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Großkraftwerk: Für und Wider Steinkohle-Verstromung

Am Block 9 scheiden sich die Geister

"MM"-Serie liefert Fakten und Hintergründe zum geplanten GKM-Neubau

Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Langscheid

Mannheim. Wie geht?s weiter mit dem Großkraftwerk (GKM)? Der geplante Bau eines neuen, 1,2 Milliarden Euro teuren Steinkohleblocks (Block 9) am Neckarauer Rheinufer rückt ins Zentrum der Diskussion. Unverzichtbar für die Stromversorgung insgesamt und fürs Fernwärmenetz in Stadt und Umland - das sagen die Befürworter des Projekts. Gegner sehen indessen längst die Möglichkeit, ohne die "Dinosauriertechnologie" Steinkohleverstromung sowohl den Elektrizitäts- als auch den Wärmebedarf aus alternativen und erneuerbaren Quellen zu decken.

Fest steht, dass mit Block 9 der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid beim GKM von derzeit 7,6 Millionen auf neun Millionen Tonnen ansteigt. Ein Beitrag zum Klimaschutz sei das Vorhaben aber dennoch, erläutern die Betreiber, da die Kohle effizienter in Wärme und Elektrizität umgesetzt werde. Da alte Öfen dann vom Netz gehen, falle die Bilanz unterm Strich positiv aus.

Bei Schadstoffen wie Schwefel- oder Stickoxiden wird die Belastung durch den neuen Block niedriger ausfallen als bisher. Die Luftschadstoffe, die in den neunziger Jahren ein umweltpolitisches Top-Thema waren, spielen heute dank moderner Filtertechnik nicht mehr die Hauptrolle. Nach wie vor nimmt Mannheim aber - trotz enormer Verbesserungen - bei der Luftbelastung einen hinteren Platz ein: Der Ausstoß von giftigen Stickoxiden, so jüngste Veröffentlichungen des Statistischen Landesamts, liegt bei 35 Kilogramm pro Kopf im Jahr, 1990 waren es noch über 50 Kilo. Zum Vergleich: Heidelberg hat einen Pro-Kopf-Ausstoß von etwa elf Kilo.

Der "Klimakiller" Kohlendioxid erweist sich indessen als Sorgenkind. Entgegen der klimapolitischen Beschlüsse der vergangenen Jahre stieg der CO 2-Ausstoß weiter an. In Baden-Württemberg von 1990 bis 2002 um sechs Prozent. Mannheim liegt mit einer Zunahme von etwa 15 Prozent im gleichen Zeitraum landesweit an dritter Stelle, rund 30 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner werden in der Quadratestadt im Jahr in die Luft gepustet. In Heidelberg entstehen pro Einwohner dagegen nur etwa sieben Tonnen CO 2 pro Jahr.

Das Kraftwerksprojekt - ein ähnliches Vorhaben des GKM-Miteigentümers EnBW im Karlsruher Rheinhafen wurde dieser Tage vom Regierungspräsidium genehmigt - weist nicht nur kommunalpolitische Dimensionen auf. Es betrifft darüberhinaus die globale Umwelt- und Klimadiskussion, wirft Fragen nach den Alternativen zur Steinkohle und nach der Kraft-Wärme-Kopplung, der gleichzeitigen Produktion von Strom und Fernwärme, auf.

Am Mittwoch, 11. Juni, wird es erstmals eine förmliche Bürgerversammlung zu dem Thema geben, anschließend soll der Gemeinderat einen - nicht bindenden - Beschluss für oder gegen Block 9 fassen. Für die Genehmigung ist nämlich das Regierungspräsidium in Karlsruhe zuständig. Die GKM-AG will sie noch im Juni beantragen, ein Bescheid der Aufsichtsbehörde wird für den Sommer 2009 erwartet.

"Blickpunkt GKM": Alle Infos ab nächste Woche im "MM"

19. Mai 2008

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