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BA-Radwochen: Experte Lars Oleknavicius nennt die neuesten Trends / Kauf-Empfehlungen für Spontane und solche, die sich genau informieren wollen

Ende des Fahrrad-Booms ist nicht in Sicht

Von unserem Mitarbeiter Eric Horn

Rauf aufs Rad! Das Radfahren ist die beliebteste sportliche Betätigung der Deutschen. Zum Abschluss der BA-Radwochen steht am morgigen Sonntag noch eine Tour mit dem Rennrad auf dem Programm.

© dpa
© zg

Bergstraße. Zum Abschluss der BA-Radwochen werfen wir gemeinsam mit dem Fachmann Lars Oleknavicius einen Blick auf den Fahrradmarkt. Der 34-Jährige ist Geschäftsführer eines Radgeschäfts in Einhausen. Der Zweiradmechaniker-Meister ist selbst gern mit dem Bike unterwegs. Entweder mit dem Rennrad auf der Straße oder "eigentlich noch lieber", wie er sagt, offroad mit dem Mountainbike.

Herr Oleknavicius, im vergangenen Jahr wurden fast eine Million mehr Fahrräder als Autos verkauft in Deutschland. Der Rad-Branche werden weiterhin glänzende Zukunftsaussichten bescheinigt. Wie lässt sich der Fahrrad-Boom hierzulande erklären?

Lars Oleknavicius: Das Fahrrad hat in den letzten Jahren seinen Anteil im Alltag stetig gesteigert. Und das nicht nur im Sommer, wo die meisten Menschen gerne mal eine Radtour machen, sondern auch im Winter. Vor zwei Jahren zum Beispiel war der Markt für Winterreifen beziehungsweise Reifen mit Spikes komplett ausverkauft. Es werden mehr Fahrten zur Arbeit und mehr Einkäufe mit dem Fahrrad erledigt. Fahrrad fahren ist laut einer Studie die beliebteste sportliche Betätigung der Deutschen.

"Wer bei der Qualität spart, zahlt später doppelt und dreifach drauf. Bei Schnäppchenpreisen kann man kein gut funktionierendes Fahrrad erhalten; von fehlender Fahrfreude ganz zu schweigen."

Glauben Sie, dass die hohe Anzahl verkaufter Räder auch mit dem hohen Spritpreis in Deutschland in Zusammenhang steht?

Oleknavicius: Für den Genuss-Radler, der am Wochenende mal eine Radtour machen möchte, ist der aktuelle Spritpreis irrelevant. Das ist auch bei meinen Kunden kein Kriterium. Für diejenigen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren, sind die Benzinkosten sicherlich ein großer Faktor. Immer mehr lassen in den letzten Jahren das Auto stehen und steigen deshalb auf das Fahrrad um.

Der Zweitwagen ist nahezu in jedem Haushalt obligatorisch. Leisten sich Ihre Kunden auch ein Zweitrad?

Oleknavicius: Die meisten Menschen in Deutschland verfügen über ein Fahrrad, von den unbenutzten Rädern, die im Keller stehen einmal abgesehen. Diejenigen, die das Fahrrad als Sportgerät nutzen (Mountainbike oder Rennrad), haben oftmals noch ein zweites Rad, um damit eine gemütliche Tour unternehmen zu können. Auch das Faltrad bietet sich immer mehr als Zweitrad-Alternative an.

Wie schnell entscheiden sich die Kunden für den Kauf eines Fahrrades? Kommt ein Interessent mehrmals ins Geschäft, um sich beraten zu lassen, oder ist der Kauf eher eine Sache von wenigen Minuten?

Oleknavicius: Es kommt beides vor. Auf der einen Seite der Kunde, der sich erst einmal informieren möchte, welche verschiedenen Varianten es überhaupt gibt. Schließlich gibt es mittlerweile ja eine Riesenauswahl an Radtypen und Ausstattungen, so dass eine individuelle Beratung, um dem Kunden die Möglichkeiten zu bieten, Räder mal auszuprobieren, enorm wichtig sind. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Kunden, der genau weiß, was er möchte und recht schnell sein Fahrrad findet.

Welche Summe muss für ein gutes, straßentaugliches, verkehrssicheres Alltagsrad investiert werden?

Oleknavicius: Bei uns fangen die einfachen City- und Trekkingfahrräder für Gelegenheitsfahrer in der Preislage von 400 Euro an. Bei allen Radtypen ist der Preis je nach Ausstattung und Qualität nach oben offen.

Was halten Sie von den "Fahrrad-Schnäppchen-Angeboten" außerhalb des Fachhandels?

Oleknavicius: Schnäppchen ist in dem Zusammenhang schon eine gewagte Aussage. Diese Preise werden aufgrund nicht vorhandener Qualität erzielt. Ein gut funktionierendes und lange haltendes Fahrrad wird man hier nicht erhalten.

Auf der einen Seite wird die technische Ausstattung der Fahrräder immer umfangreicher, Stichwort E-Bike, auf der anderen kommen Retro- oder minimalistische Eingang-Räder wieder in Mode. Was fragt der Kunde häufiger nach?

Oleknavicius: In unserer Gegend, in der ja auch mal etwas längere Strecken oder auch Steigungen mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, geht die Tendenz eindeutig zum E-Bike. Die Retro- bzw. Singlespeed-Räder werden häufiger in Städten für kurze Fahrten genutzt, da ihnen die Alltagstauglichkeit fehlt.

Was sollte beim Kauf von Kinder-Fahrrädern beachtet werden, welche Ausstattung ist sinnvoll? Sollte zum Beispiel Hand- oder Rücktrittbremse gewählt werden?

Oleknavicius: Erst einmal ist die Größe des Rades entscheidend. Gerade für den Straßenverkehr sollte das Fahrrad hundertprozentig beherrscht werden und das klappt nur, wenn das Kind auch auf das Fahrrad passt. Am Anfang lernt jedes Kind, mit der Rücktrittbremse umzugehen. Ab welcher Größe bzw. welchem Alter man auf diese verzichtet, kommt darauf an, wie sicher das Kind im Umgang mit dem Fahrrad ist. Dass die Handbremse gut greifen sollte und auf Kinderhände angepasst werden sollte, sowie eine vernünftige Lichtanlage an ein Fahrrad gehört, ist selbstverständlich.

Mountainbiker sind mittlerweile mit 29 Zoll-Reifen unterwegs. Welche weiteren neuen Trends bahnen sich an auf dem Fahrradmarkt?

Oleknavicius: Im Mountainbike-Bereich wird im nächsten Jahr zu den 29-Zoll-Reifen noch eine weitere Größengattung hinzukommen, diese nennt sich 650 B und ist dann zwischen der gewohnten 26 Zoll- und der neuen 29 Zoll-Größe angesiedelt. Im Segment der E-Bikes werden wir wohl noch mehr schnelle Räder, das heißt Räder, die dann bis zu 45 km/h unterstützen, erleben - und in diesem Zusammenhang wird auch der eine oder andere Anbieter noch größere Akku-Kapazitäten für größere Reichweiten auf den Markt bringen. Im City- und Trekkingbereich wird sich, abgesehen von der einen oder anderen Modellpflege, nicht viel verändern.

Samstag, 02.06.2012

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