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Politischer Aschermittwoch: Sozialdemokraten starten beim Heringsessen den Generalangriff auf die schwarz-gelben Koalitionen in Bund und Land

Ohne Dirndl keine Komplimente für SPD-Frauen

Beim Politischen Aschermittwoch startete die SPD in den Wahlkampf. Klar, dass die schwarz-gelben Koalitionen in Bund und Land Ziele der Attacken waren.

© Hofmann/ü

Bergstraße. Der Spitzenkandidat einer anderen Partei und zwei - nicht gezeigte - Dirndl standen am Anfang und Ende des politischen Aschermittwochs bei den Sozialdemokraten in Rimbach. Vor dem Hering gab es in der traditionsreichen Wahlkampf-Einstimmung des Kreisverbands nach der Fastnacht den Generalangriff auf die schwarz-gelben Koalitionen.

Kanzlerin wie eine Teflonpfanne

Es war der Rimbacher Ortsvereinsvorsitzende Dieter Martin, der den Ex-Bürgermeistern Hans-Jürgen Pfeifer Gerhard Herbert bescheinigte: "Sie sehen wirklich sehr gut aus." Das war der Anlass für Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht, sich bei Martin darüber zu beklagen, nicht auch solch ein Kompliment bekommen zu haben. Die Schuld für dieses Versäumnis glaubte sie, in FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle zu sehen. Martin, der seit 14 Jahren Fraktionsvorsitzende in der Rimbacher Gemeindevertretung ist, erwiderte vor dem Heringsessen prompt: "Das Brüderle-Niveau erreiche ich nach einem alkoholfreien Weizen nicht - und Ihr habt ja auch keine Dirndl an."

Aber es ging auch ernst zu bei der SPD. Lambrecht betonte angesichts des "Personal- und Themenkarussells Merkel" die Notwendigkeit des Wechsels. Da alle wichtigen Fragen durch die Bundesregierung unbeantwortet blieben und "abprallen an der Kanzlerin ohne Konzept wie an einer Teflonpfanne", sagte Lambrecht unter begeistertem Beifall der gut besuchten Versammlung, "werden wir knallhart unsere Themen in den Mittelpunkt stellen, um deutlich zu machen, dass wir eine Veränderung in diesem Land wollen".

Lambrecht war die prominenteste Rednerin zum Wahlkampfauftakt der SPD. Eine Viertelstunde lang warf sie der Regierung in dem mit roten Partei-Tischfähnchen dekorierten Saal einen "einzigen Hick-Hack bei allen Entscheidungen" vor. "Am Aschermittwoch haben wir erlebt, dass er jetzt richtig Gas gibt und als Einziger der Karussell-Kanzlerin Paroli bieten kann", sagte die Bundestagsabgeordnete.

Von der "Mövenpick-Steuer" und dem Hin und Her beim Atomausstieg über das Betreuungsgeld mangels Kita-Plätzen bis hin zum großen Verschleiß an Kabinettsmitgliedern durch Rücktritte und "Personal-Rochaden zum schwindelig werden" mit dem Ergebnis einer "liberalen Boy Group" - das alles ließ für Lambrecht nur einen Schluss zu: "Das ist eine Mannschaft, die auch nicht einen Funken davon versteht, warum sie im Amt ist."

Zweite Rednerin des Abends war Karin Hartmann, die am 22. September wieder in den Landtag einziehen will. Der Schwerpunkt ihrer Rede lag auf den kommunalen Finanzen, der Energie und der Sozial- und Familienpolitik. "Hier haben wir die besseren Lösungen", betonte Hartmann, die von Kindern als Versuchskaninchen bei der Schulpolitik sprach. Wald-Michelbach und Rimbach stünden nach ihren Entscheidungen für G 9 eine Hängepartie. bem/ü

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 15.02.2013

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