Bürstadt:
Großeinsatz für die Feuerwehr am ehemaligen Hotel Berg / Bewohner mit Glück im Unglück
Rauchwolken quellen aus dem Dachstuhl
Archiv-Artikel vom Montag, den 06.05.2013
Von unserer Mitarbeiterin Sandra Bollmann
Großeinsatz am frühen Samstagabend: Aus dem Dach des früheren Hotel Berg in Bürstadt quellen dichte Rauchwolken.
© Nix/sm
Bürstadt.
Der Brand des Dachstuhls im ehemaligen Hotels Berg in Bürstadt führte am frühen Samstagabend zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Noch einmal mussten die Bürstädter Brandschützer dann am gestrigen Sonntag in die Vincenzstraße ausrücken: Aus dem fast völlig verwüsteten Dachstuhl schlugen den Einsatzkräften wieder Rauchwolken entgegen. Also hieß es erneut: hoch auf den Korb des Gelenkfahrzeugs und löschen.
Gestern konnten die Feuerwehrleute schnell wieder abrücken, am Abend davor hatten sie allerdings eine weit größere Aufgabe zu bewältigen: Unter dem First des ehemaligen Vorzeigehotels hatte es so heftig gebrannt, dass nicht nur die Bürstädter Wehren mit 55 Leuten anrückten. Auch aus Lampertheim kamen 25 Kollegen samt Teleskopmast-Gelenkfahrzeug. Mit den Helfern des Rettungsdienstes waren damit am Samstagabend gegen 18.30 Uhr etwa 100 Männer und Frauen beim Hotel Berg im Einsatz.
Ein Feuerwehrmann verletzt
Von den gut 20 Personen, die zurzeit in dem Gebäude wohnen, wurde niemand verletzt. Allerdings hatte ein Feuerwehrmann bei den Löscharbeiten giftiges Rauchgas eingeatmet und musste kurzzeitig ins Krankenhaus eingeliefert werden. "Da ist wohl die Atemschutzmaske verrutscht", vermutet der Bürstädter Stadtbrandinspektor Uwe Schwara.
Gleich 14 Atemschutzträger waren bei dem Großbrand im Einsatz. Der erste Trupp hatte versucht, sich über das Treppenhaus Zugang zum Brandherd zu verschaffen, berichtet Schwara. Schon hier habe ihnen starker Rauch entgegen geschlagen. Ob sich noch Menschen in dem Gebäude befanden, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. "Es standen zwar Leute auf der Straße, aber wir konnten nicht sicher sein, dass sich alle draußen befanden", erklärt der Feuerwehrchef.
Weil die Türen abgeschlossen waren, mussten sich die Feuerwehrleute gewaltsam Zutritt zu den Zimmern verschaffen und wurden schließlich im dritten Obergeschoss fündig: Direkt unter dem First habe das Feuer geschwelt. Auch hier in der Dachschräge hätten sich noch Wohnräume befunden.
Während der erste Rettungstrupp schon im Gebäude war, wurde der Einsatz über dem Dach vorbereitet. Mit dem Hubwagen aus Lampertheim und dem eigenen standen gleich zwei Rettungskörbe zur Verfügung, die über dem Dach platziert werden konnten. "Das erleichtert unsere Arbeit ungemein", macht Schwara deutlich. Die Brandschützer öffneten das Dach von außen und entfernten Ziegel, Rigipsplatten und Dämmung, um an den Brandherd zu gelangen. Jederzeit hätten ihnen Flammen entgegen schlagen können, deshalb sei die Atemschutzausrüstung unbedingt notwendig gewesen.
Gegen 22.30 Uhr kontrollierten die Bürstädter Feuerwehrleute noch einmal mit der Wärmebildkamera den Brandherd. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles ruhig. Gestern Nachmittag gegen 14.30 Uhr stieg dann allerdings erneut Rauch auf, das restliche Glimmen in der Dachisolierung hatten die Brandschützer aber schnell gelöscht.
Der Hubwagen mit Teleskop-Arm war gestern Mittag zwar noch beim Tag der offenen Tür in Bobstadt zu sehen. Als der Alarm losging, war das Fahrzeug allerdings schon wieder auf dem Weg zurück nach Bürstadt und schnell am Einsatzort, erzählt Schwara.
Notunterkünfte im Bürgerhaus
Die etwa 20 Bewohner des früheren Hotels konnten nach den Löscharbeiten am Samstag nicht mehr in ihre Wohnungen zurück, wie Schwara deutlich macht. Einigen wurde in der Nacht eine Notunterkunft im Bürgerhaus eingerichtet, die Übrigen konnten in dem Teil des ehemaligen Hotels unterkommen, der nicht von dem Brand betroffen war.
Wie es zu dem Brand kam, ist völlig offen. "Wir konnten noch nicht ins Gebäude hinein und haben deshalb bisher keine Erkenntnisse", teilt die Polizei mit. Den Schaden schätzen die Ermittler auf einen hohen fünfstelligen Betrag.
Erst im März war die Bürstädter Feuerwehr in dem ehemaligen Hotel im Einsatz: Ein Stück Teppich hatte gebrannt. Auch hier ist laut Polizei noch nicht klar, ob es sich um ein Versehen oder Brandstiftung gehandelt hatte. Ohnehin sorgen die Zustände in dem Gebäude zurzeit für Diskussionen. Die Zimmer werden einzeln als Wohnungen genutzt. Anwohner hatten sich über Dreck und Lärm beschwert. Sogar von Zwangsprostitution war die Rede. Die Stadtverwaltung prüft zurzeit baurechtliche Verstöße. /sm
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