DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Samstag, 25.10.2014

Suchformular
 
 
Bensheim Einhausen Heppenheim Lautertal Lindenfels Lorsch Zwingenberg Lampertheim Bürstadt Biblis Viernheim Groß-Rohrheim Worms

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Gadernheim: Grenzgang führt zu Steinbrüchen und bietet einen historischen Exkurs zur Geschichte der Region

Unterwegs zum Hinkelstein

Von unserer Mitarbeiterin Jutta Haas

Rund um Gadernheim unterwegs waren die Teilnehmer des jüngsten Grenzgangs.

© Neu

Gadernheim. Auf reges Interesse stieß der Grenzgang des Gadernheimer Ortsbeirates. Diesmal wollten sich die Teilnehmer mit den Steinbrüchen, der Arbeit, die dort geleistet wurde und den Menschen, die unter schweren Bedingungen dort gearbeitet haben, beschäftigen. Ortvorsteher Jürgen Machleid freute sich über das rege Interesse an dem Rundgang. Besonders begrüßte er Friedel Renkel und Willi Schmidt, die mit ihrem Wissen zum Gelingen der Veranstaltung beitragen wollten.

Friedel Renkel führte die Gruppe zum ersten Steinbruch im Forst und weiter Richtung Lautern, wo noch Reste eines Steinbruchs an der Nibelungenstraße zu sehen sind. Von hier ging der Weg weiter "Zum Rondell", wo zwei Steinbrüche inzwischen zugewachsen sind. Hier gibt es den Hinkelstein: Ob es eine einstige keltische Kultstätte war oder es in der Umgebung Hünengräber gab - genau wissen es die Gadernheimer nicht, aber interessant wäre es schon. Der nächste Steinbruch, der besucht wurde, ist am Rauhenstein und weiter ging es zur Allmei. Dort wurde eine stärkende Vesper eingenommen und eine größere Pause eingelegt. Bis hier wurde aus den Steinbrüchen der Diorit herausgearbeitet.

Reiche Diorit-Vorkommen

Etwas Besonderes wurde gegen Ende der Wanderung gezeigt. Am "Schwarzen Buckel" wurde nach Graphit gegraben, der an der Borgersmühle verarbeitet wurde. An dem Gebäude zeugen bis heute die Bergwerkszeichen - Hacke und Meißel über Kreuz - von der Tätigkeit. Wie Friedel Renkel erzählte, wurde rund um Gadernheim in den letzten 100 Jahren Diorit abgebaut. Seine Farben waren schwarz, schwarz-gesprenkelt oder dunkelgrün. Diorit besteht aus Feldspat und Glimmer sowie Anteilen von Erz. Diese Erze bestimmen die Farbe des Diorites.

Um 1900 wurde fleißig abgebaut, die Menschen von Gadernheim lebten damals von der harten Arbeit in den Steinbrüchen und ihrer zumeist kleinen Landwirtschaft. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die Arbeit eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war. Günstigere Steine kamen aus Indien, China oder Brasilien nach Europa.

Der Gadernheimer Diorit wurde vorwiegend für Grabmale verwendet. Weil die Arbeit in den Steinbrüchen sehr hart und auch sehr gefährlich war, kam es immer wieder zu Unfällen. Die geschwächten Menschen waren darüber hinaus anfällig für Krankheiten. Willi Schmidt berichtete bei dem Rundgang von der Gründung eines Arbeiterunterstützungsvereins im Jahre 1900. Dieser bestand bis zum Schluss aus rund 80  Mitgliedern und war ein eigenständiger Verein, der zu keiner übergeordneten Institution gehörte.

Gründung eines Arbeitervereins

Dieser Verein hatte die Aufgabe, den Mitgliedern im Ernstfall finanziell zu helfen. Dafür kostete die Mitgliedschaft pro Monat zwei bis drei Mark. Weitere Einnahmen hatte der Verein durch Veranstaltungen wie Theaterabende oder auch von großzügigen Spenden der Arbeitgeber. Je nachdem, wie viel Geld in der Kasse war, konnte er den Mitgliedern wie eine Versicherung helfen. Doch dieser Vereinszweck wurde Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dem Verein zum Verhängnis. Politisch wurde beschlossen, dass Versicherungen immer einen Überschuss erwirtschaften müssen. Genau dieses konnte der verhältnismäßig kleine Verein nicht leisten.

Seine Tätigkeit musste 1967 eingestellt werden. Aus dem Arbeiterunterstützungsverein ging nach einigen Überlegungen der Vorstände der Gadernheimer Arbeiterverein hervor. Auch die Gelder des Arbeiterunterstützungsvereins konnten gerettet werden, sie wanderten in die Kasse des Arbeitervereins.

Mit viel neuem Wissen trafen die Teilnehmer des Grenzganges schließlich im Heidenberg ein, wo sie auf dem Gelände des Vogelschutzvereins ihren Abschluss feierten. Hier dankte Ortsvorsteher Jürgen Machleid sowohl Friedel Renkel als auch Willi Schmidt für ihre Ausführungen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 21.03.2013

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich einloggen, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • via Facebook teilen
    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Das Wetter in Lautertal

    Lautertal (Odenwald) - Prognose für 12 Uhr

    Das Wetter am 25.10.2014 in Lautertal (Odenwald): bedeckt
    MIN. 4°
    MAX. 9°
     

    Serie (Schluss)

    Eine Schuld, die ins Gigantische wuchs

    Von Peter Lotz, Frank Maus, Franz Josef Schäfer und Peter Ströbel Adam Essinger, 1908 in Reichenbach geboren, wächst in der autoritären Kaiserzeit auf und bekennt sich in der Endphase der Weimarer Republik (1932) früh, freiwillig und öffentlich zum Nationalsozialismus. Als Mitglied der SS wird er… [mehr]

    Mario Barth und der Hessentag

    Bensheim. Mario Barth deckt auf. Der Comedian hat es sich in seiner Sendung zur Aufgabe gemacht, die Verschwendung von Steuergeldern anzuprangern. Die neuen Folgen laufen seit vergangener Woche. In der aktuellen Ausgabe hatte auch Bensheim die zweifelhafte Ehre einer Erwähnung. [mehr]

    Nahaufnahme

    Daniel Höly

    Der Lindenfelser Journalist Daniel Höly hat den Bayerischen Printmedienpreis 2014 erhalten. Bei der Preisverleihung auf Schloss Nymphenburg zeichneten die Bayerische Staatsregierung und Branchenverbände innovative Konzepte, Ideen und Techniken der Printmedienbranche aus. [mehr]

     
     

    Ihr Kontakt zu uns

    Fragen? Lob? Kritik?

    So erreichen Sie das Kompetenzteam Lautertal/Lindenfels:

    Thorsten Matzner

    06251/1008-89

    Marcella Märtel 06251/1008-84

    Fax

    06251/1008-76

    E-Mail

    ba-lautertal@bergstraesser-anzeiger.de

    Leben mit Angelman

    „Was wir brauchen, ist kein Mitleid, sondern Akzeptanz“

    Lindenfels. Die Stankas sind eine Familie, in der viel gelacht wird. "Wir sind glücklich und zufrieden mit unserem einfachen, sehr bescheidenen Leben," sagt Refija Stanka und lächelt: "Für uns ist das Normalität, und wir versuchen immer, das Beste aus einer Situation zu machen. Was wir brauchen ist… [mehr]

    Bensheim

    Ein Haus mit zwei Gesichtern

    Sie gehören zu Bensheim wie die Mittelbrücke oder der Marktplatz – die zahlreichen Adelshöfe in der Innenstadt. Rodenstein, Dalberg, Wambolt, Hoheneck und Walderdorff: All das sind klangvolle Namen früherer Adelsfamilien, nach denen die herrschaftlichen Anwesen benannt wurden. Heute im letzten Teil… [mehr]

    Bergsträßer Jazz-Festival

    Gospel zum Finale

    Bergstraße. Liebhaber der Konzertreihe ahnen es bereits: Zum Finale des Bergsträßer Jazz-Festivals findet auch in diesem Jahr am Zweiten Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember, ein Gospelkonzert im Bensheimer Parktheater statt. Zu Gast ist dieses Mal die Gruppe Janice Harrington & Friends. Das… [mehr]

    Überblick

    Schnell eingelebt

    Die Bergsträßer sind ein geselliges Völkchen. Geht man auf sie zu, wird man mit offenen Armen aufgenommen. Das gilt für die vielen Feste, das gilt aber auch sonst. Wer freundlich fragt, bekommt freundlich Antwort. [mehr]

    BA Natürlich

    Inventur der Natur: 350 Arten entdeckt

    Bergstraße. Biodiversität ist kein abstrakter Begriff, sondern ein sinnliches Erlebnis. Spürbar beim Selbstversuch am Froschteich des Naturschutzzentrums. Frösche quaken, Libellen surren und Vögel singen. Am Fuß kitzelt eine Ameise, irgendeine Mücke kollidiert mit dem rechten Ohr und braucht einen… [mehr]

    Facebook Fans des Bergsträßer Anzeigers

    Mitmach-Aktion

    Baby-Beilage zum Jahresende

    Bergstraße. Weihnachten rückt immer näher und allerorten machen sich die Menschen schon Gedanken über die richtigen Präsente, feine Menüs und prächtige Christbäume. Das schönste Geschenk in diesem Jahr war für viele junge Familien aber sicher die Geburt ihres Kindes. Und die erlebte Freude können… [mehr]

    Papiersammlungen

    Zwei Kisten voller Unrat

    Vandalismus an den Papiercontainern in Reichenbach Einige Zeit hatte ich in puncto Altpapiercontainer am Sportplatz des TSV Reichenbach an das Gute in den Menschen geglaubt. Doch wurde ich eines Besseren belehrt. Was jetzt wieder an Unrat in einem der Container war, geht nicht mehr auf die berühmte… [mehr]

    Lackmustest

    Karl-Heinz Schlitt ist sicher, dass der Kreis Bergstraße auch in Zukunft von keinem schlechten Landrat regiert wird [mehr]

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR