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Verein des Monats Januar: Der Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge pflegt eine gut sortierte Homepage mit starker Außenwirkung

Üppiges Angebot gut nutzbar präsentiert

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Dr. Fritz Kilthau vor der Homepage des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge.

© Lotz

Intensive Arbeit in der Vorstandsrunde des Zwingenberger Arbeitskreises.

© Funck

2011-09-13_Logo_Verein_des_Monats.eps

Bergstraße. Über 3000 Besucher im Monat. Darunter viele Nachfahren ehemaliger Zwingenberger Juden, die über die Website erste, oftmals dauerhafte Kontakte aufgenommen haben. Einen positiveren Effekt könnte sich der Verein nicht wünschen. Beim Spazierengehen auf der Homepage wundert man sich, dass die Seite nicht platzt. Der Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge hat es geschafft, maximale Information und vollen Service auf einer übersichtlich aufgeräumten Oberfläche zu bündeln.

Trotz des üppigen Angebots fühlt sich der Besucher in keinem Moment orientierungslos oder navigatorisch überfordert. Man wird an die Hand genommen und freundlich aufgeklärt. Sanft, aber bestimmt in thematische Nischen geschubst und immer wieder angestachelt, über das Grobkörnige in die Tiefen des Vereinszwecks einzutauchen.

Auf schnellen Kontakt kommt's an

Forschung nach Verwandten: Intensiver Dialog quer über den Atlantik

Bei ihrem Besuch in Zwingenberg im Oktober 2010 äußerte sich Dena Rueb Romero begeistert darüber, was bei der intensiven Recherche über das Schicksal von Hedwig und Julius Bauer herausgekommen ist.

Die Broschüre "Menschengesichter" erzählt die Geschichte von deutschen Juden am Beispiel einer Bensheimer Familie. Vor vier Jahren hatte sich die in New Hampshire lebende Verwandte der Familie mit einer Anfrage an Dr. Fritz Kilthau gewandt. Sie wollte wissen, ob es detaillierte Informationen zum Leben der Bauers während der Zeit des Nationalsozialismus gibt. Daraus entstand ein vitaler Dialog quer über den Atlantik. Erste Informationen über Arbeit und Ziele des Vereins hatte sich Frau Romero auf der Homepage verschafft. Kein Einzelfall.

Eine Nachfahrin einer ehemals in Alsbach ansässigen jüdischen Familie meldete sich im vergangenen Jahr aus den USA und wollte wissen, ob der Verein eine Führung über den Alsbacher Judenfriedhof organisieren kann. Er konnte.

Derzeit plant der Vorsitzende eine Datenbank, über die gezielt Personen gesucht und gefunden werden können, die einst in Zwingenberg gelebt haben. Die reichhaltigen Informationen, die der Verein seit seiner Gründung bereits gesammelt hat, sind eine ideale Basis.

Aktuell steckt Dr. Fritz Kilthau mitten den Vorbereitungen der neusten Publikation, die sich mit der Geschichte beider ehemaliger Synagogen beschäftigt. Am 15. Februar beginnt eine Ausstellung in der Remise (Altes Amtsgericht) über die Migrationsbewegungen in Südhessen in der Zeit bis 1945.

Über die potenzielle Nutzung der alten Synagoge als Migrationsmuseum hat sich der Verein in den zurückliegenden Jahren viele Gedanken gemacht. Auch externe Experten wurden hinzugezogen. Dieses langfristige Ziel will der Verein nicht aus den Augen verlieren. Als Erinnerung an die frühere jüdische Gemeinde und als Zeichen für Toleranz und Völkerverständigung.

Die Stadt Zwingenberg hatte schon vor knapp fünf Jahren ihre Unterstützung zugesagt. Alle Beteiligten wissen, dass dieses Projekt nicht zeitnah zu realisieren ist. Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz. tr

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"Entscheidend ist, dass man schnell an uns herankommt", sagt Dr. Fritz Kilthau, Erster Vorsitzender, Webmaster und zweifellos das Gesicht des 1999 gegründeten Vereins, der sich mit einem überzeugenden Internet-Auftritt den Januar-Titel "Verein des Monats" gesichert hat.

Für den Bergsträßer Anzeiger und die Sparkasse Bensheim war schnell klar, dass hier alles stimmt: Optik und Info, Navigation und Interaktion, Angebot und Service. Eine komplette Homepage ohne Schnickschnack. Optisch elegant, chronologisch lückenlos, ohne virtuelle Einbahnstraßen oder ungepflegte Informations-Sackgassen.

Ganz bewusst wurde die Seite nicht als offenes Forum gestaltet, um rechten Kommentaren keine Chance zu geben. Daher: kein Gästebuch. Dafür kann man der "Zwingenberger Erklärung gegen rechtsextreme Aktionen" online zustimmen und so ein persönliches Zeichen gegen Braun setzen.

Vor etwas über zehn Jahren hat Kilthau den Verein ins Netz gehängt. Damals noch mit einem simplen Designprogramm. Später wechselte er zur Hypertext Markup Language, kurz HTML - dem gängigen Vokabular des WWW. Der Vorsitzende entdeckt ein Verwaltungssystem, dessen Software eine einfache und doch individuelle Gestaltung ermöglicht.

Seit zwei Jahren erscheint die Homepage nun im aktuellen Look. Ein großes rotes Quadrat begrüßt den Gast und bietet ihm zahlreiche Abzweigungen auf dem persönlichen Informationskurs. Schwerpunkt der Seite ist ein sättigendes Menü an Angeboten: Veranstaltungen, Publikationen, Führungen, Vorträge, Projekte. Seit 2002 ist alles dokumentiert. Kein Presseartikel, keine Medienmitteilung fehlt. Und, man spitze die Augen: Auch der komplette Text des selbst verfassten und 2007 uraufgeführten Theaterstücks zur Geschichte der Juden in Zwingenberg ist online nachlesbar. Die vollständige Dramaturgie. Viel Spaß beim Scrollen!

Wenn man mit dem Mauszeiger über das historische Foto der bis heute erhaltenen Synagoge an der Wiesenstraße 5 fährt, erschließen sich automatisch die einzelnen Gestaltungsmerkmale. Auch das ursprüngliche und nach wie vor visionäre Nutzungskonzept des Gebäudes als kulturell-pädagogische Bildungsstätte ist in Gänze aufgeführt.

Alle Publikationen sind zugänglich

Die Publikationen des Arbeitskreises - alle von Kilthau oder mit seiner Beteiligung - sind zugänglich und direkt bestellbar. Das Vortragsprogramm des Vereins wird ausführlich erläutert und von historischen Bildern flankiert. Die Dokumentation jüdischen Lebens und Kultur sowie die Sensibilisierung für die mannigfaltigen Spielarten von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind prominente Anliegen des Vereins. Schulen und andere jugendliche Bildungseinrichtungen finden eine Auswahl an Themen, die bei Projektwochen oder als Abschlussarbeiten aufgegriffen werden können.

Der Verein bemüht sich - wie schon oft geschehen -, regionale Schulen direkt zu unterstützen: Vor wenigen Wochen wurde eine Klasse des Bensheimer AKG mit einer eigenen Stadtführung begleitet. Die meisten Anfragen von Schulen laufen über die Homepage.

Dem lokalen Gedenk-Projekt "Stolpersteine", das aus dem Verein heraus angeregt wurde und inhaltlich unterstützt wird, ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Eine Schlagwort-Wolke ermöglicht ein barrierefreies Anklicken der wichtigsten Themen ohne Umwege.

Der Vorsitzende betont: "Eine permanente Pflege der Website ist die erste Regel." Sonst ist das Online-Image schnell dahin. Wer in den News von vorgestern surft, verliert fix das Interesse.

Die Inhalte spiegeln ein Stück weit auch das Selbstverständnis des Herausgebers. Der Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge hat sich im Internet eine erstklassige Visitenkarte entworfen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 25.01.2013

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