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Von unseren Redaktionmitgliedern Heiko Brohm und Thorsten Langscheid
Mannheim. Dass der Musensaal halb leer bleiben würde - diese Sorge der Rathausmitarbeiter hat sich am Mittwochabend schnell zerstreut: Zur ersten großen Bürgerversammlung über die geplante Erweiterung des Großkraftwerks standen schon gut eine Stunde vor Beginn der Premieren-Veranstaltung einige hundert Menschen vor dem Rosengarten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Mitarbeiter des Großkraftwerks waren ebenso wie Kollegen von Alstom noch in ihren Blaumännern gekommen, zusammen mit den Gewerkschaftern von ver.di stellten sie auf dem Platz die absolute Mehrheit. Eine Handvoll Kraftwerkskritiker von der Grünen Jugend und Attac gingen in der Menge fast unter.
Bis auf den letzten Platz füllten die Besucher kurz darauf den Saal, die Erleichterung über diesen guten Start war Oberbürgermeister Peter Kurz deutlich anzusehen. "Das hier ist ein Experiment", sagt er über den Abend, denn in dieser Form hat die Stadt noch nie zu einer Bürgerversammlung eingeladen, Kurz kündigt an, er möchte dieses Instrument künftig häufiger nutzen? und dammit die Diskussions- und Streitkultur in der Stadt verbessern.
Aus seiner Position in Sachen GKM machte er dabei keinen Hehl. In einem Abwägungsprozess überwiegen für ihn die Vorteile, "darum unterstützen wir den Ausbau des GKM". Für das Großkraftwerk sprachen auf dem Podium Vorstand Dr. Karl-Heinz Czychon und MVV-Chef Dr. Rudolf Schulten, als Gegner saßen durch die städtische Regie überdeutlich weit entfernt Oliver Decken vom Umweltforum und Daniel Bannasch vom Verein Metropolsolar. Zudem wurde der Energie-Experte Dr. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Leiter des Wuppertal Instituts, immer wieder als unabhängiger Fachmann eingeschaltet.
Die Argumente auf dem Podium schienen dem Publikum bereits vertraut zu sein, wie man überhaupt den Eindruck hatte, dass die meisten Besucher sich längst ihre Meinung für oder gegen den GKM-Ausbau gebildet hatten. Die Redebeiträge auf dem Podium wurden immer wieder kommentiert, mal mit höhnischem Gelächter, mal mit kräftigem Applaus. Trotz der Emotionen, Fischedick, als Experte bei vielen Kraftwerks-Diskussionen zu Gast, bescheinigte den Mannheimern aber eine "sehr sachliche Diskussion, das kenne ich auch anders".
Während Czychon und Schulten wirtschaftliche und ökologische Gründe für den Block 9 ins Feld führten, kritisierte besonders Oliver Decken Informationslücken. "Die Fakten sind nicht alle auf dem Tisch", was sowohl Kurz als auch der Schulten zurückwiesen. Kernstück der Versammlung waren die Fragerunden im Saal. Fast eine Stunde länger als geplant - bis gegen 23.30 Uhr - dehnte Moderator Uli Röhm den Abend, und trotzdem konnte er bei Weitem nicht alle Wortmeldungen aufrufen. Bürger aus Mannheim und der Umgebung lobten, kritisierten oder hinterfragten die Pläne des GKM.
Es kristallisierte sich eine Zweiteilung heraus, die schließlich auch selbst zum Diskussionsthema wurde. Die eine Seite sorgt sich um die Umwelt, die andere um ihre Arbeitsplätze. In diesem Punkt war schließlich Einigung in Sicht: Die Ängste gegeneinander auszuspielen macht keinen Sinn. Der richtige Weg allerdings blieb auch nach über drei Stunden im Rosengarten umstritten.
12. Juni 2008
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/region/mannheim/GKM/20080613-gkm_neu.html