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Theater Sapperlot: Acht Bühnendichter im Wortgefecht beim Poetry Slam / Artem Zolotarov gewinnt mit ernsten Texten

Mit „Angst“ das Lorscher Publikum überzeugt

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 13.12.2016

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Claudia Carboni aus Worms servierte beim Poetry Slam eine fein getaktete und sehr persönliche Abhandlung zum Thema Sucht.

© Lotz

Lorsch. Acht Bühnendichter, elf Vorträge und ein Sieger: Mit seinem Text "Angst" hat Artem Zolotarov am Samstag das Lorscher Publikum überzeugt. Beim jüngsten Poetry Slam im Theater Sapperlot votierte die Jury - eine spontane Zuschauerauswahl - mehrheitlich für den Beitrag des 27-jährigen Teilnehmers, der nach nur einem Jahr auf der Bühne im Oktober 2015 zum rheinland-pfälzischen Slam-Meister gekürt wurde.

Das Rennen war eng. Neben Zolotarov (45 Punkte) qualifizierten sich auch Philipp Stroh und das Team "Die Fabelstapler" mit jeweils 40 Punkten für das Finale. Hier konnte der gebürtige Ukrainer noch eine Schippe drauflegen: Seine Miniatur über Heimat, Flucht und Menschlichkeit traf den Nerv des Preisgerichts, das ihm 50 Punkte schenkte. Knapp dahinter (49) das Kurpfälzer Doppel Markus Becherer und Phriedrich Chiller mit einem rhythmischen HipHop-Vortrag über automobile Freuden. 47 Punkte erreichte Philipp Stroh (Stuttgart) mit einem komödiantischen Beitrag über ein militaristisch getaktetes Speed-Dating.

Von Comedy bis Lyrik

Satire und Alltagsbeobachtung, Kurzprosa und Comedy, Dada und Lyrik: Breit gefächert war das Angebot, das der Mannheimer Jens Wienand dem Publikum vorgesetzt hat. Er kam als Vertretung von Tilman Döring, der die Reihe im Sapperlot normalerweise moderiert. Die Bedingungen waren für alle gleich: maximal sieben Minuten pro Vortrag, null Requisiten und 100 Prozent eigenes Material.

Als Erstes musste Claudia Carboni raus. Die noch junge Slammerin aus Worms - es war ihr vierter öffentlicher Auftritt - servierte eine fein getaktete und sehr persönliche Abhandlung zum Thema Sucht: die Abhängigkeit als selbstgewähltes Zeichen von Freiheit und Autonomie zwischen pubertärer Experimentierlust und realitätsüberwindender Vernunft-Ehe im fortgeschrittenen Alter. 29 Punkte gab es für den dramaturgisch ausgefeilten und sehr flüssig vorgetragenen Text.

Jan Schmidt aus Siegen arbeitet hart an der Grenze zu Comedy - sein anderes kleinkünstlerisches Standbein. Sein selbstironischer Auftritt stellte sich als sehr grobkörnige Verbalskulptur ohne Feinschliff und Tiefe heraus. Immerhin noch 28 Punkte vergab die Jury für den Studenten aus dem westfälischen Hilchenbach.

Tödliche Fleischeslust

Auch Andivalent aus München blieb mit seiner philosophischen Tiefenbefragung über den Fall des Kannibalen von Rotenburg zu sehr an der Oberfläche hängen. Seine Zeilen über eine tödliche Fleischeslust und die morbide Leidenschaft am Fressen und Gefressen werden wurde von der Publikumsjury mit 30 Punkten kommentiert.

Philipp Strohs szenische Betrachtung eines biergetränkten Duells um die Gunst einer alten Liebe und der Rap-Sound der "Fabelstapler" waren am Ende nicht mehr einzuholen.

Schließlich nahm Artem Zolotarov das Preisgeld entgegen. Der hatte bereits einiges ausprobiert in seinem Leben. Heute studiert er Europäische Literatur und Germanistik. Als er neun war, kam er mit seinen Eltern nach Deutschland. 2014 entdeckte er den Poetry Slam für sich. Ein Mann der leisen Töne, mit Pathos und Akzent. Sein erster Lyrikband "Verstehst du mich?" erschien im Jahr 2012.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 13.12.2016

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