Die Pläne liegen auf dem Tisch, sämtliche Karten noch nicht. Die Entwürfe des Architektenwettbewerbs liefern eine solide Diskussionsgrundlage für eine Neugestaltung des nordwestlichen Innenstadtbereichs mit seiner Vielzahl von neuralgischen Punkten - mehr aber auch nicht. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst.
Akzeptanz für das in Aussicht gestellte Gesamtkonzept dürfen die Stadtoberen nur erwarten, wenn sie glaubhaft belegen können, dass es nicht bei schönen Ideen bleibt. Das Schlüsselwort heißt Vertrauen. Die allererste Bringschuld der Befürworter eines Bürgerhaus-Neubaus besteht darin, Gewissheit zu schaffen. Gewissheit, dass private Investoren das nötige Geld in die Hand nehmen, um das als städtebaulicher Missstand deklarierte Viertel rund um den Beauner Platz mit einer neuen Qualität zu versehen.
Nicht nur eine Baustelle
Dafür braucht die Stadt potente Partner - Projektentwickler und Bauträger, die hier oder andernorts schon bewiesen haben, dass sie ihr Geschäft verstehen und keine Totgeburten in sensibler Lage hinterlassen. Das vor sich hin darbende Neumarkt-Center führt schmerzlich vor Augen, was nicht passieren darf. Am Dalberger Hof tut sich eine zweite Baustelle auf, und - wenn ans bestehende Bürgerhaus tatsächlich die Spitzhacke angesetzt wird - direkt daneben eine dritte. Sie ist vermutlich am leichtesten zu schließen. Fußläufigen Wohnraum mitten in der Stadt zu vermarkten, dürfte kein Problem sein.
Bäume und Ruhezonen
Die Herausforderungen treten im Umfeld zutage - nicht zuletzt auf dem Beauner Platz, der eigentlich keiner ist, sondern eine Brachfläche, die Passanten aus gutem Grund lieber meiden. Hier könnte eine Esplanade wachsen - im wahrsten Sinne des Wortes: mit Bäumen und Ruhezonen, die zum Flanieren und Verweilen einladen.
Für das ganze Quartier gilt die alte Kaufmannsregel: Ohne Moos nix los. Deshalb wäre es fatal, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Es kommt auf die Reihenfolge an: keine neue Baustelle, bevor die alten geschlossen sind - oder wenigstens die Tinte unter den Verträgen dafür trocken ist. Dass sich der Bürgermeister in seinem Ausblick zum weiteren Verfahren darauf festgelegt hat, nährt Erwartungen. Thorsten Herrmann und sein Stadtbaurat Helmut Sachwitz werden daran gemessen werden.
Ein städtebauliches Gelenk
Einen Teilerfolg haben sie - zum für sie richtigen und sicher nicht zufällig so getimten Moment, vier Wochen vor dem Bürgerentscheid - erzielt. Der Siegerentwurf für einen modernen Bürgersaal mit direkter Anbindung ans Parktheater über ein zweigeschossiges Foyer bewegt sich im vorgegebenen Kostenrahmen von acht Millionen Euro. Eine runde Sache oder gar ein großer Wurf wird daraus aber erst, wenn das vom Vorsitzenden des Preisgerichts, dem Darmstädter Städtebauer Professor Klaus Trojan, plastisch skizzierte "Gelenk" zwischen der Altstadt und der westlichen Stadtentwicklung nicht an anderen Ecken knirscht.
Mehrwert als Maßstab
Nur dann erfährt Bensheims Visitenkarte eine Aufwertung, die es rechtfertigt, künftige Generationen mit den Hypotheken dafür zu belasten. Ein generalüberholtes kulturelles "Herz" mit zwei direkt nebeneinander liegenden "Kammern" allein - um ein Bild des Bürgermeisters aufzugreifen - liefert für den Preis, der dafür zu bezahlen ist, keinen ausreichenden Mehrwert.
Gesamtkonzept muss stimmen
So gesehen wird beim Bürgerentscheid am 10. März nicht nur über den Erhalt oder Abriss des alten Bürgerhauses abzustimmen sein, sondern auch darüber, wie viel Zutrauen die Bevölkerung hat, dass ein Neubau einer von mehreren Mosaiksteinen für die Stadtentwicklung insgesamt ist - also ein sinnvoller, womöglich sogar notwendiger Bestandteil eines schlüssigen und realistischen Gesamtkonzepts.
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