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Flüchtlingshilfe: André Osterholt und Dr. Katrin Hildenbrand starten Netzprojekt

Kirchturm hilft beim Aufbau von Freifunk

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 16.06.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Schmelzing

Der Kirchturm der evangelischen Gemeinde übernimmt eine besondere Funktion im geplanten Freifunknetz.

© Lotz

Freifunk hat viele Vorteile, finden Katrin Hildenbrand, André Osterholt und Khalid Al Kohies.

© Lotz

Einhausen. Für die Sonntagsgottesdienste ist die evangelische Kirche nach dem schweren Brand im vergangenen Jahr noch nicht wieder zu nutzen. Erst in einigen Monaten, im Frühherbst, wird die Neugestaltung des Gotteshauses abgeschlossen sein. Das Gebäude ist damit vorübergehend außer Dienst gestellt - ohne Nutzen ist es deswegen aber keinesfalls.

Der Kirchturm zum Beispiel hat inzwischen sogar eine ganz neue Funktion übernommen: Beinah unbemerkt von außen dient er jetzt, weil er eines der höchsten Gebäude der Kommune ist, als Standort für eine Richtfunkantenne. In Einhausen ist nämlich ein Freifunknetz im Aufbau.

André Osterholt hatte die Idee dazu - und der Elektro-Ingenieur hat die ersten Schritte zur Verwirklichung bereits erfolgreich eingeleitet. Unterstützt wurde er dabei von Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde unter Leitung von Pfarrerin Dr. Katrin Hildenbrand.

Osterholt, der sich ehrenamtlich nicht nur für die Grünen im Gemeindevorstand engagiert, sondern außerdem auch im Flüchtlingsnetzwerk aktiv ist, hat erkannt: Gerade für die rund 80 Flüchtlinge, die derzeit in Einhausen leben, wäre ein Freifunknetz eine große Hilfe bei Informationen und Kommunikation.

Auf einen Internet-Zugang kann heute schließlich niemand mehr verzichten, der am gesellschaftlichen Leben teilhaben will. Aus diesem Grund wurden vor einigen Monaten in der Weschnitzgemeinde bereits Hotspots eingerichtet. "Ohne WLAN ist man heute in vielen Bereichen aufgeschmissen", hatte Bürgermeister Helmut Glanzner erklärt, als er den Service im Ortsmittelpunkt auf Initiative des Gemeindevorstands eingerichtet hatte.

Geändert wird an den Hotspots nichts. Es soll mit dem Freifunk künftig nur noch unkomplizierter werden, das Internet zu nutzen. "Man muss sich umständlich registrieren", berichtet Osterholt etwa von den Erfahrungen der Flüchtlinge mit den derzeit für sie üblichen Zugängen, die sie vor viele Hürden stellen. Der 48-Jährige suchte nach einer Alternative - rechtssicher, ohne Passwortzwang und Angst vor Störerhaftung und bequem in der Unterkunft zu gebrauchen - und fand sie im Freifunk.

Grundidee der Freiwilligen-Bewegung, die in Deutschland in Berlin entstand, ist: Bürger bauen ein nicht-kommerzielles Daten-Funknetz auf, das auch Zugang zum Internet bietet. In der Region ist unter anderem der Verein Freifunk Rhein-Neckar tätig, in dem auch Osterholt Mitglied ist. Um ein größeres Gebiet in Einhausen versorgen zu können, bot sich der Kirchturm als idealer Knotenpunkt für starke Signale an. Er liegt nahe der Flüchtlingsunterkunft in der Goethestraße und in direkter Sichtverbindung zum künftigen Heim an der Carl-Benz-Straße.

Hildenbrand - die Pfarrerin ist gleichfalls in der Flüchtlingshilfe aktiv - hat den Kirchenvorstand natürlich um Erlaubnis gefragt, ob der Kirchturm ins Netz eingebunden werden darf. Das Gremium hat zugestimmt, berichtet sie erfreut von der einstimmig gefällten Entscheidung. Technisch läuft die Verbindung bereits stabil, sagt Ingenieur Osterholt, der die Funktionstüchtigkeit bei mehreren Tests daheim längst ausprobiert hat. "Wunderbar", bilanziert er zufrieden.

Weitere Freiwillige willkommen

Jetzt suchen Osterholt und Hildenbrand weitere Einhäuser, die sich am Projekt beteiligen, um das Netz noch zu verdichten. Die besondere Art ihrer Internet-Nutzung - eben per Gemeinschaftsnetz - betrachten die Initiatoren ausdrücklich auch als einen wichtigen sozialen Aspekt. Smartphones und Tablets seien für Flüchtlinge "kein Luxusgut", sondern lebenswichtig, betont Hildenbrand. Mit der Freifunk-Unterstützung könne jeder auf einfache Art helfen, den Alltag für sie unkomplizierter zu machen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 16.06.2016

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