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Schüler machen Zeitung: Bei „Schüler machen Zeitung“ hat gestern die Projektphase begonnen / Vier Wochen lang setzen sich Schüler im Unterricht mit dem BA auseinander

Zeitung machen statt Osterhasenpädagogik

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 20.11.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Ränker

"Schüler machen Zeitung" - das Projekt bietet Lehrern eine gute Basis für einen auf kompetenzorientiertes Lernen ausgerichteten Unterricht.

©  Funck

Bergstraße. Seit gut einer Woche erhalten über 700 Schülerinnen und Schüler in 28 Klassen von neun weiterführenden Schulen im Verbreitungsgebiet des Bergsträßer Anzeigers die Zeitung als tägliche Lektüre zugestellt - gestern nun fiel der Startschuss für die eigentliche Projektphase von "Schüler machen Zeitung", einem medienpädagogischen Projekt, das der BA im nunmehr zwölften Jahr anbietet.

Vier Wochen lang sollen sich die jungen Zeitungsleser in Unterrichtsfächern wie Deutsch oder PoWi (Politik und Wirtschaft) intensiv mit dem Medium auseinandersetzen und vor allem eines tun:

Selbst Zeitung machen, nämlich Themen finden, recherchieren, texten, illustrieren und in der Print- und Online-Ausgabe des BA veröffentlichen.

"Schüler machen Zeitung" ist dabei so ganz nach dem Geschmack von Bernd Siefert und Thomas Stricker - die beiden Lehrer sind Fortbildner sowie Unterrichtsentwicklungsberater des Staatlichen Schulamtes für die Bergstraße und den Odenwald und als "Missionare" in Sachen kompetenzorientiertem Unterrichten unterwegs.

Bei der Auftaktveranstaltung für die am medienpädagogischen Projekt teilnehmenden Lehrer vor wenigen Tagen in den Räumen der GGEW Bergstraße AG in Bensheim regte das Duo an, "Schüler machen Zeitung" für erste Erfahrungen mit kompetenzorientiertem Unterrichten zu nutzen.

Am Ende steht die Veröffentlichung

Statt wie ein Zauberer "Osterhasenpädagogik" zu betreiben - "Na, in welcher Hand habe ich das Wissen?" (Siefert) - sollen die Lehrenden den Lernenden mehr Verantwortung für den Lernprozess übertragen. Mit Blick auf "Schüler machen Zeitung" könnte - basierend auf der Ausgangsfrage "Was soll der Schüler am Ende der Einheit können?" - beispielsweise die Erstellung einer Reportage das Ziel sein.

Diese journalistische Stilform bliebe im besten Fall dann nicht Theorie, sondern würde Praxis. Bernd Siefert: "Bedenken Sie: Wir behalten nur zehn Prozent von dem, was wir hören - aber 90 Prozent von dem, was wir uns selbst erarbeitet haben." Sein Kollege Thomas Stricker pflichtet ihm bei: "Was ist das Schlimme daran, wenn man Schülern etwas erklärt? Sie können es nicht mehr selbst herausfinden."

Kompetenzorientiertes Unterrichten will dem entgegenwirken: Die wichtigste Frage soll nicht mehr sein: Was haben wir durchgenommen? Sondern: Welche Vorstellungen, Fähigkeiten und Einstellungen sind entwickelt worden? Die Einführung von Bildungsstandards wiederum kehrt die klassische Lehrplan-Perspektive um: Im Mittelpunkt stehen nicht mehr die einzelnen Inhalte der Fächer, sondern das, was alle Kinder und Jugendlichen am Ende ihrer schulischen Laufbahn wissen und können sollen. Wissen und Können - das macht Kompetenz aus.

Eine Nachricht, viele Kanäle

Bernd Siefert und Thomas Stricker sind der festen Überzeugung, dass die Unterrichtsmaterialien, die der BA gemeinsam mit seinen Projektpartnern - dem Energieversorger GGEW Bergstraße, der Sparkasse Bensheim und der AOK - erstellt hat, eine gute Grundlage für das Einüben von kompetenzorientiertem Unterrichten sind.

Das freut BA-Chefredakteur Karl-Heinz Schlitt, dem die medienpädagogischen Projekte seit vielen Jahren ein ganz besonderes Anliegen sind. Gemeinsam mit den Projektpartnern GGEW, Sparkasse und AOK decke man über die Vermittlung von Medienkompetenz auch die wichtigen Zukunftsthemen Energie, Finanzen und Gesundheit ab, so Schlitt, der mit dem Projekt "die Pädagogen weder belehren noch konfirmieren", aber ein sinnvolles Angebot machen will.

Die gute Resonanz auf das Projekt mache Mut: "Zeitung ist kein Auslaufmodell." Trotzdem: Der Bergsträßer Anzeiger stellt sich auch dem digitalen Wettbewerb und vollzieht eine Entwicklung vom Verlags- zum Medienhaus - "gesendet" werden die recherchierten Nachrichten auf verschiedenen Kanälen: in gedruckter Form, aber auch auf der Webseite, per Ticker oder auf Facebook.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 20.11.2012

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