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Die Richtung stimmt

Karl-Heinz Schlitt

Alles wird gut - oder: Alles schon mal dagewesen? Die Zeichen stehen günstig, jedenfalls entschieden besser als bei allen Anläufen zuvor, dass das Heilig-Geist-Hospital in Bensheim und - in seinem Schlepptau - das Luisenkrankenhaus in Lindenfels sich nicht länger mit Traumtänzereien aufhalten, sondern endlich eine Basis für eine sorgenfreiere Zukunft geschaffen ist.

Vertrauen wiederhergestellt

Mit seiner Ankündigung, bis Ende des Monats Januar ein tragfähiges Sanierungskonzept für die beiden tief in die roten Zahlen gerutschten Kliniken vorzulegen, hat der neue Geschäftsführer des Katholischen Klinikverbunds Südhessen, Gerd Kath, nicht zu viel versprochen. Wort gehalten hat auch der Vorsitzende des Stiftungsrats der Bensheimer Heilig-Geist-Stiftung, der Viernheimer Pfarrer Angelo Stipinovich. Damit und mit seinem gestern Abend der Öffentlichkeit vorgestellten Konzept hat das Duo verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt.

Keine Akutmedizin am HGH

So gesehen, markiert die samstägliche Sitzung des Stiftungsrats von Heilig-Geist eine überfällige Zäsur. Die Diagnose fällt eindeutig aus: Für aufwendige Akutmedizin, die das gesamte Spektrum der stationären Medizin abdeckt, fehlen in Bensheim die Voraussetzungen.

Diese Erkenntnis verbietet jeden Verdrängungswettbewerb mit dem benachbarten Kreiskrankenhaus in Heppenheim - erst recht, nachdem dort das Universitätsklinikum Heidelberg als 90-Prozent-Gesellschafter vor der Tür steht. Weil das Bundeskartellamt seinen Segen für die Übernahme der Klinik am Bruchsee davon abhängig macht, dass daraus keine marktbeherrschende Stellung für die Heidelberger Maximalversorger entsteht, erweist sich eine Ausweitung des Schulterschlusses auf Bensheim und Lindenfels als keine realistische Möglichkeit.

Heilig-Geist braucht einen Partner

Das bedeutet, dass der Katholische Klinikverbund sich einen anderen Partner an seine Seite holen muss. An Interessenten mangelt es nicht. Private Gesundheitskonzerne gehören ebenso dazu wie die großen Kliniken der Städte Darmstadt und Mannheim. Bei beiden handelt es sich um akademische Lehrkrankenhäuser, die mit Universitäten in den Metropolregionen südlich und nördlich der Bergstraße eng kooperieren.

Wer den Zuschlag in Bensheim und Zwingenberg erhält, wird auch vom Preis abhängen, aber nicht vom Geld allein. Ein wichtiges Kriterium ist auch die regionale Einbettung - und entscheidend die Frage, mit welcher medizinisch-kaufmännischen Ausrichtung sichergestellt werden kann, dass sich die künftigen Betreiber des Bensheimer Hospitals und von "Luise" mit anderen Krankenhäusern im Landkreis nicht in die Quere kommen.

Größenwahn hat keinen Platz

Auch hier befindet sich der Katholische Klinikverbund auf einem guten Weg. Jeder wichtige Schritt ist mit der Kreisspitze und dem Bistum Mainz abgestimmt. Die an Größenwahn grenzenden und an Glücksrittertum erinnernden Alleingänge des scheinbar allmächtigen früheren Geschäftsführers Bernhard Franzreb gehören gottlob der Vergangenheit an.

Dass die neuen Herren Stipinovich und Kath ihren Auftrag unvoreingenommen - das heißt: ohne Leichen im Keller - erledigen können, erweist sich dabei als Geschenk des Himmels. Die Scherben auf Erden müssen sie trotzdem zusammenkehren. Das wird nicht ohne Einschnitte abgehen. In Bensheim zum Beispiel ist der Ärztliche Direktor seit einigen Tagen nicht mehr an Bord.

Das Luisenkrankenhaus wird auf 70 Betten zurückgebaut. Aber es bleibt der Region mit einer chirurgisch-internistischen Ausrichtung erhalten. Das ist eine frohe Botschaft für die einstige "Perle des Odenwalds" und ihre Nachbargemeinden.

Vom Tropf in die Reha

Mit seinem Drei-Säulen-Konzept hat der bereits in Viernheim als erfolgreicher Sanierer erprobte Krankenhausmanager Kath die finanziell schwindsüchtigen Patienten HGH und "Luise" von der Intensivstation geholt und in die Reha geschickt. Bis Ende 2014 sollen die kränkelnden Medizinbetriebe in Richtung schwarze Null gelaufen sein. Der Plan dafür steht. Damit er aufgeht, müssen die Bausteine aufeinanderpassen.

Neben einem glücklichen Händchen bei der Auswahl eines finanzstarken und medizinisch anerkannten Partners bedarf es dafür vor allem der Fortsetzung der zuletzt an den Tag gelegten Dialogbereitschaft sowie eines Gestaltungswillens, der verkrustete Trägerkonstellationen und lokales Kirchturmdenken hinter sich lässt.

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 28.01.2013

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