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Geschichte: Die Idee für das Großkraftwerk wird 1921 aus der Not geboren

Block für Block im Strom der Zeit

Man schreibt das Jahr 1921: Die Inflation setzt alles unter Druck, doch ansonsten fehlt es wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg an Saft und Kraft in der Region.

Das Kraftwerk Homburg, wichtigster Stromlieferant der Ludwigshafener Pfalzwerke, liegt im französisch verwalteten Saargebiet und der Franc wird täglich teurer, die Mannheimer leiden ebenfalls unter Auszehrung, ihre Mini-Anlagen im Industriehafen und auf der Rheinau sind hoffnungslos veraltet, auch die Badische Landeselektrizitätsversorgungs AG in Karlsruhe sucht Partner, um ihre Überschüsse an Wasserstrom loszuwerden und in Trockenperioden mit Kohlestrom versorgt zu werden. Die Neckar Aktiengesellschaft sondiert gleichfalls die Lage am Markt, sie sucht Abnehmer für den Strom, der aus Staustufen und Schleusen fließt. Vier Partner , ein zündender Gedanke: Am 8. November 1921 unterschreibt das Strom-Quartett die Gründungsurkunde des Großkraftwerkes Mannheim A. G. Noch im selben Jahr beginnen die Bauarbeiten nahe der Altriper Fähre, ein idealer Standort direkt am Rhein, wo Kühlwasser fließt, die Kohleschiffe andocken können und der Verbraucher nicht weit ist.

Im Herbst 1923 geht das Großkraftwerk ans Netz. 12,5 Megawatt Leistung bringen die Mannheimer Stromer der ersten Stunde, die von Anfang an unter Hochspannung stehen: Die Inflation frisst das Grundkapital von 30 Millionen Papiermark, der Kurzschluss droht, nur geschickte Transaktionen verhindern den finanziellen GAU.

Der Mitbegründer und spätere Ehrenbürger Karl Friedrich Marguerre (1878-1964) polt als Pionier der Kraftwerkstechnik das Unternehmen auf Erfolg, 31 Jahre lang, bis 1952 schaltet und waltet er als genialer Energieträger des Werkes, baut das GKM zu einem der größten und modernsten Steinkohlekraftwerke aus, wagt kühne Schritte und baut auf High Tech: 1928 geht die erste Anlage mit 100 atü Dampfdruck und 470 Grad in Betrieb, erst zehn Jahre später erreicht die Konkurrenz diesen Stand.

Die Nazis setzen ihre Vorstellungen durch, doch Fritz Marguerre sitzt weiter am Hebel. 1937 gelingt es, im Kraftwerk den Dampf, der Elektrizität erzeugt hat, wirtschaftlich zu nutzen: Die Südkabelwerke werden an das GKM angeschlossen und nehmen Dampf für Heiz- und Fabrikationszwecke ab - der Beginn der effektiven Kraft-Wärme-Kopplung. Energien werden auch verbuddelt beim Bau vom "Werk Fritz", das legendäre unterirdische Bunkerkraftwerk nimmt 1940 mit 32 Megawatt den Betrieb auf. Die bombensichere Anlage geht wie der Krieg verloren, die Franzosen demontieren das Bollwerk. Aber der inzwischen 70-jährige Professor Dr. Fritz Marguerre steuert als Chef-Dynamiker neue Ziele an. 1951 bringt die "Ersatzanlage 47" eine Leistung von 215 Megawatt, 1953 wird eine Höchstmarke erreicht: Die Stromabgabe übersteigt 1 Milliarde Kilowattstunden. 600 Meter stromabwärts entsteht Werk II, die beiden ersten Bahnstrom-Generatoren gehen an den Start, 1959 fließt erstmals Heizwasser aus dem GKM, die Fernwärme bringt Industrie und Haushalte auf Temperatur. Es geht weiter Schlag auf Schlag: 1965 wird mit Block 3 die Stromerzeugung auf drei Milliarden Kilowattstunden gesteigert, 1975 erhöht Block 6 die Produktion auf acht Milliarden Kilowatt. Block 7 startet 1982 und verdreifacht die Fernwärmekapazität. Seit 1988 sorgt Rauchgasreinigung für sauberer Luft. 1993 geht dann Kraftblock 8 ans Netz, erhöht die Leistung auf 2125 Megawatt elektrisch und 1000 Megawatt thermisch - auch das schon wieder Vergangenheit. räu

Mannheimer Morgen
11. Juni 2008

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