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Von unserem Redaktionsmitglied Georg Spindler
Wer am morgigen Samstag nicht pünktlich zum "Rock im Quadrat"-Start ins Capitol kommt, den bestraft das Leben. Denn Schlag 20 Uhr steht bei der "MM"-Rocknacht, die vom Zweirad-Center Stadler Mannheim präsentiert wird, eine der erfrischendsten Combos der Mannheimer Szene auf der Bühne. 8-Balls On Fire - so heißt das wohl bestgehütete Geheimnis der hiesigen Underground-Fraktion.
Der Name der Combo, der unter anderem in Anspielung auf Jerry Lee Lewis' 1957er Klassiker "Great Balls Of Fire" gewählt wurde, verrät, dass es sich hier um eine Gruppe handelt, die sich dem zeitlosen Erbe des Rock 'n' Roll verpflichtet fühlt. Das heißt, das Quartett spielt raue, rohe, ungeschliffene Gitarrenmusik, bei der klirrende Klampfen und hämmernde Riffs den Ton angeben - ebenso wie aufputschende, temporeiche Rhythmen, dreckig verzerrte Sounds und rotzfreche Songtexte. Denn die vier Feuerköpfe mischen eine deftige Dosis Punk unter ihre Musik. Das Ergebnis klingt höchst mitreißend und äußerst vital.
Punk 'n' Roll nennt man diese würzig-deftige Mischung, die Ende der 90er Jahre vor allem von schwedischen Bands wie den Hellacopters und The Hives perfektioniert wurde, letztlich aber auf die US-Punk-Pioniergruppe Ramones zurückgeht. Wie ihre berühmten Kollegen, so sind auch die 8-Balls On Fire bei ihren Auftritten Garanten für eine ansteckend überschwängliche Liveatmosphäre. Und deswegen werden sie als erste Band des Abends die Bühne entern und dem Publikum im Capitol gehörig einheizen - und die Messlatte für die folgenden Bands ganz schön hoch legen.
Die vier Burschen, die sich allesamt hinter Fantasienamen verbergen (Duff Michaels Paine: Gesang, Gitarre, Baseman T.: Gitarre, Gesang, Guy Always: Bass, Gesang, John Ass: Schlagzeug), werden beim "MM"-Newcomerfestival die optimistischsten Songs des Abends zum Besten geben. Denn die Vier, die bevorzugt auch im Winter mit Sonnenbrillen auftreten, sind mit einer gehörigen Portion Witz und Selbstironie gesegnet.
"Wir spielen hart, wir habe keine andere Wahl, wir sind die Rock 'n' Roll Dreamboys" singen sie in ihrer gleichnamigen Hymne, bei der sie mit donnernden Glissandi übers Griffbrett ihrer Gitarren fegen; eines von so manchen musikalischen Zitaten, mit denen die 8-Balls auf historische Vorbilder verweisen. Derart kreischende Melodie-Sturzflüge waren in den 60er Jahren ein Markenzeichen von Pete Townshend in der britischen Band The Who.
Und auf dem von Stakkato-Attacken durchsiebten 8-Balls-Fetzer "Get Away" ballern Paine und Baseman kantig-schroffe Sound-Salven aus den Saiten, die an "Guns On The Roof" erinnern, einen aggressiven Kampfsong der englischen Punk-Legenden The Clash aus dem Jahr 1978.
Aber mit Gewalt haben die vier Mannheimer nichts im Sinn: Ihr fröhlicher Punk 'n' Roll wirkt vielmehr wie Musik gewordenes Adrenalin - ein aufputschendes Lebenselixier, das in harten Zeiten wie den gerade herrschenden Mut zum Weitermachen gibt. Nicht das schlechteste Rezept, um Krisen durchzustehen.
Mannheimer Morgen
13. November 2009
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