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Landratsamt: Ausstellung zur Verfolgung von Sinti und Roma

Hornhaut auf der Seele

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 21.11.2013

Bergstraße. "Wer in Auschwitz war, hat für den Rest seines Lebens eine Hornhaut auf der Seele", so der ehemalige Häftling des Konzentrationslagers Hermann Langbein.

Nach diesen Worten und in Erinnerung an Langbein, der nach dem Krieg zu den Mitbegründern des Internationalen Auschwitzkomitees gehörte und maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Frankfurter Auschwitz-Prozesse Mitte der 1960er Jahre hatte, ist die Ausstellung benannt, die jetzt im Bergsträßer Landratsamt zu sehen ist. Die Eröffnung der Ausstellung "Hornhaut auf meiner Seele - Die Geschichte zur Verfolgung der Sinti und Roma in Hessen" erfolgte jetzt im Foyer der Behörde in Heppenheim (Graben 15). Erster Kreisbeigeordneter Thomas Metz hatte zu der öffentlichen Veranstaltung eingeladen: "Wir wollen mit dieser Ausstellung einen Zugang zu einem jahrzehntelang verschütteten und verschwiegenem Thema eröffnen."

Ähnlich wie für Juden gab es für Sinti über lange Zeiträume Berufsverbote, viele zogen als Händler, Handwerker und Musiker durch Europa. Nur wenige schriftliche Zeugnisse erwähnen die Minderheit, meist sind es Polizeierlasse.

Schwerpunkt liegt auf der NS-Zeit

Mit einem Schwerpunkt auf die Zeit des Nationalsozialismus wird in der Ausstellung diese jahrhundertelange Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma beleuchtet und aufgezeigt, wie sich tradierte "Zigeunerbilder" bis heute halten. Erst 1982 wurde der Völkermord an den Sinti und Roma offiziell anerkannt, weitere 30 Jahre dauerte es bis zur Einrichtung eines Denkmals für die Opfer in Berlin im Jahr 2012.

Mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zum Schutz nationaler Minderheiten im Jahr 1997 durch die Bundesrepublik Deutschland wurden die deutschen Sinti und Roma als nationale Minderheit anerkannt. Damit geht die Verpflichtung einher, die Rechte dieser Angehörigen, einschließlich des Romanes als nationale Minderheitensprache, zu achten, zu schützen und zu fördern.

Als Nachbarn unerwünscht

Dem steht gegenüber, dass nach wie vor Sinti und Roma auch heute noch Ablehnung in vielfältiger Form erleben. So möchte eine große Zahl von Menschen, laut einer Studie der Technischen Universität Berlin, Sinti und Roma nicht als Nachbarn haben - obwohl sie möglicherweise bereits Sinti und Roma als Nachbarn haben, ohne dies zu wissen.

Über 65 Tafeln

Die umfangreiche Ausstellung - insgesamt über 65 Tafeln thematisch breit angelegt - wurde vom Landesverband der Sinti und Roma in Zusammenarbeit mit dem Historiker und Diplom Politologen Dr. Udo Engbring-Romang konzipiert und umgesetzt. Sowohl Udo Engbring-Romang als auch Rinaldo Strauß vom hessischen Landesverband waren bei der Ausstellungseröffnung anwesend und gaben Erläuterungen zu einzelnen Tafeln.

Die Einführung in die Ausstellung erfolgte durch Peter E. Kalb, Programmleiter eines pädagogischen Fachverlages, der als junger Mann den Ausschwitz-Prozess als Zeugenbetreuer hautnah miterlebt hat. red

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 21.11.2013

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