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Paukenschlag in Sachen Solymar: Umbau des Bades ist zumindest fürs Erste auf Eis gelegt / Verantwortliche „verärgert und enttäuscht“

Generalunternehmer „g1“ ist insolvent

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus T. Mende

Vorerst ruhen die Umbauarbeiten am Solymar in Bad Mergentheim. Grund hierfür ist die Tatsache, das der Geschäftsführer des Generalunternehmers g1, Marcus Steinhart, beim Amtsgericht Nürnberg am Freitag Insolvenz angemeldet hat.

© FN

Bad Mergentheim. Das ist ein Hammer, den alle Verantwortlichen erst einmal verdauen mussten: Der Generalunternehmer für den Solymar-Umbau in Bad Mergentheim, Marcus Steinhart von der in Nürnberg ansässigen Firma "g1", hat beim Amtsgericht in Nürnberg am vergangenen Freitag Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Dies bedeutet, dass der Umbau des Bades, der zuletzt ohnehin schon teurer geworden war als zunächst angenommen (wir berichteten), zumindest fürs Erste auf Eis gelegt ist. Der ursprünglich ins Auge gefasste Wiedereröffnungstermin kann somit in keinem Fall eingehalten werden. "g1" hatte als Generalunternehmer eigentlich den Auftrag erhalten, das Solymar umzubauen und für die Zukunft attraktiv zu gestalten.

Eingeschlagen wie eine Bombe

Die Nachricht der Steinhart'schen Insolvenz muss bei allen Verantwortlichen von Stadt, Kurverwaltung und allen anderen Gremien eingeschlagen haben wie eine Bombe, es habe bei vielen ein bedrückendes Gefühl geherrscht. Die Folge dessen waren gestern Sitzungen am laufenden Band, denn es müsse schnellstmöglich ein Ausweg aus der Sackgasse gefunden werden, war in Erfahrung zu bringen. So tagte zum Beispiel am gestrigen Abend seit 18 Uhr der Ältestenrat (die Sitzung war ohnehin im Vorfeld angesetzt gewesen), in dem unter anderem neben Oberbürgermeister Udo Glatthaar auch die Vorsitzenden der im Bad Mergentheimer Gemeinderat vertretenen Fraktionen sitzen. Da die Zusammenkunft nach Redaktionsschluss noch andauerte, war es nicht möglich, noch Stellungnahmen einzuholen.

Verärgerte Verantwortliche

Oberbürgermeister Udo Glatthaar, Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Peter Pfahler und die Geschäftsführung der Solymar GmbH zeigten sich vor der Sitzung in einem kurzen Statement jedoch "verärgert und enttäuscht" über diesen überraschenden Schritt. Erst wenige Tage zuvor, nämlich am 25. Juni, habe die Solymar GmbH, so heißt es in einer Pressemitteilung, mit den Geschäftsführern von "g1" ein Gespräch geführt. Dabei sei eine gemeinsame Lösung entwickelt worden, um Liquiditätsschwierigkeiten zu beheben. Die Liquiditätsklemme sei im Übrigen auf Verzögerungen auf der Baustelle zurückzuführen.

Kontakt aufgenommen

Wie es weiter heißt, habe die Solymar GmbH sofort mit allen an der Umbaumaßnahme des Solymars Beteiligten Kontakt aufgenommen mit dem erklärten Ziel, die Umbaumaßnahme schnellstmöglich weiterzuführen.

Aufgrund der guten Erfahrungen mit den Firmen und Planern, hofften die Verantwortlichen auf eine schnelle Einigung und die Fortsetzung der Arbeiten.

Ein Vertreter der Schwimmabteilung des TV Bad Mergentheim zeigte sich zwar überrascht über die Nachricht, allerdings habe er so etwas durchaus nicht ausgeschlossen: "Wenn das stimmt, dann ist alles so gekommen, wie ich es befürchtet habe. Wir haben von Anfang an gesagt, dass 'g1' kein Partner für Bad Mergentheim ist." Er habe sich ohnehin gewundert, dass sich in letzter Zeit auf der Baustelle nur sehr wenig tue und bisweilen nur zwei Männer dort tätig gewesen seien.

Sohn des "Bäderkönigs"

Marcus Steinhart, Geschäftsführer von "g1" ist im Übrigen der Sohn des als "Bäderkönig" in die deutschen Annalen eingegangenen Heinz Steinhart. Allerdings habe die Firma "g1" nicht direkt mit den Unternehmen von Heinz Steinhart zu tun, so hatte bereits vor mehr als einem Jahr ein "g1"-Sprecher den Fränkischen Nachrichten kundgetan.

Heinz Steinhart selbst hatte vor mehr als zwei Jahrzehnten für die Dauer von 37 Monaten in Stuttgart-Stammheim in Untersuchungshaft gesessen. Seinerzeit war er mit dem Vorwurf der Steuerhinterziehung und des Betruges aufgrund einer fehlenden Vorsorgerückstellung seiner eigenen Bank konfrontiert worden. Damals war eine Summe von 400 Millionen Mark (rund 200 Millionen Euro) im Raum gestanden.

Der "Bäderkönig" hat in Deutschland bereits viele Bäder gebaut, es soll aber auch Beispiele geben, die im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt worden sind.

Keine Chance in Marktheidenfeld

Es gibt aber auch Fälle von geplanten Baumaßnahmen, in denen Heinz Steinhart nicht zum Zuge gekommen ist. So scheiterte vor geraumer Zeit in Marktheidenfeld dessen Engagement an einem Bürgerentscheid, der sogar einen Ratsbeschluss zu Fall gebracht hatte.

In jedem Fall darf man jetzt gespannt sein, wie es mit dem Solymar in der Großen Kreisstadt Bad Mergentheim weitergeht. Bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen schnellstmöglich eine für alle Seiten vertretbare Lösung präsentieren können.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 03.07.2012
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