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Von unseren Redaktionsmitgliedern Heiko Brohm und Thorsten Langscheid
Als "Beitrag zum Klimaschutz" bezeichnen die Betreiber des Großkraftwerks (GKM) den geplanten neuen Steinkohleblock am Neckarauer Rheinufer. Das Kraftwerk soll rund 1,2 Milliarden Euro kosten und 2013 ans Netz gehen. Die GKM-Vorstände Wolfgang Frey und Dr. Karl-Heinz Czychon sprachen mit dem "MM" über das Neubauprojekt.
Deutschland will seinen Kohlendioxid-Ausstoß um 40 Prozent senken, gleichzeitig soll in Mannheim ein neuer Kohleblock mit steigenden Emissionen entstehen - ist das kein Widerspruch?
Wolfgang Frey: Nein, wir wollen damit schließlich auch einen Beitrag leisten, die Klimaziele zu erreichen. Das kann mit fossilen Energieträgern gelingen, wenn man neue Kraftwerke mit höherer Effizienz baut und gleichzeitig die Kraft-Wärme-Kopplung ausbaut. Insgesamt geht der CO2-Ausstoß dann zurück, weil ältere Anlagen nicht mehr ans Netz dürfen. Man darf das CO2-Thema nicht auf Mannheim beschränkt sehen.
Aber es werden derzeit an fast 30 Orten in Deutschland neue Kraftwerke geplant, es drohen Überkapazitäten.
Frey: Viele Projekte werden wohl gar nicht realisiert werden. Wir glauben aber, dass wir am Ende bei denen sind, die auch wirklich bauen werden - weil wir eine günstige Situation und gute Argumente haben, da wir ja nicht nur einen neuen Block bauen, sondern auch zwei alte stilllegen.
Neue Kraftwerke entstehen also nur noch dort, wo der Widerstand am geringsten ist?
Frey: Nein, am Ende werden die mit den besten ökonomischen und ökologischen Argumenten bauen können. Das muss man nochmal betonen: Es gibt keinen Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie, denn der höchste Wirkungsgrad ist der wirtschaftlichste und der beste für die Umwelt.
Als Argument für den Block 9 führen Sie oft die Fernwärme an - wäre die ohne den Ausbau nicht auch möglich?
Dr. Karl-Heinz Czychon: Das GKM ist wesentlicher Bestandteil der Fernwärmeversorgung in der Region, die ja sogar noch deutlich ausgebaut werden soll - und zwar aus Umweltschutzgründen. Dafür müssen wir aber auch die Kapazitäten schaffen. Wenn wir die alten Blöcke stilllegen ohne einen neuen zu bauen, können wir die Versorgung schlicht nicht mehr gewährleisten.
Frey: Und Fernwärme lässt sich auch nicht mit Windkraft oder Photovoltaik erzeugen.
Gibt es denn überhaupt schon die Abnehmer für Fernwärme?
Czychon: Das geht Hand in Hand, die Stadtwerke bauen das Angebot nach und nach aus und wir stellen parallel dazu die Leistung zur Verfügung.
In Karlsruhe wurde gerade ein neues Kraftwerk genehmigt, allerdings mussten dort die Schadstoffgrenzwerte nochmal reduziert werden. Muss Mannheim auch noch nachlegen?
Frey: Nein, in Karlsruhe gilt jetzt die gleiche Obergrenze wie hier, wir haben von vorneherein niedrige Grenzen für den Schadstoffausstoß angegeben. Durch den neuen Block werden künftig weniger Stickoxide, Schwefeldioxid und Staub ausgestoßen als bisher.
Der CO2-Ausstoß allerdings steigt. Das Gas lässt sich bisher nur schwer ausfiltern. Werden Sie das GKM nachrüsten, falls es irgendwann möglich ist?
Frey: Wir halten Flächen für die CO2-Abscheidung frei, und wenn es technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist, dann werden wir es zum gegebenen Zeitpunkt nachrüsten.
Wann könnte das sein?
Czychon: Vor 2020 wird das wahrscheinlich nicht der Fall sein.
In einigen Städten gab es heftige Proteste gegen Kraftwerksneubauten, in Mannheim hält sich der Widerstand bisher in Grenzen. Was glauben Sie, warum?
Frey: Wir rechnen damit, dass die Diskussion erst richtig beginnen wird. Wir sind gut vorbereitet, um die Fragen der Bevölkerung zu beantworten. Mit Flyern, einer Informationsveranstaltung und einem Nachbarschaftstelefon wollen wir mögliche Ängste zerstreuen.
Ohne den neuen Block "gehen hier die Lichter aus", dieser Satz stammt von Ihnen, Herr Frey. Ist es so schlimm?
Frey: Wir haben das auf uns selbst bezogen. Wenn das GKM aufhört, ältere Anlagen durch neue zu ersetzen, dann hat dieses Kraftwerk keine Zukunft. Durch die Effizienzverbesserung wollen wir ja auch mithelfen, die erwartete Steigerung der Strompreise zu dämpfen.
Schafft der Block 9 neue Arbeitsplätze im GKM?
Frey: Nein, aber wir sichern Arbeitsplätze und den gesamten Personalbestand. Durch die Milliardeninvestition haben wir zudem hohe Beschäftigungseffekte in der Bauzeit.
Die Stadt als Anteilseigner des Großkraftwerks stellt auf Ökostrom um. Was halten Sie eigentlich davon?
Frey: Damit haben wir absolut keine Probleme und wir akzeptieren die Aussage der Stadtspitze, dass jeder einen Beitrag leisten sollte, um den Anteil von regenerativen Energien zu steigern. Die Stadt ist aber auch darauf angewiesen, dass der Strom für die Bürger bezahlbar bleibt und darum ist sie sicherlich froh, dass sie über die MVV am GKM beteiligt ist.
Mannheimer Morgen
21. Mai 2008
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/region/mannheim/GKM/20080521_srv0000002601340.html