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Missbrauchte Schüler der Odenwaldschule sollen vorläufig nicht entschädigt werden. (Bild: Thomas Neu)
Heppenheim. Die von Missbrauchsfällen erschütterte Odenwaldschule in Heppenheim wird nach Informationen des Radiosenders HR-Info frühere Opfer zunächst nicht entschädigen. Dem bundesweit bekannten Reforminternat fehle das Geld, gehe aus einem Schreiben des Schulvorstands an einen Anwalt der Opfer hervor. Darin heiße es, das Internat sei durch den Missbrauchsskandal in eine schwierige betriebswirtschaftliche Situation gekommen. Sie sei im Augenblick überhaupt nicht in der Lage, eine finanzielle Entschädigung zu zahlen.
Man könne es nicht zulassen, dass 140 Arbeitsplätze massiv gefährdet und über 200 Schüler möglicherweise ihre Schule verlieren würden, weil kurzfristige Entschädigungsansprüche erfüllt werden sollten.
Zwei Juristinnen, die von der Schule mit der Aufklärung beauftragt worden sind, zählten für die Zeit zwischen den 1960er Jahren und Anfang der 1990er zuletzt mehr als 50 Opfer. Der Vorstand rechnet mit dem Bekanntwerden weiterer Fälle.
Der Frankfurter Anwalt zahlreicher Opfer, Thorsten Kahl, nannte das Vorgehen der Schule zynisch. Er kritisierte, deren Existenz werde wieder über die Opfer gestellt. Die Schule habe ihre Glaubwürdigkeit verloren. Noch im Mai hatte der neue Schulvorstand angekündigt, die Schule wolle ein Vorbild für den Umgang mit Missbrauchsopfern werden. Der Anwalt vertritt nach eigenen Angaben zehn frühere Opfer, von denen sieben von der Odenwaldschule eine Entschädigung fordern. In einem Fall möchte ein Betroffener 83 000 Euro Schulgeld zurück haben. Um ihre Interessen gegenüber der Odenwaldschule gemeinsam vertreten zu können, wollen die Betroffenen einen Verein gründen.
Der Sprecher des neuen Schulvorstands, Johannes von Dohnanyi, wies die Vorwürfe zurück. Er sagte, die Schule habe es nicht grundsätzlich abgelehnt, Opfer zu entschädigen. Sie habe einen Anerkennungsfonds angekündigt. Dohnanyi konnte nicht sagen, wann dieser bereitstehen, wie hoch er ausfallen und wer ihn finanzieren soll. (lhe)
Bergsträßer Anzeiger
29. Juli 2010
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