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Konzert: Das Ensemble Voccata aus Heidelberg gastierte zur Passionszeit in der evangelischen Kirche

Lieder des Leidens und Jazz-Klänge mit Latein-Texten

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Grünwald

Das Vokalensemble Voccata Heidelberg gastierte zum Passionskonzert in der evangelischen Kirche Lindenfels.

© Neu

Lindenfels. Der Heidelberger Konzertchor Ensemble Voccata war am Sonntag zu Gast in der evangelischen Kirche in Lindenfels. Der Chor besteht aus drei Männern und drei Frauen: Gerolf Kaßbaum, Johannes Wittekind, Rainer Graf sowie Katja Resch, Jenny Farian und Petra Müller. A cappella sangen sie Lieder in lateinischer, englischer und deutscher Sprache.

Das Ensemble Voccata hat seinem Konzert den Titel "Misere" gegeben. Übersetzt bedeutet das "einfach" oder "ärmlich". Doch der Hintergrund diesmal war ein anderer: Die Stimmen der Männer und Frauen erfüllten den Kirchenraum ohne Mikrofon.

Die rund 100 Besucher spürten die einzelnen Klangnuancen ebenso wie die Kraft der liturgischen Gesänge, die der Konzertchor darbot. Die Stimme ist eben das Instrument der Chormitglieder.

Katholische Kirche noch nicht nutzbar

Ursprünglich war der Chor von der katholischen Pfarrei St. Petrus und Paulus zum Konzert nach Lindenfels eingeladen worden.

Da die katholische Kirche derzeit noch wegen des Brandes im Dezember vom Ruß befreit wird, fand das Konzert kurzerhand in der evangelischen Kirche statt. Heike Bauer von der katholischen Kirche hatte angefragt.

Und so kam es kurzerhand zu einer ökumenischen Veranstaltung zur Passionszeit. gg

Kreuze nicht verhüllt

Im Kirchenjahr wird der Zeitraum von Aschermittwoch bis Karsamstag also der Samstag vor Ostern als Passionszeit oder Fastenzeit bezeichnet. In der katholischen Kirche ist die Liturgie in der Passionszeit dadurch gekennzeichnet, dass sie den Akzent von dem Gedanken der Buße hin zur Betrachtung des Leidens Jesu Christi verschiebt.

Äußerliches Kennzeichen der Passionszeit in der katholischen Kirche ist die Verhüllung der Kruzifixe und Kreuze, mancherorts auch von Statuen. Das Kreuz auf dem Altar in der evangelischen Kirche in Lindenfels wurde nicht verhüllt; denn dieses Ritual war in der evangelisch-lutherischen Kirche nur bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts üblich. Im Zuge des "preußischen Protestantismus" kam das Verhüllen außer Mode.

Für die Besucher des Chorkonzerts war das alles jedoch nebensächlich. Sie wollten die Lieder hören, in denen sich die Komponisten mit dem Leiden und dem Sterben auseinandersetzen.

So begann der sechsköpfige Chor sein Konzert mit "Wenn ich einmal soll scheiden" von Johann Sebastian Bach. Moderner hingegen war "Herr, wie lange willst Du mein sogar vergessen?" vom Schweizer Komponisten Willy Burkhard, der 1955 in Zürich gestorben ist.

Zwei Zeilen in lateinischer Sprache brachte der Chor vom englischen Komponisten Samuel Wesley zu Gehör. Er lebte von 1766 bis 1837. Von ihm stammt auch das Lied: "Cast me not away" nach Psalm 51. Dabei birgt der Schluss einen gewissen englischen Humor, wenn es heißt: "Dass die Gebeine fröhlich werden, die Du zerschlagen hast".

Vom französischen Komponisten Francis Poulenc stammt: "Timor et Tremor". Er wurde 1899 in Paris geboren und starb dort 1963. Klavierspielen brachte ihm seine Mutter bei und während seinem Militärdienst 1918 komponierte er schon die ersten eigenen Stücke. Nach dem Tod eines Freundes 1936 wandte er sich dem katholischen Glauben zu. Randall Thomposon beschrieb das Leiden in einem Naturbild.

Während der Konzertchor sich für eine kurze Pause auf die Bank setzte, begab sich Organist Jens Hebenstreit aus Rimbach an die Orgel der evangelischen Kirche. Später sagte er: "Klein, aber fein". Die Orgel steht unter Denkmalschutz. "Ich liebe den Klang der alten Orgelpfeifen", lobte Hebenstreit.

Mit dem Lied "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" von Johannes Brahms ging das Konzert weiter.

Auch der in Hamburg geborene und in Wien gestorbene Brahms wusste das Leiden in Worte und Noten zu fassen. Sein Lied endet mit den Zeilen: "Wie Gott mir verheißen hat, der Tod ist mir Schlaf geworden."

Mit kurzen Liedern von Antonio Lotti setzt der Chor sein Programm fort. Immer wieder veränderten die Sänger mit ihren Stimmen die Klangstruktur.

Mit Marco Antonio Ingenieri ging es ins Mittelalter; bevor eine moderne Fassung des Leidens vom Belgier Vic Nees dargeboten wurde. Sein Lied in lateinischer Sprache hatte Anleihen aus der Jazz-Musik.

Zum Abschluss wendeten sich die sechs Sänger aus Heidelberg wieder den deutschen Kirchenkomponisten zu. Mit "Selig sind die Toten" von Heinrich Schütz und "Befiehl Du deine Wege" von Johann Sebastian Bach. Die 100 Zuschauer spendeten dem "Ensemble Voccata" donnernden Applaus.

Spenden und Rosen für den Chor

Viele bedankten sich mit einer Spende für den Chor und persönlichen Worten bei Pfarrerin Jutta Grimm-Helbig und Pfarrer Georges von der katholischen Kirche. Heike Bauer und Jochen Ruoff überreichten im Namen der Kirchenvorstände Rosen an die Künstler.

So mancher Konzertbesucher aus Fürth und Rimbach war zum ersten Mal in der evangelischen Kirche in Lindenfels zu Gast und freute sich über die tolle Akustik. Durch ihre tempelartige Bauweise wird der Klang von Chor und Orgel durch nichts gestört.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 21.03.2017

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