DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Samstag, 27.08.2016

Suchformular
 
 
Bensheim Einhausen Heppenheim Lautertal Lindenfels Lorsch Zwingenberg Lampertheim Bürstadt Biblis Viernheim Groß-Rohrheim Worms

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Gadernheim: Grenzgang führt zu Steinbrüchen und bietet einen historischen Exkurs zur Geschichte der Region

Unterwegs zum Hinkelstein

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 21.03.2013

Von unserer Mitarbeiterin Jutta Haas

Rund um Gadernheim unterwegs waren die Teilnehmer des jüngsten Grenzgangs.

© Neu

Gadernheim. Auf reges Interesse stieß der Grenzgang des Gadernheimer Ortsbeirates. Diesmal wollten sich die Teilnehmer mit den Steinbrüchen, der Arbeit, die dort geleistet wurde und den Menschen, die unter schweren Bedingungen dort gearbeitet haben, beschäftigen. Ortvorsteher Jürgen Machleid freute sich über das rege Interesse an dem Rundgang. Besonders begrüßte er Friedel Renkel und Willi Schmidt, die mit ihrem Wissen zum Gelingen der Veranstaltung beitragen wollten.

Friedel Renkel führte die Gruppe zum ersten Steinbruch im Forst und weiter Richtung Lautern, wo noch Reste eines Steinbruchs an der Nibelungenstraße zu sehen sind. Von hier ging der Weg weiter "Zum Rondell", wo zwei Steinbrüche inzwischen zugewachsen sind. Hier gibt es den Hinkelstein: Ob es eine einstige keltische Kultstätte war oder es in der Umgebung Hünengräber gab - genau wissen es die Gadernheimer nicht, aber interessant wäre es schon. Der nächste Steinbruch, der besucht wurde, ist am Rauhenstein und weiter ging es zur Allmei. Dort wurde eine stärkende Vesper eingenommen und eine größere Pause eingelegt. Bis hier wurde aus den Steinbrüchen der Diorit herausgearbeitet.

Reiche Diorit-Vorkommen

Etwas Besonderes wurde gegen Ende der Wanderung gezeigt. Am "Schwarzen Buckel" wurde nach Graphit gegraben, der an der Borgersmühle verarbeitet wurde. An dem Gebäude zeugen bis heute die Bergwerkszeichen - Hacke und Meißel über Kreuz - von der Tätigkeit. Wie Friedel Renkel erzählte, wurde rund um Gadernheim in den letzten 100 Jahren Diorit abgebaut. Seine Farben waren schwarz, schwarz-gesprenkelt oder dunkelgrün. Diorit besteht aus Feldspat und Glimmer sowie Anteilen von Erz. Diese Erze bestimmen die Farbe des Diorites.

Um 1900 wurde fleißig abgebaut, die Menschen von Gadernheim lebten damals von der harten Arbeit in den Steinbrüchen und ihrer zumeist kleinen Landwirtschaft. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts wurde die Arbeit eingestellt, weil sie nicht mehr rentabel war. Günstigere Steine kamen aus Indien, China oder Brasilien nach Europa.

Der Gadernheimer Diorit wurde vorwiegend für Grabmale verwendet. Weil die Arbeit in den Steinbrüchen sehr hart und auch sehr gefährlich war, kam es immer wieder zu Unfällen. Die geschwächten Menschen waren darüber hinaus anfällig für Krankheiten. Willi Schmidt berichtete bei dem Rundgang von der Gründung eines Arbeiterunterstützungsvereins im Jahre 1900. Dieser bestand bis zum Schluss aus rund 80  Mitgliedern und war ein eigenständiger Verein, der zu keiner übergeordneten Institution gehörte.

Gründung eines Arbeitervereins

Dieser Verein hatte die Aufgabe, den Mitgliedern im Ernstfall finanziell zu helfen. Dafür kostete die Mitgliedschaft pro Monat zwei bis drei Mark. Weitere Einnahmen hatte der Verein durch Veranstaltungen wie Theaterabende oder auch von großzügigen Spenden der Arbeitgeber. Je nachdem, wie viel Geld in der Kasse war, konnte er den Mitgliedern wie eine Versicherung helfen. Doch dieser Vereinszweck wurde Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dem Verein zum Verhängnis. Politisch wurde beschlossen, dass Versicherungen immer einen Überschuss erwirtschaften müssen. Genau dieses konnte der verhältnismäßig kleine Verein nicht leisten.

Seine Tätigkeit musste 1967 eingestellt werden. Aus dem Arbeiterunterstützungsverein ging nach einigen Überlegungen der Vorstände der Gadernheimer Arbeiterverein hervor. Auch die Gelder des Arbeiterunterstützungsvereins konnten gerettet werden, sie wanderten in die Kasse des Arbeitervereins.

Mit viel neuem Wissen trafen die Teilnehmer des Grenzganges schließlich im Heidenberg ein, wo sie auf dem Gelände des Vogelschutzvereins ihren Abschluss feierten. Hier dankte Ortsvorsteher Jürgen Machleid sowohl Friedel Renkel als auch Willi Schmidt für ihre Ausführungen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 21.03.2013

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Das Wetter in Lautertal

    Lautertal (Odenwald) - Prognose für 6 Uhr

    25°

    Das Wetter am 27.8.2016 in Lautertal (Odenwald): klar
    MIN. 18°
    MAX. 30°
     

    Sicherheit

    DLRG kämpft gegen Badeunfälle mit Flüchtlingen

    Bergstraße. Tropische Temperaturen locken in diesen Tagen wieder Tausende in die Freibäder und Seen der Region. Am Bensheimer Badesee haben sich am Mittwoch beispielsweise rund 3000 Gäste erfrischt. Am letzten Ferienwochenende werden noch mehr erwartet. Donnerstagvormittag. Die Wassertemperatur… [mehr]

    Stadtverwaltung Bensheim

    Für Neubau auf dem Marktplatz

    Es soll der Königstransfer für den Marktplatz werden: Ein Neubau für das Haus am Markt am bisherigen Standort, in den mit der Modekette H&M ein Mieter ziehen könnte, der Anziehungskraft besitzt. Seit Monaten wird in der Verwaltung geprüft, ob ein solches Vorhaben möglich ist. [mehr]

    Feuerwehr/DRK

    Lebensretter proben den Ernstfall

    Winterkasten. Die Feuerwehr Lindenfels wird am 3. September mit der Feuerwehr Reichelsheim und dem DRK eine Großübung abhalten. Treffpunkt der Einsatzkräfte ist um 14 Uhr in Winterkasten an der Eleonorenklinik. Die Übungslage soll ein Einsatztraining für Feuerwehr, Rettungsdienst und medizinischem… [mehr]

     
     

    Ihr Kontakt zu uns

    Fragen? Lob? Kritik?

    So erreichen Sie das Kompetenzteam Lautertal/Lindenfels:

    Thorsten Matzner

    06251/1008-89

    Konrad Bülow 06251/1008-84

    Fax

    06251/1008-76

    E-Mail

    ba-lautertal@bergstraesser-anzeiger.de

    Netiquette

    Spielregeln für die Kommunikation im Internet

    Dass die Kommentarfunktion zu den Artikeln auf unserer Website und in unseren sozialen Netzwerken zunehmend genutzt wird, freut die Redaktion. Die Meinung unserer Leser und der Besucher unserer digitalen Plattformen zu redaktionellen Inhalten ist uns wichtig. [mehr]

    Bergsträßer Jazz-Festival

    Mit Harmonien und Humor gegen den Regen

    Bensheim. Am Samstag swingte mal wieder die Bensheimer Innenstadt: Im Rahmen des Bergsträßer Jazz-Festivals gab es unter dem Motto "Jazz von 10 bis Zehn" ein facettenreiches Musikprogramm auf die Ohren. Die neunte Auflage des Open-Air-Marathons trotzte sogar dem Regenwetter: Das geballte Blech der… [mehr]

    Überblick

    Schnell eingelebt

    Die Bergsträßer sind ein geselliges Völkchen. Geht man auf sie zu, wird man mit offenen Armen aufgenommen. Das gilt für die vielen Feste, das gilt aber auch sonst. Wer freundlich fragt, bekommt freundlich Antwort. [mehr]

    Erdbeben

    „Die Regierung müsste   wenigstens Schulen sichern“

    Italien ist das erdbebenreichste Land Europas, aber trotzdem sind rund 70 Prozent der Gebäude dort nicht gesichert. Matteo Renzi gab sich staatsmännisch und mitfühlend. "Jetzt müssen die Tränen trocknen", sagte der italienische Ministerpräsident nach seinem Besuch im Erdbebengebiet in den Regionen… [mehr]

    Region Bergstraße

    Spende aus der BA-Baby-Beilage an „Wellcome“ überreicht

    Bensheim. Mütter und Kinder im Familienzentrum staunten am Dienstag nicht schlecht: Besucher von Bergsträßer Anzeiger und Sparkasse Bensheim platzten mitten in die muntere Sing- und Spielrunde. Die Störung hatte jedoch einen erfreulichen Grund: Die Spende aus dem Projekt "BA-Babys 2015" geht in… [mehr]

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR