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GKM: Rund 500 Klimaschützer demonstrieren in Neckarau / Aktivisten gelangen auf Werksgelände

Bunter Protest gegen neuen Kohleblock

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm

In kleinen Schritten zieht der Protestzug los. Rückwärts. Politiker, Umweltschutzaktivisten und interessierte Bürger setzen langsam einen Fuß hinter den anderen und skandieren "Kohlekraft ist Rückschritt". Symbolisch wollen sie zeigen, wohin die Reise mit der Steinkohle ihrer Meinung nach führt: "zurück in die Steinzeit". Rund 500 Demonstranten haben sich am Samstag in Neckarau versammelt, um gegen den geplanten Block 9 des Großkraftwerks (GKM) zu protestieren.

Es ist ein buntes Öko-Fest, das auf dem Neckarauer Marktplatz beginnt, viele Besucher sind farbig geschminkt, einige als Eisbären verkleidet, Bands spielen, am Rand gibt es Bionade. Doch bei aller Partystimmung - die Demonstranten haben ein Anliegen. Die Frage, ob der neue Block gebaut werde oder nicht, sei "eine absolute Richtungsentscheidung", sagt der Geschäftsführer des BUND Rhein-Neckar-Odenwald, Matthias Weyland. Von der Bühne aus fordert er: "Die Steinzeittechnik Steinkohle gehört ins Museum." Diese Forderung verbindet die Vertreter der verschiedensten Parteien und Initiativen an diesem Tag.

Auf der Tagesordnung

Bekanntester Gast ist Fritz Kuhn, Heidelberger Bundestagsabgeordneter und Fraktionschef der Grünen. Das Festhalten an Kohlekraft zerstöre den technischen Fortschritt auf lange Zeit, außerdem fuße die Argumentation auf einer "Stromlückenlüge". "Wir können es nämlich auch ohne Atom und ohne Kohle schaffen", so Kuhn. Als Heidelberger steht er auf dem Podium quasi für die Region, und die müsse nun gemeinsam "gegen solchen Unsinn kämpfen".

Den ersten Erfolg auf diesem Weg sieht sein Parteikollege Gerhard Schick, Mannheimer Bundestagsabgeordneter, schon. Schließlich habe man es geschafft, das Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen. Er hofft auf die von OB Dr. Peter Kurz angesetzte Bürgerversammlung - "doch das darf keine Show werden, sonst könnte man ja gleich das Stadtmarketing damit beauftragen".

Eisbär auf dem Kohleberg

Nach den Reden bewegt sich der Tross langsam in Richtung Großkraftwerk - immer wieder gehen die Demonstranten einige Meter rückwärts, Eltern ziehen ihre Kinderwägen hinter sich her. "Wir wollen ein Zeichen setzen, darum sind wir hier", sagen Felix und Carla. Im Kinderwagen liegt ihre kleine Tochter, doch die sei nicht der einzige Grund zu demonstrieren. "Wir wären sonst auch dabei, es geht uns um die Sache." In einer Partei oder einer Umweltgruppe seien sie nicht, "wir machen das individuell".

Die Demo kommt voran, die Schornsteine des Kraftwerks sind schnell in Sichtweite. Anwohner betrachten den bunten Zug aus Fenstern und Vorgärten. Am Kraftwerk gelingt es schließlich 78 Aktivisten von Attac, auf das Gelände des GKM einzudringen, einer im Eisbären-Kostüm klettert auf den Kohleberg und entfaltet ein Transparent. Die Polizei ist vorbereitet, sofort sind die Einsatzkräfte vor Ort. "Bei solchen Veranstaltungen ist immer mit einer gewissen Kreativität der Teilnehmer zu rechnen", heißt es bei der Polizei.

Mannheimer Morgen
26. Mai 2008

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