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Am Tag nach der Bluttat an einer Ludwigshafener Berufsschule gedenken Schüler mit Kerzen und Blumen des getöteten Lehrers. (Bild: dpa)

Am Tag nach der Bluttat an einer Ludwigshafener Berufsschule gedenken Schüler mit Kerzen und Blumen des getöteten Lehrers. (Bild: dpa)

Kriminalität: 23-Jähriger aus Ludwigshafen mit Kampfmesser und Schreckschusspistole bewaffnet / Opfer (58) hinterlässt Frau und mehrere Kinder

Bluttat in Berufsschule aus Wut über schlechte Noten

Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

Ludwigshafen. Entsetzen und Trauer an der Berufsbildenden Schule Technik 2 in Ludwigshafen: Ein ehemaliger Schüler tötete am Donnerstagmorgen im Gebäude einen 58 Jahre alten Lehrer.

Eine Jugendliche läuft, auf Pumps und das Handy am Ohr, Richtung Bruchwiesenstraße. "Mama, bei uns ist Amok. Aber ich bin o. k.", sagt die Schülerin. Das Entsetzen steht ihr im Gesicht. Allein, zu zweit und in Grüppchen gehen rund 2000 Schüler von der Berufsbildenden Schule (BBS) in Ludwigshafen-Mundenheim zur Bushaltestelle oder nach Hause. Polizeikräfte haben einen Ring um die Schulgebäude gebildet, lassen niemanden mehr hinein. Über dem mit weiß-roten Bändern gesicherten Areal kreist ein Polizeihubschrauber. An Unterricht ist nicht mehr zu denken, weder an diesem Donnerstagvormittag, noch am Freitag oder am Samstag.

"Wir waren wohl mit die Letzten, die aus dem Gebäude kamen", vermuten Martin (21), Eric (18) und Uwe (18). Sie tragen weiße Arbeitskleidung mit Farbklecksen, sind Auszubildende für den Maler- und Lackiererberuf im zweiten Lehrjahr. Die letzten Minuten des abrupt endenden Schultages haben sie im Untergeschoss des Werkstattgebäudes verbracht. Während sie lernen, wie man richtig tapeziert, wird nur wenige Meter entfernt, auf einer Treppe, ein 58 Jahre alter Fachlehrer tödlich verletzt - von einem ehemaligen Schüler: Der 23-Jährige gibt später an, sein Opfer habe ihm damals zu schlechte Noten gegeben. Warum er an diesem Morgen, sechs Jahre nachdem der Ludwigshafener die Schule verlassen hat, mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole zurückkehrt, müssen die Ermittlungen ergeben.

Details zu den Lebensumständen des Verdächtigen nannte die Polizei mit Blick auf den frühen Stand der Ermittlungen nicht. Was ging auf der Treppe vor? Den Verletzungen nach muss sich der 58 Jahre alte Familienvater aus Hessen gewehrt haben, berichtet der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig bei der Pressekonferenz.

"Kein Amoklauf"

Den Begriff "Amoklauf" nimmt bewusst niemand in den Mund - die Tat wird als gezielt beschrieben und strafrechtlich als Mord untersucht. Das Messer mit feststehender Klinge habe dem Pädagogen mindestens einen folgenschweren Stich zugefügt. Als der stellvertretende Schulleiter den Schwerverletzten findet, lebt der Kollege noch. Doch auch die sofort eingeleitete erste Hilfe kann ihn nicht mehr retten. Für das Geschehen gibt es bisher keine Zeugen. "Es war Unterricht", sagt Liebig. Warum der Fachlehrer im Flur war, ist noch offen.

Nach dem Kampf mit dem Lehrer bewegt sich der 23-Jährige zum Hauptgebäude Technik 2. Er läuft durch mehrere Geschosse, will einen zweiten Lehrer attackieren, der sich in Sicherheit bringen kann. Im dritten Obergeschoss zündet der Attentäter ein bengalisches Feuer an.

Ein Brandalarm schreckt Schüler und Lehrer aus dem Unterricht. Ob es das Feuerwerk war, oder ob der 23-Jährige das Notsignal auslöste, um Panik zu schüren und die entstehende Unruhe ausnutzen zu können, um zu fliehen, bleibt bisher offen. "Um 10.01 Uhr ist die Meldung bei uns eingegangen", skizziert Franz Leidecker, Leitender Kriminaldirektor am Polizeipräsidium Rhein-Pfalz, den Einsatz aus Sicht der Beamten.

Schulleiter Walter Lautwein, der sich vergewissern möchte, dass die Klassen die Räume verlassen, sieht sich plötzlich dem Ex-Schüler mit Waffe gegenüber. "Es ist ein Schuss auf ihn abgegeben worden", bestätigt Liebig. Lautwein und der andere angegriffene Kollege bleiben unverletzt.

Zwei Streifenwagen befinden sich in der Nähe und gehen der Brandmeldung nach. Kurz darauf können sie den 23-Jährigen überwältigen. Er leistet keine Gegenwehr. Zwischen Feueralarm und Festnahme liegt kaum eine Viertelstunde.

Das Opfer hinterlässt Frau und mehrere Kinder. Am Freitag soll es in der Berufsschule eine schulinterne Gedenkfeier geben. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse hat ihren Urlaub abgebrochen und ist bereits am Abend zurückgeflogen. "Man denkt, so etwas passiert nur weit weg", fasst sie per Telefon ihre Bestürzung zusammen, "und dann geschieht es plötzlich direkt vor der Haustüre."

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18. Februar 2010

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