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Interview: Sprecherin Isabell Branyiczki und ihre Mitschüler glauben nicht an einen Erfolg von Videoüberwachung und Personenkontrollen

Die meisten Schüler lehnen Kontrollen ab

Isabell Branyiczki ist Schulsprecherin am Ursulinen-Gymnasium und Vorsitzende der "Mannheimer Schülersprecher". Sie glaubt, dass die Mehrheit der Mannheimer Schüler Videoüberwachungen und Personenkontrollen ablehnt.

Die Umfrageergebnisse zeigen klar:. Die Mannheimer wünschen sich mehr Sicherheitsmaßnahmen an Schulen. Und Sie?

Isabell Branyiczki: Das kommt bei den Schülern sicher nicht gut an. Ich denke, die meisten wollen nicht mit einer Videokamera überwacht werden. Auch wenn vielleicht einige Straftaten verhindert werden könnten, besteht doch die Gefahr, dass sich die Gewalt in die Klassenräume, Toiletten oder auf die Schulwege verlagert.

Ist denn die Einschätzung der Befragten richtig, dass es in Mannheim häufig Gewalt an Schulen gibt?

Branyiczki: Ja. Da spielt sich schon einiges ab: Sachbeschädigung, Schutzgelderpressung, Körperverletzung - das alles gibt es an unseren Schulen. Aber Mannheim fällt da nicht besonders auf. Es ist eben so wie in anderen Städten auch.

Könnte das denn durch die von vielen erwünschten Personenkontrollen verhindert werden?

Branyiczki: Das glaub' ich kaum. Und ich weiß, dass auch viele Schüler so denken. Wer wirklich etwas zerstören will oder jemanden verletzen möchte, der zieht vermutlich seinen Plan durch und findet einen Weg an den Kontrollen vorbei. Reine Kontrolle ist sinnlos, wir brauchen andere Lösungsansätze.

Und was könnte man stattdessen tun?

Branyiczki: Die Lehrer sollten mehr mit den Schülern über das Thema sprechen, sie für Außenseiter sensibilisieren, ihnen die Angst nehmen, über Mobbing zu sprechen und generell feinfühliger sein. Auch Sozialarbeiter und Psychologen könnten einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie sich direkt an auffällige Schüler wenden.

Der Amoklauf in Winnenden und Wendlingen ist gerade mal ein paar Wochen her. Ist den seitdem keine Sensibilisierung eingetreten?

Branyiczki: Kurzfristig schon, bei den Lehrern und auch bei uns Schülern. Natürlich haben wir mehr auf diejenigen geachtet, die in so ein Tätermuster 'reinpassen könnten, aber mittlerweile hat sich das eigentlich komplett verflüchtigt.

Gibt es also keine Änderung seit Winnenden? Auch keine Vorschläge von Schülern?

Branyiczki: Nein. Ich würde auch nicht sagen, dass seitdem die Angst vor Amokläufen unter den Schülern gestiegen ist, höchstens vielleicht kurzfristig.

Das Problem ist also die alltägliche Gewalt wie Erpressung und Körperverletzung?

Branyiczki: Ja, allerdings liegt das weder an den Lehrern noch an den Schülern. Das ist ein Gesellschaftsproblem, insgesamt ist die Jugendkriminalität gestiegen, und das zeigt sich eben auch an den Schulen.

Und Sie denken nicht, dass da Sicherheitsmaßnahmen gegenwirken könnten?

Branyiczki: Es gibt sicher effektiverer Wege, meiner Meinung nach. Zum Beispiel andere Strafen. Abschreckend könnte es sein, wenn der Führerscheinentzug droht. Das würde sicher einige mehr treffen, als das Abarbeiten von ein paar Sozialstunden. abo

Mannheimer Morgen
05. Mai 2009

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