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Natur: Der Jäger Rolf Stadler erklärt, warum es nicht so leicht ist, Schäden wie die im Weinberg auf dem Steinkopf zu verhindern

Gezielte Wildschweinjagd ist schwierig

Heppenheim. Die Wildschweinpopulation hat in den vergangenen Jahren im gesamten mitteleuropäischen Raum zugenommen. An der Bergstraße klagen vor allem Winzer in letzter Zeit vermehrt darüber, dass Schwarzwild auf der Suche nach Nahrung ihre Wingerte umgräbt. Der jüngste Fall wurde vom Heppenheimer Steinkopf gemeldet (wir haben gestern berichtet). Deshalb fordern die Winzer, dass die Rotten verstärkt bejagt werden.

Doch so einfach ist das nicht, wie Rolf Stadler vom Jagdklub Sankt Hubertus Bergstraße erklärt. Wildschweine können in einer Nacht bis zu 50 Kilometer zurücklegen. "Wie sollen die Jäger eine solche Rotte, die permanent unterwegs ist, gezielt und wirksam bejagen?" Wann die Tiere wo auftauchen, sei nicht planbar, Jagderfolg oft Glückssache. "Das ist genauso Glück wie das bedauerliche Pech, das der Winzer jetzt hatte", sagt Stadler.

Wild kann keine Schilder lesen

Die Wingerte seien nun mal in der offenen Kulturlandschaft angelegt, und "das Wild kann leider keine Schilder lesen, um nicht dort nach Nahrung zu suchen, wo sie offenbar geradezu finden ist", sagt Stadler. "Irgendwo müssen die Tiere ja was zu fressen suchen, was sie meist nachts tun". Somit werde die Jagd zusätzlich erschwert.

Stadler versteht den Unmut der Winzer, die berechtigte Interessen hätten, "aber man kann nicht sagen, dass die Jäger nichts tun". Vielmehr versuchten sie mit revierübergreifenden Drückjagden sowie mit Ansitzjagden, die Wildschweinpopulation zu reduzieren. Die Reviere werden in der Regel bewusst gewählt. "Wir gehen dahin, wo vermehrt Schäden durch Wildschweine auftreten oder aufgetreten sind."

Im letzten Jahr hätten die Jäger die Anzahl der Jagden erhöht und zugleich die Abstände zwischen den einzelnen Einsätzen verringert. Bei einer Drückjagd in den Tongruben im Januar waren zehn Wildschweine geschossen worden, Anfang Dezember am Schlossberg waren es rund 30. Insgesamt hätten die Jäger in der Zeit von November bis Februar zwischen Auerbach und Laudenbach mehr als 150 Wildschweine erlegt. Dabei muss auch auf die Balance geachtet werden. "Wir wollen die Tiere ja nicht ausrotten", sagt Stadler, "aber dennoch den Bestand deutlich reduzieren".

Eine Drückjagd ist indes auch kein Spaziergang. Insbesondere der Einsatz der Treiber ist anstrengend. Oft müssen sie sich durch dichte Hecken kämpfen, manchmal auf allen Vieren.

Erschwert wird die Jagd auch, weil die Tiere hinzulernen und in Deckung bleiben. Und aufs Geratewohl darf nicht geschossen werden. "Selbst wenn der Jäger genau weiß, dass im Unterholz Wildschweine sind, selbst wenn er sie hört, darf er nicht einfach schießen." Das ist aus Tierschutzgründen nur erlaubt, wenn das jeweilige Tier gut zu sehen und sicher zu erlegen ist. Das sei in unebenen und unübersichtlichen Gebieten wie in den Weinbergen nicht immer einfach.

"Wer hundertprozentigen Schutz in seinen Wingerten will, müsste sie einzäunen - was allerdings mit hohen Kosten verbunden wäre", sagt Stadler. Gleichzeitig betont er das Angebot der Jäger, mit Betroffenen an einem Runden Tisch nach Lösungen zu suchen. schu

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 15.02.2013

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