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Kompetenzorientierter Unterricht: Staatliches Schulamt und Bergsträßer Anzeiger nutzen Neuauflage von „Schüler machen Zeitung“ für gemeinsames Pilotprojekt

Für das Lernen nach der Schule qualifizieren

Archiv-Artikel vom Freitag, den 05.10.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Ränker

Das Staatliche Schulamt und der Bergsträßer Anzeiger hatten gemeinsam ins Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium zu einer Fortbildung eingeladen: "Schüler machen Zeitung" wird zum Gegenstand von kompetenzorientiertem Unterricht.

©   Lotz

Bergstraße. "Drei - drei - drei, bei Issos Keilerei." Unser Geschichtslehrer hat größten Wert darauf gelegt, dass meine Mitschüler und ich diesen Merksatz, wann und wo Alexander der Große und Darios III. erstmals eine Schlacht gegeneinander geschlagen haben, aus dem Effeff beherrschten.

Allerdings: Das war vor drei Jahrzehnten - und weder der Unterrichtende noch wir Lernenden hatten per Notebook stationär im Klassensaal oder per Smartphone von unterwegs aus Zugriff aufs Internet und konnten "Issos" googeln, um damit in Erfahrung zu bringen, dass sich die Makedonen und Perser im Jahre 333 vor Christus die Köpfe eingeschlagen haben.

Wenn nun heutzutage verstärkt von "kompetenzorientiertem Unterricht" und von einem entsprechenden "Paradigmenwechsel" die Rede ist, dann ist das nichts anderes als die richtige Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen und veränderte (berufliche) Anforderungen: Schließlich ist (Fach-)Wissen heute fast zu jedem Zeitpunkt und an jeder Stelle dieser Erde von jedermann abrufbar - man muss allerdings wissen, wie das funktioniert. Und man muss überprüfen können, ob das Ergebnis der digitalen Recherche auch wirklich korrekt, die Quelle seriös ist. Und überdies muss man das so "erworbene" Wissen einordnen, muss es anwenden können.

Anmeldungen sind noch möglich

Der BA bietet mit seinen Kooperationspartnern AOK, GGEW, Sparkasse und Duden nach den Herbstferien - vom 12. November bis zum 14. Dezember - die zwölfte Auflage seines medienpädagogischen Projekts "Schüler machen Zeitung" an.

Fünf Wochen lang wird den teilnehmenden Lerngruppen - zum Mitmachen eingeladen sind die Klassen 8 bis 10 - täglich der BA im Klassensatz kostenlos in die Schule geliefert.

Nach einer Woche "Erstkontakt" mit dem Medium folgt ab dem 11. November die eigentliche Projektphase: Die Zeitung wird zum täglichen Unterrichtsgegenstand - und das nicht nur im Fach Deutsch, sondern gerne auch in "PoWi" (Politik und Wirtschaft).

Praktische Übungen, eigene Recherchen und vor allem das Schreiben eigener Artikel und deren Veröffentlichung in den Print- und Online-Ausgaben der Tageszeitung stehen im Vordergrund - schließlich heißt es nicht "Schüler lesen Zeitung" sondern "Schüler machen Zeitung".

Außerdem bietet der BA Sonderpublikationen mit Teilnehmerfotos und Schülerbeiträgen sowie die Mitarbeit in der BAnane-Jugendredaktion an.

Bis zu den Sommerferien 2013 gibt es nach dem Projekt außerdem täglich kostenlos ein BA-Exemplar pro Klasse - damit die Tageszeitung im Klassensaal immer zur Hand ist, wenn dies thematisch passt. mik

Informationen und Anmeldungen: Michael Ränker, Telefon: 06251/1008-46, E-Mail: mraenker@bergstraesser-anzeiger.de

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Mit Wissen und Können gegen „Lernbulimie“

Beschreibt Bernd Siefert traditionellen Unterricht aus Schülersicht, dann zitiert er gerne den Reformpädagogen Otto Herz und spricht von "Lernbulimie" - schließlich weiß der Unterrichtsentwicklungsberater und Fortbildner des Staatlichen Schulamtes aus eigener Erfahrung als Lehrer nur zu gut: Viele Schüler lernen das verlangte Wissen auswendig - stopfen es also in sich hinein -, um sich bei der Klassenarbeit sozusagen geistig zu übergeben, "es auszukotzen". "Und sobald es auf dem Blatt geschrieben steht, wird es wieder vergessen."

Kompetenzorientiertes Unterrichten will dem entgegenwirken: Die wichtigste Frage soll nicht mehr sein: Was haben wir durchgenommen? Sondern: Welche Vorstellungen, Fähigkeiten und Einstellungen sind entwickelt worden? Die Einführung von Bildungsstandards wiederum kehrt die klassische Lehrplan-Perspektive um:

Im Mittelpunkt stehen nicht mehr die einzelnen Inhalte der Fächer, sondern das, was alle Kinder und Jugendlichen am Ende ihrer schulischen Laufbahn (oder auch nach wichtigen Abschnitten ihres Bildungsweges) wissen und können sollen. Wissen und Können - das macht Kompetenz aus.

Siefert und sein (Lehrer-)Kollege Thomas Stricker, ebenfalls Unterrichtsentwicklungsplaner und Fortbildner, stehen mit weiteren Experten des Schulamtes bereit, um den Lehrerinnen und Lehren bei der praktischen Umsetzung der Themen Kompetenzorientierung und Bildungsstandards im Schulalltag zu helfen. Das Duo ist sich einig, dass das medienpädagogische Projekt "Schüler machen Zeitung" viele Anknüpfungspunkte dafür bietet - schließlich gehört Medienbildung zum Bildungsauftrag der Schule, denn Medienkompetenz ist neben Lesen, Rechnen und Schreiben zu einer weiteren wichtigen Kulturtechnik geworden.

BA-Chefredakteur Karl-Heinz Schlitt wiederum will sich mit seinem Team gerne einmal mehr der Herausforderung stellen, den Schulen zur Vermittlung von Medienbildung als außerschulischer Lernort zur Verfügung zu stehen.

Seit elf Jahren bietet der Bergsträßer Anzeiger das Projekt an - aus elf Schulen des Verbreitungsgebiets haben bislang 300 Klassen mit 7400 Schülerinnen und Schülern teilgenommen. Circa 187 000 Zeitungen wurden zugestellt.

Bei der gemeinsamen Lehrerfortbildung mit dem Schulamt im Starkenburg-Gymnasium Heppenheim beantwortete der Journalist die Frage, ob die Tageszeitung ein Auslaufmodell sei, mit einem klaren "Nein!" Der Zeitungsmacher beschrieb seine Aufgabe als "Pfadfinder": "Die Redaktion muss dem Leser Orientierung geben."

Gerade angesichts der Informationsflut sei diese (Vor-)Leistung der Journalisten auch künftig unverzichtbar. Allerdings müsse auch die Tageszeitung "auf allen Kanälen senden", also auch online. So oder so sei die Tageszeitung mit ihren Inhalten jedoch auch und gerade für Teenager interessant, "weil sie deren Lebenswirklichkeit berührt". mik

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Zitat des Tages

"Wir Lehrenden müssen unseren Blick für die Perspektive des lernenden Menschen schärfen. Die Entwicklung der Kulturtechnik Medienkompetenz ist dafür nur ein Beispiel, aber ein gutes."

Schulamtsdirektor Jörg Dietrich

Keine Sorge: Einer Abschaffung von traditioneller schulischer Wissensvermittlung, wie sie manche Kritiker angesichts dieser kultusministeriellen Hinwendung zum kompetenzorientierten Lehren und Lernen befürchten, kommt das nicht gleich. Allerdings verschiebt sich bei der Planung von Unterricht der Schwerpunkt von der Frage "Was sollen die Schüler wissen?" hin zu der Frage "Was sollen die Schüler können?"

Wie diese zunächst sehr theoretisch anmutende, aber zentrale Aufgabenstellung von Kompetenzorientierung mit Leben gefüllt werden kann, darüber informierten jetzt Experten des Staatlichen Schulamtes für die Bergstraße und den Odenwaldkreis sehr praxisnah am Beispiel des medienpädagogischen Projekts "Schüler machen Zeitung", das der Bergsträßer Anzeiger im Herbst zum zwölften Mal auflegen wird. Schulamtsdirektor Jörg Dietrich und ein aus den Unterrichtsentwicklungsberatern und Fortbildnern Ulrike Moog, Bernd Siefert und Thomas Stricker bestehendes Team hatten an das Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium zur Präsentation eines Pilotprojekts eingeladen.

Jörg Dietrich brachte es vor den fortbildungswilligen Lehrerinnen und Lehrern auf den Punkt: "Wir müssen - unter Wahrung der Bildungsstandards - vom Lernenden her denken." Nach dem "PISA-Schock" im Jahre 2000 sei es dringend geboten gewesen, den Unterricht zwar "stofflich zu entschlacken", die Lernenden jedoch verstärkt "für das Lernen nach der Schule zu qualifizieren". Wissensvermittlung werde dadurch nicht abgeschafft, aber die Pädagogen müssten sich einer neuen Herausforderung stellen: Nämlich die "Selbstlernkompetenz" der Schüler zu initiieren und zu fördern.

Das Projekt "Schüler machen Zeitung" diente Dietrich als geeigneter Unterrichtsgegenstand für mehr Kompetenzorientierung: "Medienkompetenz meint nicht: Wie bediene ich die Computer-Maus? Es geht vielmehr um das Aneignen einer Kulturtechnik."

Ulrike Moog, Deutsch-Lehrerin am Starkenburg-Gymnasium und Fortbildnerin des Schulamtes in diesem Fach, pflichtete bei - und lieferte den Teilnehmern der Fortbildung eine Vielzahl attraktiver Vorschläge, warum mit Blick auf Kompetenzorientierung eine Teilnahme an "Schüler machen Zeitung" sinnvoll sein kann: Den Schülern werde so "handlungs- und produktionsorientierter Unterricht" geboten.

Googeln alleine hilft nicht weiter

Zum Beispiel dann, wenn sie ein Interview führen sollen - die geforderte Kompetenzorientierung besteht nun nicht darin, die journalistische Stilform "Interview" in der Theorie, sondern ganz praktisch kennenzulernen: Ein geeignetes Thema muss gefunden, erforderliches Detailwissen recherchiert, Fragen müssen formuliert werden. Die Schüler müssen einen Interviewpartner suchen, den Termin ausmachen, das Interview führen, aufzeichnen und transkribieren - das Ergebnis wird am Ende dann in der Tageszeitung und auf der Webseite des Verlags veröffentlicht.

So etwas nennt man dann "fürs Leben lernen" - den Begriff "Interview" nämlich einfach nur im Internet zu googeln, bringt mit Blick auf Kompetenzorientierung nun einmal nicht weiter.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 05.10.2012

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