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Radaranlage Löffelstelzen/Oberbalbach: Modernisierungsmaßnahme begonnen / Radarsensor „Batman“ außer Betrieb genommen

Ende einer Ära und „Schritt nach vorn“

Von unserem Mitarbeiter Peter D. Wagner

Der rund 96 Quadratmeter umfassende Antennenreflektor.

© Peter D. Wagner

Radarstellung Löffelstelzen-Oberbalbach mit Schutzhülle ("Radom"), unter der sich die Radarantennenanlage befindet.

Die Basis der insgesamt rund 11 Tonnen schweren Radarantennenanlage.

"Countdown" zur Abschaltung der Radarsensoranlage in der Radarstellung.

Löffelstelzen/Oberbalbach. "Das Ende einer Ära" und "Mit kleinen Schritten den Sprung nach vorne wagen" - unter diesem Motto wurde im Rahmen eines offiziellen Festakts am Montag der Radarsensor der Radarstellung Löffelstelzen-Oberbalbach nach 42 Betriebsjahren außer Dienst genommen, um in den kommenden Monaten durch eine modernere technischen Anlage ersetzt zu werden.

An dem Festakt nahmen zahlreiche Ehrengäste teil, unter ihnen der stellvertretende Kommandeur des Einsatzführungsbereiches 1, Oberstleutnant Manfred Mengis, Thomas Maertens, Bürgermeister der Stadt Lauda-Königshofen, Ortsvorsteher Joachim Markert und Stadt- und Ortschaftsrat Christian-Andreas Strube aus Oberbalbach, auf dessen Gemarkung die Radarstellung liegt, sowie Vertreter der Luftwaffe und von Vertragspartnerunternehmen der Luftwaffe.

Üblicherweise wird mit einem "Countdown" ein Start eingeläutet, nicht so jedoch am Mittwoch in der Radarstellung Löffelstelzen-Oberbalbach, als Oberleutnant Christian Heintz, Zugführer des Abgesetzten Technischen Zugs 134, dem die Anlage unterstellt ist, nach Erhalt des Abschaltbefehls von Mengis, die letzten 90 Sekunden herunterzuzählen begann. Nach einer letzten Gedenkminute in dieser verbleibenden Zeit wurde der Radarsensor "Batmann" des Typs "Medium Power Radar (MPR)" von Stabsfeldwebel Detlef Zinn, Trupp- und Geräteführer beim Abgesetzten Technischen Zug 134, endgültig abgeschaltet.

Die Radarstellung Löffelstelzen-Oberbalbach des Abgesetzten Technischen Zugs 134 ist derzeit noch dem Einsatzführungsbereich 1 unterstellt, der in der Zollernalb-Kaserne in Meßstetten stationiert ist.

In ihrer Verantwortung steht die Überwachung des süddeutschen Luftraums in Koordination mit weiteren Radarstationen der Luftwaffe sowie mit den südlichen Nachbarstaaten Deutschlands.

Der jetzt außer Dienst gestellte Radarsensor "Batmann" des Typs "Medium Power Radar (MPR)" zählte zu einem von sechs dieses Typs in Deutschland.

Bis zu seiner Abschaltung leitstete die Anlage rund 317 800 Antennenstunden, was einem dauerhaften Betrieb von 36,27 Jahren entspricht. Die übrigen Zeiten bildeten unter anderem Abschaltzeiten, Umbaumaßnahmen, Wartungsarbeiten und Ausbildungszeiten.

Trotz seiner Bezeichnung als Radar "mittlerer" Leistung galt das MPR mit einer Impulsleistung von 20 Megawatt als der mit Abstand leistungsstärkste Luftverteidigungsradartyp Deutschlands.

Der bisherige Radarantennenreflektor umfasste bei einer Breite von über 16 Metern und einer Höhe von rund sechs Metern eine Fläche von rund 96 Quadratmetern bei einem Gewicht von über 3,8 Tonnen (Gesamtgewicht der gesamten Radaranlage etwa elf Tonnen).

Die Anlage befindet sich unter einer geschlossenen Radarkuppel, einem so genannten Radom, das die Radarantennen vor Wettereinflüsse wie Wind und Regen schützt.

Die bisherige "MPR"-Technik wird im Rahmen eines Beschaffungsprogramms für "Aktives Radarrundsuchgerät für den Einsatzführungsdienst" (ARED) durch ein neues System "Ground Master 406 F" zum Gerätestückpreis von 21 Millionen Euro abgelöst.

Dieses neue 3D-Großraumradar zur Luftraumerfassung und -verteidigung mit digitaler Formung des Antennendiagramms soll eine Zielerfassung von sehr großen bis geringen Flughöhen bieten und weniger störanfällig sein.

Die Umrüstung in der Radarstellung Löffelstelzen-Oberbalbach soll bis Anfang 2014, die komplette Umrüstung aller sechs militärischen MPR-Radaranlagen 2015 abgeschlossen sein. pdw

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Die Außerbetriebnahme dieses zwar ältesten, aber dennoch immer zuverlässigen Typs nach über vier Jahrzehnten erfolge insbesondere für viele ältere und länger dienende Soldaten und Angehörige des Zuges nicht ganz ohne Wehmut, betonte Heintz. Damit gehe nicht nur eine schöne Vergangenheit mit der bisherigen Anlage zu Ende, sondern müsse sich die Dienststelle auch für zehn bis elf Monate aus der integrierten Luftverteidigung abmelden.

Der Terminplan sehe unter anderem bis Anfang April eine Demontage aller Komponenten einschließlich Antenne und Schutzhülle, die Neuinstallation bis Dezember sowie ein anschließendes Training mit Einsatzprüfung bis Anfang 2014 vor.

Mit dem Projekt trage man Forderungen nach einem modularen und servicefreundlichen Aufbau unter Verwendung handelsüblicher Hardware mit erhöhter Wirtschaftlichkeit Rechnungen, erklärte der Zugführer.

"Wir leiten mit dieser Maßnahme zumindest schon einmal im Einsatzführungsbereich 1 eine neue Ära ein und setzten bereits eine Wegmarke für die vor uns liegende Neuausrichtung mit der bevorstehenden Auflösung unserer vorgesetzten Dienststelle und der anstehenden Fusionierung mit dem Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück", meinte Heintz zu den bevorstehenden Veränderungs- und Umstrukturierungsprozessen bei den Einsatzführungsbereichen der Luftwaffe.

Trotz aller Wehmut sei der Lauf der Zeit und der moderneren Technik nicht aufzuhalten, betonte Mengis, der Grußworte des amtierenden Kommandeurs des Einsatzführungsbereichs 1, Oberstleutnant Volker Engelmann, überbrachte. Zudem dankte der Oberstleutnant und stellvertretende Kommandeur allen Beteiligten für ihren Einsatz zum reibungslosen Funktionieren der Radaranlage in ihren 42 Jahren.

Das Gerät erwecke trotz seines Alters den Eindruck, als könne es sich noch weitere 50 Jahre drehen, meinte Bürgermeister Thomas Maertens. Sowohl der zukünftigen technischen Anlage als auch dem Technischen Zug wünschte er einen weiterhin störungs- und unfallfreien Dienst. Darüber hinaus erinnerte der Bürgermeister an die lange Verbundenheit zwischen der Luftwaffe und der Stadt Lauda-Königshofen, die man auch nach Aufgabe der Kaserne in Lauda im Jahre 2004 weiterhin unterstütze und pflege. Da der jetzige Tag der Außerbetriebnahme des alten Gerätes keinen Schließungstermin bedeute, sei er trotz aller Wehmut für die Stadt ein guter Termin, da mit der Modernisierung eine Entscheidung, die Anlage aufrecht zu erhalten, einhergegangen sei. Nachdem die Stadt 2004 rund 1000 Einwohner verloren habe, freue man sich über jeden hinzuziehenden Bürger.

Ortsvorsteher Markert überreichte als Zeichen der freundschaftlichen Verbundenheit und als Dank für die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bundeswehrzug und Oberbalbach an Heintz ein Relief des Oberbalbacher Schutzheiligen St. Georg. Nach ihrer Abschaltung konnte die Radarantennenanlage von den Festaktgästen bei einer Führung nochmals eingehend besichtigt werden.

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 14.02.2013
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