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Gadernheim: Grenzgang führt zu Steinbrüchen und bietet einen historischen Exkurs zur Geschichte der Region

Unterwegs zum Hinkelstein

Von unserer Mitarbeiterin Jutta Haas

Rund um Gadernheim unterwegs waren die Teilnehmer des jüngsten Grenzgangs.

© Neu

Gadernheim. Auf reges Interesse stieß der Grenzgang des Gadernheimer Ortsbeirates. Diesmal wollten sich die Teilnehmer mit den Steinbrüchen, der Arbeit, die dort geleistet wurde und den Menschen, die unter schweren Bedingungen dort gearbeitet haben, beschäftigen. Ortvorsteher Jürgen Machleid freute sich über das rege Interesse an dem Rundgang. Besonders begrüßte er Friedel Renkel und Willi Schmidt, die mit ihrem Wissen zum Gelingen der Veranstaltung beitragen wollten.

Friedel Renkel führte die Gruppe zum ersten Steinbruch im Forst und weiter Richtung Lautern, wo noch Reste eines Steinbruchs an der Nibelungenstraße zu sehen sind. Von hier ging der Weg weiter "Zum Rondell", wo zwei Steinbrüche inzwischen zugewachsen sind. Hier gibt es den Hinkelstein: Ob es eine einstige keltische Kultstätte war oder es in der Umgebung Hünengräber gab - genau wissen es die Gadernheimer nicht, aber interessant wäre es schon. Der nächste Steinbruch, der besucht wurde, ist am Rauhenstein und weiter ging es zur Allmei. Dort wurde eine stärkende Vesper eingenommen und eine größere Pause eingelegt. Bis hier wurde aus den Steinbrüchen der Diorit herausgearbeitet.

Reiche Diorit-Vorkommen

Etwas Besonderes wurde gegen Ende der Wanderung gezeigt. Am "Schwarzen Buckel" wurde nach Graphit gegraben, der an der Borgersmühle verarbeitet wurde. An dem Gebäude zeugen bis heute die Bergwerkszeichen - Hacke und Meißel über Kreuz - von der Tätigkeit. Wie Friedel Renkel erzählte, wurde rund um Gadernheim in den letzten 100 Jahren Diorit abgebaut. Seine Farben waren schwarz, schwarz-gesprenkelt oder dunkelgrün. Diorit besteht aus Feldspat und Glimmer sowie Anteilen von Erz. Diese Erze bestimmen die Farbe des Diorites.

Um 1900 wurde fleißig abgebaut, die Menschen von Gadernheim lebten damals von der harten Arbeit in den Steinbrüchen und ihrer zumeist kleinen Landwirtschaft. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die Arbeit eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war. Günstigere Steine kamen aus Indien, China oder Brasilien nach Europa.

Der Gadernheimer Diorit wurde vorwiegend für Grabmale verwendet. Weil die Arbeit in den Steinbrüchen sehr hart und auch sehr gefährlich war, kam es immer wieder zu Unfällen. Die geschwächten Menschen waren darüber hinaus anfällig für Krankheiten. Willi Schmidt berichtete bei dem Rundgang von der Gründung eines Arbeiterunterstützungsvereins im Jahre 1900. Dieser bestand bis zum Schluss aus rund 80  Mitgliedern und war ein eigenständiger Verein, der zu keiner übergeordneten Institution gehörte.

Gründung eines Arbeitervereins

Dieser Verein hatte die Aufgabe, den Mitgliedern im Ernstfall finanziell zu helfen. Dafür kostete die Mitgliedschaft pro Monat zwei bis drei Mark. Weitere Einnahmen hatte der Verein durch Veranstaltungen wie Theaterabende oder auch von großzügigen Spenden der Arbeitgeber. Je nachdem, wie viel Geld in der Kasse war, konnte er den Mitgliedern wie eine Versicherung helfen. Doch dieser Vereinszweck wurde Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dem Verein zum Verhängnis. Politisch wurde beschlossen, dass Versicherungen immer einen Überschuss erwirtschaften müssen. Genau dieses konnte der verhältnismäßig kleine Verein nicht leisten.

Seine Tätigkeit musste 1967 eingestellt werden. Aus dem Arbeiterunterstützungsverein ging nach einigen Überlegungen der Vorstände der Gadernheimer Arbeiterverein hervor. Auch die Gelder des Arbeiterunterstützungsvereins konnten gerettet werden, sie wanderten in die Kasse des Arbeitervereins.

Mit viel neuem Wissen trafen die Teilnehmer des Grenzganges schließlich im Heidenberg ein, wo sie auf dem Gelände des Vogelschutzvereins ihren Abschluss feierten. Hier dankte Ortsvorsteher Jürgen Machleid sowohl Friedel Renkel als auch Willi Schmidt für ihre Ausführungen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 21.03.2013

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