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Ausbildung: Kreisjugendring Bergstraße zieht kritische Bilanz / Vereine haben Probleme, Aktivitäten am Nachmittag durchzuführen

„Auf Ganztagsschule besser verzichten“

Bergstraße. Auf die Ganztagsschule könnte gerne verzichtet werden - zumindest wenn es nach dem Kreisjugendring Bergstraße (KJR) geht. Die Interessenvertretung der Jugendverbände im Kreis hat sich in seiner jüngsten Mitgliederversammlung dem Thema "Ganztagsschule" angenommen. Nach einem Impulsreferat des Vorsitzenden Bruno Ehret diskutieren die Jugendverbandsvertreter Vor- und Nachteile und zogen eine recht kritische Bilanz zu zehn Jahren Ganztagsschule.

Ehret führte aus, dass die Schulen andere Interessen wie die Verbände verfolgen würden. Er sieht die Jugendarbeit als eine sinnvolle Ergänzung zum "richtigen" schulischen Lernen an. Das diene der Qualifizierung, außerschulisches Lernen dagegen der Selbstfindung der jungen Menschen. Schon hier sei klar zu erkennen, dass Vereinsarbeit in der Schule einer Quadratur des Kreises gleichkomme. Jugendverbände und Vereine generell ständen schon vor größten Schwierigkeiten, Aktivitäten am frühen Nachmittag in den Schulen personell anbieten zu können. Das gelte heute mehr denn. "Wo solle also künftig die Entwicklung hingehen?", fragt Ehret.

Die eigenen Aktivitäten in die Schulen zu verlagern, ist aus Sicht der Kreisjugendfeuerwehr und der THW-Jugend nicht sinnvoll - dazu fehlt die technische Ausstattung. Eine Vertreterin des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) betonte, dass ihre Aktiven nicht tagsüber weitere Arbeit leisten könnten. Es gäbe schließlich auch eigene Kinder und Familie zu versorgen. Ein Delegierter der Naturfreundejugend (NFJ) wies darauf hin, dass die Kinder heute durch die Lernverdichtung des verkürzten Abiturs G 8 schon viel zu lange mit Schule befasst seien. Daher breche auch der Nachwuchs weg, da kaum noch freie Zeit zur Verfügung stünde.

Eine mögliche Aufwandsentschädigung für aktive Vereinsvertreter an Ganztagsschulen wurde ebenfalls angesprochen. Die versammelten Jugendvertreter waren sich einig, dass auch ein Stundensatz von 9,50 Euro nicht weiterhelfe, da er zu gering sei, um damit eine Haupterwerbsquelle zu erschließen. Somit trage das Konzept der Ganztagsschule zu Problemen bei der Nachwuchsgewinnung der Vereine massiv mit bei. Die Schulpolitik vernachlässige soziale Entwicklung der Schüler in einem freien Vereinsumfeld stark. Was möglicherweise in einem Problembezirk in Berlin Sinn macht, müsse noch längst nicht in einem ländlich geprägten Flächenkreis das Maß aller Dinge sein.

Als erste Gegenmaßnahme wurde von den Teilnehmern daher die Rückkehr zur sechsjährigen Mittelstufe und damit zu G 9 gefordert. zg

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 15.02.2013

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