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Kuratorium: Dr. Lammers berichtete über die aktuellen Grabungen

Archäologen hoffen auf Kapelle im Untergrund

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 01.06.2016

Dr. Dieter Lammers informierte im Nibelungensaal über die derzeitigen Grabungen auf dem Benediktinerplatz.

© Lotz

Lorsch. Seit vielen Wochen schon gehört das Grabungszelt von Dr. Dieter Lammers und seinen Mitarbeiten unübersehbar zum vertrauten Bild auf dem Benediktinerplatz. Derzeit wird von dem Team der Untergrund in einem Abschnitt zwischen Königshalle und Zehntscheune untersucht. An dieser Stelle hoffen die Wissenschaftler, Hinweise auf eine Kapelle finden zu können. Auf Einladung des Kuratoriums Welterbe Kloster Lorsch berichtete Lammers im Nibelungensaal über seine Arbeit.

Weil der Benediktinerplatz neu gestaltet wird nutzen die Archäologen derzeit die Chance, vorab intensiv in den Boden der Stadtmitte zu schauen. Ungemein vorsichtig gehen die Wissenschaftler dabei heutzutage vor. "Jedes Mal geht ein Teil kaputt", erklärte Lammers, dass rabiate Eingriffe wie sie frühere Ausgräber an den Tag legten, längst undenkbar geworden sind. Und wenn die Bagger im Rahmen der Umbauarbeiten rollen, dann sind interessante Fundstücke "schnell weg und für immer verschwunden".

Der Mitarbeiter des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Uni Heidelberg führte die Zuhörer in seinem Vortrag in die Zeit des frühen Mittelalters zurück, als auf dem Areal des Benediktinerplatzes eine dörfliche Siedlung, aber noch keine Königshalle stand. "Heute schwer vorstellbar", räumte Lammers ein.

Der Archäologe erinnerte an die zahlreichen Funde, die bislang in Lorsch entdeckt werden konnten. Eine Gewandnadel aus dem achten Jahrhundert, die derzeit genau untersucht und später als Replik im Besucherinfozentrum ausgestellt sein wird, gehörte ebenso dazu sowie ein kleines Lot aus dem frühen Mittelalter, das er zum Anfassen für das Publikum mitgebracht hatte. Mehrere Kartons füllen inzwischen die Bruchstücke von Wandputz sowie zahlreiche Knochen und Knochenschnipsel.

Bevor die heute berühmte Torhalle errichtet wurde, ist das Gelände schließlich bereits für Bestattungen genutzt worden. Die Königshalle ist nicht nur auf einem Friedhof-Areal entstanden, betonte Lammers - auch nach ihrem Bau wurden weiter Bestattungen vorgenommen. Um einen Mönchsfriedhof handelte es sich aber nicht. Denn auf dem Klostergelände wurden - dicht an dicht - Gräber von Männer, Frauen und Kindern gefunden. Bestattet wurden die Toten ohne Särge, Beigaben oder Grabsteine.

"Zum Friedhof muss eine Kapelle gehört haben", ist sich Lammers sicher. "Die würden wir gerne noch nachweisen können", hofft der Archäologe sehr, dass sich noch Spuren des von ihm vermuteten Gebäudes im Erdreich finden lassen. Die noch immer geheimnisumwitterte Torhalle sei jedenfalls keine Friedhofskapelle gewesen.

Weitere Führung versprochen

Mit Blick auf das Südtor, das Westtor und das Osttor kann sich Lammers eine achteckige Anlage vorstellen. In seinem Vortrag im Nibelungensaal erinnerte der Wissenschaftler an andere berühmte achteckige Bauten der Karolingerzeit wie die Pfalzkapelle in Aachen und oktogonale Burgen sowie den achteckigen Barbarossaleuchter als das Symbol für das Himmlische Jerusalem. Falls sich seine Vermutungen zur Kapelle bestätigen, werde er zu einer weiteren öffentlichen Führung einladen, versprach Lammers. sch

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 01.06.2016

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