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Welterbe: Arbeiten in der Torhalle / Besondere Fundstücke

Eine uralte Perle und ein bisschen Gold

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 20.05.2015

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Schmelzing

Archäologen haben bei Ausgrabungen in Lorsch unter anderem diese blaue Glasperle gefunden. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert. Über Funde, die künftig im Lapidarium der Zehntscheune zu sehen sind, wird heute im Museum informiert.

© Neu

Im Arkadengeschoss der Torhalle wird historische Bausubstanz freigelegt. Stein um Stein werden die Ergebnisse akribisch dokumentiert.

© Matern

Lorsch. Vor der Königshalle stehen seit einiger Zeit wieder Absperrgitter. Sie verhindern, dass Besucher, die vom Benediktinerplatz direkt durch die weltberühmte Torhalle hindurch ins Klostergelände unterwegs sind, vielleicht versehentlich in eine Grube stürzen. Grund für die Schutzmaßnahme sind neue wissenschaftliche Arbeiten. Archäologe Dr. Dieter Lammers und Bauforscherin Dr. Katarina Papajanni, die beide schon seit langem auf dem Lorscher Areal forschen, erhoffen sich neue Erkenntnisse. Schließlich ist das Weltkulturerbe noch immer voller Geheimnisse.

Gegraben wird derzeit im Innern des Arkadengeschosses. Ausgehoben wurde ein etwa zwei Meter tiefer Schacht. Diese zentrale Stelle der Welterbestätte wurde zwar schon von Friedrich Behn untersucht. Aber das ist bald 100 Jahre her. Nach Ausgrabungen der Uni Bamberg in Lorsch vor knapp zehn Jahren wurden jedenfalls viele Ergebnisse Behns bezweifelt, manches widerlegt.

Mit kleinen Kellen arbeiten sich die Experten behutsam durch den sandigen Untergrund vor. Der Abraum wird akribisch gesiebt. Meistens werden auf diese Weise Putzfragmente ans Licht befördert. Aber es gibt auch spannendere Funde, die nicht nur bei hoch spezialisierten Fachleuten Eindruck machen.

Bauhistorie wird erforscht

Schon seit drei Jahren wird die karolingische Königshalle der Welterbestätte bauhistorisch untersucht - Stein für Stein, Fuge für Fuge.

Die Arbeiten werden im Rahmen eines Forschungsprojektes der Technischen Universität München durchgeführt, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen.

Im Innern des Arkadengeschosses werden die Seitenwände von jüngeren Mörteln bis auf die historische Substanz freigelegt - und dokumentiert.

Das Fundament der Torhalle wird ebenfalls in einem kleinen Bereich untersucht, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der TU München und dem Institut für Europäische Kunstgeschichte Heidelberg, das seit fünf Jahren archäologische Grabungen auf dem Klostergelände durchführt.

Die Kreisvolkshochschule lädt heute (20.) zu einem Infoabend im Museumszentrum ein, der über die Grabungsfunde des Lorscher Klosters unterrichtet, die ab Sommer in der zum Schaudepot umgebauten Zehntscheune gezeigt werden sollen.

In der Zehntscheune sollen Grabungsfunde und vor allem Steinfragmente der gesamten Klostergeschichte präsentiert werden.

Als Vorschau darauf haben Teilnehmer heute die Möglichkeit, den Experten über die Schulter zu schauen. Sie können karolingische Kapitelle, gotische Fenster und vieles mehr in der sanierten Zehntscheune betrachten.

Eine Expertin - Tina Kotlewski, wissenschaftliche Volontärin bei der Schlösserverwaltung, - wird die Funde erläutern. Die Veranstaltung beginnt heute um 18 Uhr. Treffpunkt ist das Museumszentrum in der Nibelungenstraße 32-35.

Weitere Infos unter www.kvhs-bergstrasse.de oder telefonisch unter Rufnummer 06251&172960. sch

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"Wir werden oft gefragt, ob wir Gold gefunden haben", berichtet Lammers von großem Interesse der Besucher an den archäologischen Projekten. Und? "Ja, inzwischen schon", sagt der Archäologe. Um einen schweren Goldschatz handelt es sich allerdings nicht, stellt er klar. Gehoben wurde keine Kiste mit Münzen oder Edelmetallen. Die Wissenschaftler freuen sich vielmehr über eine kleine goldhaltige Fransenborte.

Viele Laien werden das Fundstück kaum auf den ersten Blick als wertvoll erkennen. Nur unter der Lupe ist zu sehen, dass die Fransenborte aus Goldfäden besteht. Genau aus diesem Grund könnte es auch das Ausgrabungsteam von Friedrich Behn übersehen haben. "Es sieht nach nicht viel aus", räumt Lammers ein. Heute sind die Experten der Meinung, dass die Borte wohl zur Kleidung eines auf dem Klosterhügel Bestatteten gehörte. Und jedes Puzzleteil kann helfen, die über 1250 Jahre alte Geschichte des Klosters Lorsch weiter zu erhellen.

Viele Besucher, die den Forschern zusehen - für den touristischen Betrieb sind die Arbeiten keine Beschränkung, sondern eher eine Bereicherung - wundern sich darüber, wie äußerst behutsam die Experten rund um die Königshalle zu Werke gehen. Die Archäologen graben nicht einfach forsch das gesamte Gelände um, obwohl es sie natürlich brennend interessieren würde, wie es unter der Oberfläche aussieht. Aber: "Ausgraben heißt auch zerstören", erklärt Lammers.

Geheimnisvoller Benediktinerplatz

Erhaltung geht heute vor Erforschung. Die Möglichkeiten einer schonenden Untersuchung werden von Jahr zu Jahr besser. Man will für kommende Generationen nichts mit vorschnellen Methoden kaputtmachen. Mit großer Spannung warten aber nicht nur Archäologen auf den Zeitpunkt, wenn erstmals auch der Benediktinerplatz bis in den Bereich der ehemaligen Toranlage für Grabungen freigegeben wird. Auf dem zentralen Platz direkt vor der Königshalle gab es noch nie die Möglichkeit einer flächigen Grabung, so Dr. Hermann Schefers, Leiter der Lorscher Welterbestätte. Bis Mitte der 1970er Jahre verlief dort eine Hauptverkehrsstraße. Von Wissenschaftlern konnte der Boden noch nicht angerührt werden.

Schmuckstück aus dem Grab

Auch wenn Autos dort längst weitgehend verbannt sind, problemlos in Ruhe graben wird auch künftig nicht so einfach sein auf dem vielfrequentierten Gelände. In Kürze wird es dennoch Bauarbeiten auf dem Benediktinerplatz geben, denn für die musealen Gebäude müssen Gasleitungen verlegt werden. Ob sich das Öffnen des Platzes gleich mit einer Grabung für die Archäologen verbinden lassen kann, ist noch unklar. Sicher ist, dass der Untergrund in Lorsch hochspannend ist.

Wer weiß schon, welche Schätze dort noch verborgen sind? Vielleicht weitere wie die blaue Perle, über die die Archäologen sehr glücklich sind. Das Schmuckstück aus Glas wurde in der Hand eines Bestatteten nahe dem Kirchenfragment entdeckt. Es stammt aus dem 11. Jahrhundert. Welche Bedeutung es hatte, ist nicht bekannt. Weil es so schön ist, kann eine Replik des Lorscher Fundstücks im Museumsshop gekauft werden. Über die Fundstücke, die künftig in der Zehntscheune im Lapidarium ausgestellt werden, wird heute um 18 Uhr im Museum referiert.

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 20.05.2015

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