nicht richtig, meinten die Förster. Luk (7) demonstrierte das Klettern an einem dicken Baumstamm.

Beeren, Kletten und Pilze

Karl Eifert informierte die junge Gruppe darüber, dass es noch rund 50 Wildschweine im Jägersburger Wald gebe. Er wusste auch, dass ein Baum etwa 180 Jahre alt werden könne. Die Kinder fanden, nach der Aufforderung, "etwas, was rot ist, was klebt und was nützlich ist für Menschen": Beeren, Kletten, Holz und einen Pilz.

Annetraut Wörner, Vorsitzende des evangelischen Helferkreises in Einhausen, musste einem Mädchen drei Kletten aus dem Haar entfernen und es trösten, weil das weh tat. Holz, wussten die Kinder, könne zum Heizen verwendet werden, auch Möbel könnten daraus hergestellt werden.

Bei Beeren und Pilzen sollten die Kinder vorsichtig sein, verdeutlichten die Experten. Nicht alles sei essbar, manches giftig. Aus den gefundenen Vogelbeeren (Eberesche) werde Marmelade gemacht oder auch Schnaps, erfuhren die Ferienspielkinder.

Bei der Feder eines Eichelhähers wusste Klaus-Peter Winterfeldt, dass es sich bei dieser Vogelart um den "Polizisten des Waldes" handle. Die mitgebrachten präparierten Hirschkäfer seien die "Zimmerleute des Waldes".

"Ich hab die nächste Pflanze", versicherte ein Junge nach der Aufforderung, Blätter von Robinie und Hainbuche zu suchen. Viel Spaß hatten die Kinder außerdem, als ihnen der Förster zwei große Geweihstangen eines Rothirschs und die Hörner eines Rehbocks zeigte.

Auch ein Hirsch hat es schwer

Zum einen beantworteten die Kinder die Frage, ob ein Reh die Frau von einem Hirsch sei, ziemlich eindeutig mit "Nein". Zum anderen freuten sie sich, als sie mit den Geweihstangen auf dem Kopf durch den Wald liefen. Das demonstrierte, wie schwer es ein Hirsch hat, durch dichten Wald und Unterholz zu rennen.

Einige Kinder setzten sich auch gerne lange Holzstücke auf den Kopf als Geweihersatz. "Ich bin jetzt auch ein Hirsch", meinte die kleine Lenya dazu.

Klaus-Peter Winterfeldt erklärte den Kindern auch einige Zeichen an den Bäumen. So bedeute ein "R" den Hinweis auf eine "Rückegasse" für gefällte Bäume. Zahlen seien Hinweise auf bestimmte Wanderwege, erfuhren die Ferienspielkinder.

Die interessierten Kinder hatten unterwegs auch einige Raupen, Mistkäfer sowie auch eine Mini-Eidechse gefunden. Gestärkt wurden sie mit kühlen Getränken, die auf einem Bollerwagen mitgeführt wurden.

Zum Abschluss freuten sich alle Teilnehmer auf ein schönes Eis. Auf die Frage der Förster, was ihnen an dem lehrreichen Marsch gefallen habe, kam die eindeutige Antwort: "Alles war toll". ml

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 29.08.2016

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