Lorsch.
"Lets rise and dance and change the world" - lasst uns aufstehen, tanzen und die Welt verändern." Der gestrige Valentinstag war nicht nur für Verliebte ein wichtiger Tag. Mit dem Aufruf, tanzend die Welt zu verändern, widmete er sich auch all den Frauen, die Gewalt erleiden und die Solidarität ihrer Geschlechtsgenossinnen bitter nötig haben.
Weltweiter Aktionstag
Die Aktion "One Billion Rising", die die Schriftstellerin und Schauspielerin Eve Ensler aus New York Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen hat, zieht mittlerweile Kreise über den gesamten Globus hinweg. Als Koordinatorinnen an der Bergstraße organisierten Hildegard Schöpsdau vom Internationalen Frauentreff Lorsch sowie die Frauenbeauftragten aus Lorsch, Brunhilde Schieb, und aus Heppenheim, Silvia Rhiem, eine demonstrative Aktion, der über 20 Frauen und zwei Männer folgten.
Sie tanzten auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz vor den Toren des Stadthauses zu Samba, Salsa und afrikanischen Rhythmen zwanglos Zumba. Petra Krapf, selbst Liebhaberin und Übungsleiterin für diesen Tanz, führte die Bewegungsabläufe vor; die Gruppe folgte ihren Schritten, die mit einer körperbetonten Leichtigkeit einhergingen.
Ungezählte Opfer
Trotz eisiger Kälte setzten die Teilnehmer in und für die Region ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen, zu dem weltweit aufgerufen wurde. Im Vorfeld waren allein in Deutschland an 200 Standorten Flashmobs gemeldet. In der Summe sollte die Vielzahl der Aktionen rund um den Globus die größte Demonstration aller Zeiten ergeben.
Brunhilde Schieb nannte die Beweggründe der Initiatorin. Jede dritte Frau auf der Welt ist Opfer von Gewalt. Frauen sind Vergewaltigungen, Schlägen und Misshandlungen ausgesetzt. Die Frauenbeauftragte verwies beispielhaft auf den Mord an einer indischen Studentin, der auf entsetzliche Weise die Verachtung der weiblichen Integrität vor Augen geführt habe.
Die internationale Bewegung "V-Day" will ein deutliches Zeichen setzen. "One Billion Rising" steht dabei für die Milliarden weiblicher Gewaltopfer. Die Autorin Eve Ensler hat sich vielfach mit dem Thema auseinandergesetzt. So wurde sie mit ihrem Theaterstück "Vagina-Monologe" weltberühmt. Die New Yorkerin gründete die Organisation "V-Day", die seit vielen Jahren weltweit Frauenprogramme fördert.
Wer tanzt, braucht Raum
Dazu zählt etwa der Aufbau eines Dorfes für vergewaltigte Frauen im Kongo. Mit "One Billion Rising" schuf sie für die Problematik eine weltweite Öffentlichkeit. Eigens für dieses Projekt produzierte sie Videos, schrieb einen eigenen Song und reiste auf der Suche um Unterstützung um die Welt.
Das Besondere: Die Aktionen haben Eventcharakter und spiegeln - trotz des ernsten Themas - Lebenslust und Spaß im Miteinander. Die Form der Kampagne basiert auf Enslers Grundidee: Wer tanzt, braucht Raum, macht auf sich aufmerksam und versprüht eine positive, ansteckende Energie.
Mit Spaß am Zumba geriet die Gruppe vor den Toren der Lorscher Verwaltung allemal in den Blickpunkt. Einige Straßenbummler schauten gestern irritiert zur munteren Schar hinüber.
Ursprünglich hätten Frauenbeauftragter Brunhilde Schieb zufolge gestern auch die Bürgermeister Christian Schönung und sein Heppenheimer Kollege Rainer Burelbach ein Grußwort zu der Aktion in Lorsch sprechen wollen. Aus Termingründen hätten die Verwaltungschefs jedoch kurzfristig absagen müssen. moni
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