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Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Langscheid
Die Erörterung wird heute um 10 Uhr fortgesetzt.
Nein, der Polizeischutz am Morgen des ersten Verhandlungstages vor der idyllisch zwischen Golfplatz, Pferdekoppeln und Schrebergärten im Niederfeld gelegenen Rheingoldhalle wäre nicht nötig gewesen. Obwohl die Beteiligten am Erörterungstermin zum umstrittenen Steinkohle-Block 9 des Großkraftwerks, den die Betreibergesellschaft GKM AG bis 2013 nur wenige hundert Meter entfernt am Rheinufer bauen will, mitunter nach Kräften aufeinander eindreschen - verbal natürlich nur, versteht sich.
Die grundsätzlichen Positionen der Verhandlungspartner sind bekannt, seit langem schon. Auf der einen Seite die Kraftwerksbetreiber - während der drei Verhandlungstage die "Antragsteller" genannt - die in ihrem 1,2 Milliarden Euro teuren Projekt einen "Beitrag zum Klimaschutz" sehen und dies in einem 22 prall gefüllte Aktenordner umfassenden Genehmigungsantrag dokumentieren.
Ihnen stehen die "Einwender" gegenüber, im wesentlichen die Bürger-Initiative "Nein zu Block 9", der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund), das Mannheimer Umweltforum, die Grünen und eine Gruppe von Einzelpersonen, die in Block 9 den Klimakiller par excellence sehen. Einer von ihnen ist der Feudenheimer Sven Lauritzen. Der ältere Herr ist - deutlich hörbar - Hanseat, er hat auch gegen das gleichfalls umstrittene Kohle-Kraftwerk in Hamburg-Moorburg Einwände vorgebracht.
"Sie verletzen mein Recht und das meiner Kinder auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Eigentum!" wirft Lauritzen der GKM AG, hinter der neben der MVV Energie AG die Konzerne EnBW und RWE stehen, vor. Den Anschlag auf sein Wohlergehen sieht er in der Kohleverbrennung an sich, aber auch im Transport des Rohstoffs aus Übersee auf dem Wasserweg: Die Handelsschifffahrt ist die größte Dreckschleuder der Weltmeere!" regt er sich auf.
Für Aufgeregtheiten auf der einen wie der anderen Seite sorgen die Sachbeistände der Einwender hin und wieder ebenso wie die Gutachter der Antragstellerseite. Zum Beispiel der Stuttgarter Jurist Professor Klaus Peter Dolde. "Oberlehrerhafter Ton", ärgern sich die Kohlegegner, wenn Dolde mit Hinweis auf rechtliche Gegebenheiten Fragen, Wünsche oder Behauptungen scharfzüngig zurückweist. Doch die Gegener können auch: Bund-Vertreter Ingo Gödeke und Harry Block, Rechtsanwalt Thomas Rahner oder Oliver Decken (Umweltforum) drängen ihre Kontrahenten mit Vorwürfen und wiederholten Nachfragen immer wieder in die Defensive.
Aber man spürt - bei aller Kampfeslust der gegnerischen Parteien - das gemeinsame Interesse im anstrengenden Ringen um die Fakten. Hat man gerade eben noch über den zumindest Fachleuten geläufigen Unterschied zwischen Grenz-, Erwartungs- und Garantiewerten beim Schadstoffausstoß des Kraftwerks gezankt wie ungezogene Kinder, müht man sich gleich darauf kooperativ um Klarheit in der richtigen Berechnungsmethode für die Höhe des Block-9-Schornsteins. Ein Verdienst von GKM-Projektleiter Ulrich Ehmann, der alle Fragen geduldig beantwortet, und vor allem ein Verdienst der Verhandlungsleiterin Simone Salchow. Die Referatschefin im Regierungspräsidium und ihr Expertenteam lassen sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen. Sie geben beiden Seiten ausreichend Raum: "Für uns ein wichtiger Schritt zur Erkenntnisgewinnung", sagt Salchow. Sie muss es wissen, denn sie wird voraussichtlich im Sommer 2009 über die 22 Aktenordner des Genehmigungsantrags entscheiden.
Mannheimer Morgen
28. November 2008
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/region/mannheim/GKM/20081128_srv0000003480072.html