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Musikszene: Der in Bickenbach lebende Thomas Waldherr hat ein Buch über die Beziehung von Bob Dylan zur Countrymusik veröffentlicht

Die Wurzeln einer Musik-Ikone

"I'm in a Cowboy Band" heißt das Buch, das Thomas Waldherr über Bob Dylan verfasst hat. Heute Abend wird es in Alsbach offiziell vorgestellt.

© funck

bergstrasse. Das erfolglose Debütalbum von Bob Dylan erscheint 1962. Darauf finden sich nur zwei Eigenkompositionen, der Rest sind gesammelte Werke anderer Musiker.

Thomas Waldherrs erste Eigenkomposition wurde im vergangenen Jahr vollendet, rechtzeitig zum 70. Geburtstag seines frühen Vorbilds. In seinem Essay "IQm in a Cowboy Band" widmet sich der Journalist und Autor einer weniger bekannten Facette Dylans: Im Fokus ist dessen Beziehung zur amerikanischen Country-Musik, die er als Erbe und wegweisender Protagonist beeinflusst und am Leben hält.

Seit 20 Jahren als Autor tätig

Thomas Waldherr, gebürtige Darmstädter, Jahrgang 1963, lebt heute in Bickenbach und hat seinen Plan von langer Hand vorbereitet. Seit zwanzig Jahren schreibt er in Fachzeitschriften und Online-Magazinen unzählige Artikel über den Musiker, Dichter und Maler. Er nähert sich dem Künstler und Phänomen Bob Dylan so nah, dass er weit hinter die Fassaden eines Mannes blickt, der aus purer - auch medialer - Denkfaulheit auf dessen Einfluss als Protestsänger und Folkikone reduziert wird.

Waldherr gräbt tiefer und stößt auf die musikhistorischen Wurzeln Dylans in dessen schwergewichtige Relevanz für die Entwicklung des Genres Americana - im engeren Kontext kulturelle Schöpfungen der amerikanischen Gesellschaft, die sich unter anderem in einem von Folk, Blues und Country geprägten Musikstil offenbaren.

Das Idol als Rollenmodell

"Dylan war mein Rollenmodell", sagt Thomas Waldherr über seine popkulturelle Sozialisation als knorriger Teenager, der sich von der Welt und den Eltern unverstanden fühlte und in Dylans Musik existenzielle Wahrheiten fand. Er entdeckte die Songs für sich, las aus ihnen Lebenshilfe und philosophische Ansichten heraus, die ihm gleichsam Orientierung und Ventil waren. Er begleitete Dylans Höhepunkte und Krisen, etwa in den "Jesusjahren" ab Ende der 70er Jahre, er folgte ihm durch die tieftraurigen Spätachziger und den künstlerischen Tiefpunkt, der durch kreative Orientierungslosigkeit und stilistische Bocksprünge markiert war.

Dylans Wiederauferstehung in den 90er Jahren erlebte Waldherr live und unplugged. Er war ihm reut geblieben und traute sich langsam, seine Begeisterung in Worte zu fassen und zu veröffentlichen. Das jetzt herausgebrachte schmale, 65-seitige Bändchen ist das Ergebnis dieses langen Prozesses und behandelt eine Facette in Bob Dylans Kunst, die in deutscher Sprache bislang nicht gedruckt worden ist. "Es dokumentiert einen wichtigen Abschnitt meiner Beschäftigung mit Dylans Gesamtwerk", so der Autor.

Dem Schreiber ging es dabei nicht um musikwissenschaftliche Präzision oder Vollständigkeit. Waldherr kommentiert subjektiv, stellt Fragen und baut Assoziationen auf.

Der Leser folgt dem Autor in dessen eigenen Dylan-Kosmos, der in drei Teile gegliedert ist: Nach dem einleitenden Kapitel über die traditionelle popkulturelle Rezeption des Musikers findet er zügig den Pfad in die Country-Ecke. "Auch für viele Kenner ein vernachlässigter Aspekt in seiner Musik."

Johnny Cash als verwandter Geist

Für Dylan, den Spross einer jüdischen Mittelstandsfamilie aus dem Norden Minnesotas, muss die ländliche Musik aus dem Süden Mitte der 50er Jahre ein besonderes Erlebnis gewesen sein. In dieser Zeit findet Thomas Waldherr die ersten Verbindungen zu Woody Guthrie, Hank Williams und später auch zu Buddy Holly. In Johnny Cash entdeckt er einen verwandten Geist: "Die Ikone der Protestkultur und der angebliche Barde des weißen Konservatismus zusammen beim Musizieren: Das war ein klares politisches Statement", schreibt Waldherr, der seinen Star durch die Nashville-Jahre und die Bewunderung der frühen Westernhelden bis zu der Zeit folgt, in der Dylan selbst in Sam Peckinpahs "Patt Garrett & Billy The Kid" den Westmann gibt - und auch die Filmmusik einspielt.

Seine Forschungsreise in die komplexen Verbindungen zur Country-Szene lassen den Autor Bob Dylan zum "Vater des Americana" krönen. Die so genannten "Basement Tapes" mit The Band , die 1967 aufgenommen und erst 1975 veröffentlicht wurden, gelten, so Waldherr, als Dokument amerikanischer Roots-Musik und als Initialzündung für das, was heute als Americana oder Alternative Counrty bezeichnet wird. Für den Bickenbacher ist Bob Dylan die Verkörperung amerikanischer Populärmusik in all ihren Spielarten. "Das Vermächtnis dieser alten Musik lebt in seinen Songs bis heute weiter." tr

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 06.03.2012

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