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Überblick: Der Ausbau des Großkraftwerks bleibt vor der Bürgerversammlung heute Abend im Rosengarten weiter umstritten

Argumente für und wider Block 9

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm und Thorsten Langscheid

Schadet der neue GKM-Block der Umwelt?

Nein, sagen die Betreiber: Für den neuen Block sollen die beiden alten Blöcke 3 und 4 abgeschaltet werden, unterm Strich stößt das Großkraftwerk dann weniger Schadstoffe aus als jetzt. Die Ärzteinitiative Rhein-Neckar meint dagegen, dass es beispielsweise beim Feinstaub nicht auf die Menge, sondern auf die Beschaffenheit der schädlichen Teile ankommt. Feinste Stäube könnten sogar ins Blut gelangen. Die Sterblichkeitsrate bei Atemwegs- und Herzerkrankungen stehe in engem Zusammenhang mit der Staubbelastung.

Schadet der neue GKM-Block dem Klima?

Ja, sagen die Gegner. Durch den neuen Block, der die Leistung des Kraftwerks erhöht, steigt der Ausstoß an Kohlendioxid von heute 7,6 auf gut neun Millionen Tonnen CO2 im Jahr an. Dem Klima schadet dies aber nicht, sagen die Betreiber, da Block 9 so effizient und wirtschaftlich Strom erzeuge, dass alte Kraftwerke dafür vom Netz genommen werden und die CO2-Belastung dadurch insgesamt sinkt.

Schafft der neue GKM-Block Arbeitsplätze?

Nicht direkt, sagt selbst das Großkraftwerk. Das Unternehmen sieht in dem Ausbau aber eine Sicherung des Standorts - und damit auch der Arbeitsplätze. "Ohne den Block haben wir keine Zukunft", sagte der Vorstand im "MM"-Interview. Nach starkem Personalabbau arbeiten derzeit 579 Beschäftigte im GKM - diese Zahl soll mit dem neuen Block konstant gehalten werden. Zudem entstünden durch den Bau indirekt neue Arbeitsplätze. Die Gegner befürchten das Gegenteil. Von heute noch 579 Stellen im Großkraftwerk sichere Block 9 nur 100 Stellen. Die 1,2 Milliarden-Euro-Investition stelle zudem ein Investitionshemmnis für die alternative Energiewirtschaft dar, die den Standort Mannheim nachhaltiger sichern würde als die Steinkohletechnik.

Ist die Strom- und Fernwärmeversorgung ohne Block 9 sicher?

Deutschland produziere jede Menge Energie, sagen die Gegner des GKM-Ausbaus, so dass weder in Mannheim die Lichter ausgehen noch die Wärmeversorgung der Fernheizung beeinträchtigt würden. Bereits heute habe Deutschland insgesamt soviel Energie exportiert wie noch nie. "Stromlücke", mit diesem Begriff weisen auf der anderen Seite die Befürworter des neuen Kohleblocks auf die Notwendigkeit des Baus hin. Nach ihrer Ansicht entsteht durch das Abschalten alter Kohlekraftwerke und den gleichzeitigen Atomausstieg eine deutliche Differenz zwischen angebotenem und benötigtem Strom - eben die Lücke. Diese könne nur durch den schnellen Bau von neuen, konventionellen Kraftwerken verhindert werden. Ähnliches gelte für die Fernwärme.

Welche Alternative gibt es zu Block 9?

Statt der riesigen Milliarden-Investition in einen neuen Steinkohleblock sollten nach Meinung der GKM-Gegner andere Kraftwerke in Mannheim und Umgebung für die Fernwärmeversorgung mit herangezogen werden. Studien hätten außerdem gezeigt, dass eine Versorgung der Metropolregion Rhein-Neckar mit erneuerbaren Energien möglich wäre. Allerdings betreibt die Mannheimer Großkraftwerk Aktiengesellschaft eben ein Kohlekraftwerk - hier verfügt sie dementsprechend auch über das Know-How. Das GKM wäre also wohl nicht in der Lage, ein anderes Kraftwerk zu bauen.

Ist das Großkraftwerk für die Region wirtschaftlich von Bedeutung?

Auch hier scheiden sich die Geister. Industrie- und Handelskammer, die Stadtspitze aber auch die Gewerkschaften halten das GKM und den geplanten Block 9 für sehr wichtig - auch weil etwa die benötigte Turbine bei Alstom Power in Mannheim gebaut werden soll. Kritiker halten dagegen das GKM dagegen sogar für wirtschaftlich kontraproduktiv. Anlagen für regenerative Energien würden oft von Mittelständlern produziert. Sie fürchten, dass durch Block 9 in Zukunft erwartete Aufträge für den Bau zusätzlicher Wind-, Photovoltaik- oder Erdwärme-Kraftwerke möglicherweise gar nicht erteilt werden.

Mannheimer Morgen
11. Juni 2008

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