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Banker tragen blaue Sakkos, die zerissenen Jeans und der Bundeswehrparka mit den Aufnähern kommen aus der Punk-Ecke und die gefälschte Louis Vuitton- Tasche gehört der Tussi aus dem Nagelstudio - du bist was du trägst, und das gilt auch an der Uni. Ein Dress-Code, der Vorurteile schürt, aber auch Potential für Widerlegung bietet:
Der Jurist/Die Juristin
Klassisch-konservativ und wie aus dem Ei gepellt. Er: Timberlake oder Barbour-Jacke, braune Aktentasche (wahlweise -koffer). Kleidet sich nach dem Motto Wieso-aussehen-wie-zwanzig-wenn-ich-wie-vierzig-aussehen-kann. Sie: Beim Bücken fällt ihr schon mal alles aus der Bluse, Ersatz-Absätze (Scheiß-Kopfsteinpflaster) sind immer dabei. Lebt nach dem Motto: Wenn-du-in-zehn-Semestern-nicht-deinen-Doktor-hast-musst-du-ihn-eben-selber-machen.
Mathematiker/Informatiker
Flanellhemd und 4-You-Rucksack. Ansonsten gilt: Computerlicht bräunt halt nicht.
"Ich denke, also..."
Der Philosoph und Germanist ist daran erkennbar, dass er oder sie Sätze bildet, die länger sind als seine Haare oder ihre Mäntel, außerdem beliebt ist der Schal, lässig um den Hals geschwungen, bei den Herren ein leichter Bartwuchs sowie der Hut, welcher aus existentiellen Gründen niemals abgenommen wird. Gerüchten zufolge sind die weiblichen Germanisten nicht gerade die Cleversten - aber wer so etwas öffentlich behauptet, kann ja selbst nicht allzu clever sein.
Der/die WirtschaftswissenschaftlerIn (das Binnen-I ist äußerst effizient)
Als bekämen sie alle einen Vorschuss auf die Kohle, die sie später mal scheffeln werden (wollen), hüllen sich Wirtschaftwissenschaftler gern in edles Tuch. Dem Lacoste- oder Ralph-Lauren-Poloshirt in Pastelltönen steht da, angesichts des Geldwerts der Textilien für die Feinwäsche, schon mal der Kragen zu Berge. Und wenn dann der Pullover mit dem V-Ausschnitt noch so dezent um die Schultern gelegt wird, dass aller Welt das "Tommy"-Schildchen neckisch ins Gesicht springt, würden sich selbst die Perlenohrringe der Damen am liebsten wieder in ihre Muschel verkriechen.
Die Politikwissenschaftlerin, der Politikwissenschaftler (politisch korrekte Reihenfolge)
Äußerlich schwer als solcher zu identifizieren, manchmal besteht Ähnlichkeit zum Sozialwissenschaftler. Im Gespräch eindeutig erkennbar an dem Hang, alles auszudiskutieren, freilich ohne sich jemals auf eine Position festlegen zu lassen.
Das Sozialwissenschaftler (auf Geschlechtertrennung wird keinen Wert gelegt)
Der Sowi in Reinform ist heute nur noch selten anzutreffen. Mit leichten Abwandlungen kann man ihn aber trotzdem eindeutig identifizieren. Der Prototyp ist Strickmützenfreund und trägt Ringelsocken in den Birkenstocks. Die schlammfarbene Karottenjeans ist zehn Zentimeter zu kurz und das eine Bein ist hochgekrempelt (vom Fahrradfahren). Auf dem alten Post-Fahrrad transportiert er die Flyer gegen Atom-Strom und seine Gitarre mit dem Tigerentenaufkleber. Auf der Klampfe werden übrigens bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die obligatorischen drei Akkorde zum besten gegeben. C-Dur, d-Moll, a-Moll - reicht ja auch für "Wind of Change". jlü
Studimorgen
29. August 2006
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