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Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm
Als Georg Rombach zum ersten Mal seinen Blaumann im Großkraftwerk überstreift, erhitzt Kohlendioxid noch wenige Gemüter. Es ist 1977, im Kraftwerk in Neckarau sind zwei neue Blöcke eingeweiht worden, die Leistung der gesamten Anlage liegt bei 1600 MW - etwa so viel wie heute. Rombach ist 16 Jahre alt, der Junge aus den Quadraten lernt erst Elektroanlagen-Installateur und zusätzlich Energieanlagenelektroniker.
31 Jahre später hat sich einiges verändert. Rombach trägt keinen Blaumann mehr, der aufrechte, trainiert wirkende Mann hat sich längst seinen Platz in der Hierarchie erarbeitet. Verändert hat sich aber auch das Klima außerhalb des Kraftwerks. Überall ist von Klimaschutz und Kohlendioxid die Rede - und das Neckarauer GKM ist mittendrin in der Diskussion.
Auf dem Werksgelände liegt das alles fern. Rombach geht voraus zu der 110-KV-Schaltanlage, in der der Strom für die Deutsche Bahn verteilt wird. "Nichts anfassen", gibt Rombach mit auf den Weg, denn wo er arbeitet, ist das Umfeld geladen. "Schaltanlagen, Generatoren und Transformatoren gehören zu unseren Aufgaben, alles mit Hochspannung eben", sagt er.
Als Elektroingenieur vom Dienst ist er für die Koordinierung und Planung der Instandhaltung zuständig. Wenn irgendwo irgendeine Anlage nicht funktioniert, muss er zur Stelle sein. "Wir entscheiden dann, wie es weitergeht, manchmal muss ganz schnell nachts noch eine Spezialfirma gerufen werden, manchmal kann es warten." Für seinen geladenen Job strahlt Rombach eine angenehme Gelassenheit aus.
Der Strom, der das Kraftwerk verlässt, ist immer noch der gleiche wie in den Siebzigern. Doch die Entstehung habe sich verändert, seit er als kleiner Azubi in Neckarau angefangen hat, sagt Rombach. Nicht nur technisch. Auch der Ablauf ist ein anderer, was früher drei Abteilungen gemacht haben, darum kümmert sich heute eine einzige, es ist die gleiche Geschichte, die Angestellter vieler Betriebe über die Veränderungen der letzten zehn, 15 Jahre erzählen können. Da habe es manche schlaflose Nacht gegeben, aber dass das GKM trotzdem auch "sein" Kraftwerk ist, daran lässt Rombach keinen Zweifel. "Wenn ich im Urlaub eine schöne Landschaft sehe, denke ich mir: Hier fehlt nur das Kraftwerk!" Rombach lacht und man nimmt ihm irgendwie ab, dass er fühlt, was er sagt.
Auch nach 31 Jahren stößt er in seiner Arbeit im GKM auf technische Probleme, denen er noch nie begegnet ist. Vom Schraubschlüssel bis zum Computer, alles gehöre zu seinem Einsatzgebiet, "da lernen Sie nie aus." Er ist erst 47 Jahre alt, er wird wohl noch vielen neuen Anlagen und neuen Probleme begegnen.
Doch das Kraftwerk ist nicht alles. Rombach hat Familie, und er liebt Sport. Drei Mal war er beim Ironman auf Hawaii dabei, immer noch läuft er mehrfach in der Woche. Seit einigen Jahren hat er im Gleitschirmfliegen seinen Sport gefunden. Von Schriesheim und dem Königsstuhl aus fliegt er über die Landschaft. "Da spielt das Wetter eine große Rolle", sagt Rombach, "und natürlich auch das Klima". Und schon ist es wieder da, das Thema Großkraftwerk.
Mannheimer Morgen
28. Mai 2008
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