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BA Natürlich: Im Naturschutzzentrum Bergstraße bastelten Mädchen und Jungen eifrig Futterrähmchen für die gefiederten Freunde

Winter-Menü für Vögel ist angerichtet

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Scharf

Mit Feuereifer in Eiseskälte bastelten die Kinder ihre Futterrähmchen.

© Lotz

Früh übt sich, was einmal eine gute Rähmchenbauerin werden will.

© Lotz

Über dem offenen Feuer wurde das Rinderfett geschmolzen.

© Lotz
© Bergsträßer Anzeiger

Bergstraße. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zukommt, hielt überraschenderweise schon der Samstag parat. Ein extrem garstiges Wetter, das die jungen Bauherren auf eine harte Probe stellte. Aber trotz Schneegraupel und Temperaturen knapp über Null schwächelte keiner oder dachte gar daran, zu kneifen.

Dick eingemummelt und hochkonzentriert machten sich die Mädchen und Jungen an der Feuerstelle abseits vom Naturschutzzentrum Bergstraße mit festem Hammerschlag an die Arbeit: Jeder zimmerte dort aus hölzernen Einzelteilen und Dachpappe sein eigenes Futterrähmchen für die heimatverbundenen Vögel, die hierzulande überwintern und nicht - wie viele ihrer Artgenossen - dorthin flüchten, wo es im Winter wärmer und sonniger ist.

Gehaltvolle Müsli-Mixtur

Ausgegossen und gefüllt wurden die praktischen Nahrungsstationen mit einer gehaltvollen "Müsli-Mixtur" aus Rinderfett, Körnern, Sonnenblumenkernen, Weizenflocken, Rosinen und Haferflocken. Von Diät also keine Spur. Vögel seien auf diese Art von Nahrung bei der Kälte angewiesen, um den Winter zu überstehen, informierte NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler die Kinder. Bei Eis und Schnee, wenn die Erde knüppeldick gefroren ist, können sich die Vögel am Körnerfutter satt picken. Denn die natürliche Nahrung wie Würmer und Insekten ist für sie bei Eiseskälte unerreichbar. Und das bedeutet für die Gefiederten Stress und kann lebensbedrohlich werden.

Paula, neun Jahre alt, kommt aus Bensheim. Sie will die Futterstation unbedingt an ihrem Kletterbaum aufhängen. Dillon (10) aus Lorsch hat sich ebenfalls schon Gedanken gemacht, wo der selbst gezimmerte Rahmen im Garten baumeln soll.

Verfrühtes Gastspiel

Weder das Naturschutzzentrum noch der Bergsträßer Anzeiger hatten bei der Terminierung der Bastelaktion im Rahmen der Reihe Natürlich 2012 im Traum daran gedacht, dass ausgerechnet am Veranstaltungstag der Winter ein verfrühtes Gastspiel geben würde. Die knapp 30 Teilnehmer störte das nicht im Geringsten. Mit Feuereifer hämmerten sie Seitenteile, Rückwand und Dach zusammen und achteten mit Argusaugen darauf, dass die Nägel kerzengerade blieben. Wenn ein Schlag doch einmal daneben ging, waren Mama und Papa, Oma und Opa zur Stelle und bügelten das kleine Malheur schnell wieder aus.

Annika Berg, pädagogische Mitarbeiterin im Naturschutzzentrum, Jannis Bremer, ehemaliger FSJ'ler, und Vogelexperte Gerhard Eppler gaben Tipps und legten ebenfalls mit Hand an, wenn es - besonders bei den Jüngeren - mit der Ausführung etwas haperte. Kleine Hilfestellungen wurden gern angenommen.

In einem großen Topf brutzelten währenddessen Brocken von Rinderfett über dem offenen Feuer, bis sie geschmolzen waren. Vermengt mit dem Körnerfutter wurde die Vogelnahrung anschließend in die Rähmchen gegossen.

Damit Amsel, Drossel, Fink und Star es sich beim Futtern auch bequem machen können, nagelten die umsichtigen Handwerker noch schnell ein kleines Querstöckchen fest, bevor sie die ebenso hübschen wie praktischen Futterstationen den Eltern und Großeltern präsentierten.

Wissen anschaulich vermittelt

Ehe sich die Mädchen und Jungen im Freien an die Arbeit machten, erteilte ihnen Eppler im Naturschutzzentrum zunächst eine spannende Lektion in Vogelkunde. Damit erst gar keine Langeweile aufkam, stellte er eine Reihe von Vogelpräparaten vor und erklärte, warum wer was frisst. Ausschlaggebend ist die Schnabelform. Nicht alle Vögel sind von der Natur als Körner- oder Insektenfresser vorgesehen. Einige - wie etwa der Steinkauz - verspeisen Mäuse, Insekten und Regenwürmer, andere Fische oder Wasserpflanzen.

Sperber haben nicht umsonst den Spitznamen "Vogeljäger." Sie machen sich schon Mal über ihre kleineren Artgenossen her. Deshalb gab der Vogelexperte den Kindern einen guten Tipp: Damit die Großen nicht die Kleinen verschlingen, sollte der Futterrahmen immer in der Nähe von Hecken hängen. Dann nämlich haben die Unterlegenen die Möglichkeit, sich rechtzeitig dorthin in Sicherheit zu bringen.

Wer labt sich aber denn nun am bereitgestellten Menü im Futterrahmen? Spatzen, die entgegen der öffentlichen Meinung tatsächlich immer seltener anzutreffen sind, Grün- und Buchfinken, aber auch Stare, Amseln, Meisen, Drosseln, Kleiber und viele andere.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 30.10.2012

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