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Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Wolf
Die Mannheimer lassen sich von der Finanzkrise nicht unterkriegen. Gut zwei Drittel der Menschen in der Quadratestadt erklären, dass sich die Turbulenzen an den Weltmärkten bislang nicht negativ auf ihre persönlichen Finanzen ausgewirkt haben. Nur 32 Prozent sagen, dass sie Einbußen hinnehmen mussten. "Die persönliche Betroffenheit ist trotz allem noch nicht so groß", erklärt Mattias Jung, Forschungsgruppe Wahlen, die Ergebnisse des "MM"-Bürgerbarometers zur Wirtschaftskrise.
Das Mannheimer Wahlforschungsinstitut hatte für die repräsentative Exklusivumfrage unserer Zeitung vom 20. bis 24. April 1016 Wahlberechtigte in der Stadt befragt. "Auch wenn wir es sicher mit der schlimmsten Wirtschaftskrise im Nachkriegsdeutschland zu tun haben - die Menschen merken in ihrem persönlichen Umfeld noch nicht so viel davon", meint Jung. Die Lage am Arbeitsmarkt sei vor vier Jahren mit gut fünf Millionen Menschen ohne Job deutlich schlimmer gewesen als heute. Das schlage sich auch im Bürgerbarometer nieder. So glauben 77 Prozent der Befragten im arbeitsfähigen Alter, dass ihr Job sicher ist und 17 Prozent halten ihn für gefährdet. Das war auch vor einem Jahr so ähnlich, als die Wirtschaftskrise noch nicht in Sicht war. "Es herrscht noch eine große Gelassenheit bei den Mannheimern vor", interpretiert Jung diese Zahlen. Groß ist die Sorge bei den 30- bis 50-Jährigen und den Menschen, die über eine geringere Bildung verfügen. Mit Blick auf die Mannheimer Stadtteile fällt auf, dass im Osten noch wenig Betroffenheit vorherrscht, während im Zentrum die Fragezeichen für die Zukunft schon etwas deutlicher zu erkennen sind. Hier sagen immerhin 40 Prozent, dass sich die Krise bei ihnen negativ auswirkt.
Die Mehrheit der Mannheimer hält sich dem eigenen Bekunden nach bei ihren Ausgaben kaum zurück. 57 Prozent der durch die Forschungsgruppe Interviewten geben an, dass die Rezession auf ihr Konsumverhalten keine großen Auswirkungen hat. Doch immerhin 39 Prozent sagen, dass sie jetzt weniger Geld ausgeben. "Dieses Ergebnis spiegelt die tatsächliche Entwicklung wider", so Wahlforscher Jung. Der Handel habe im Vergleich zur Autoindustrie bislang noch nicht mit so großen Problemen zu kämpfen.
Auch hier gilt - je jünger und je schlechter die Bildung, desto zurückhaltender ist man beim Geldausgeben. In der Gruppe der unter 34-Jährigen mit Hauptschulabschluss sagen 77 Prozent, dass sie den Gürtel enger schnallen.
Die Stadt tut nach Meinung der meisten Mannheimer mit den Investitionen aus dem Konjunkturpaket 2 nicht genug, um die Rezession vor Ort zu bekämpfen. 53 Prozent sagen, die 23 Millionen Euro, die Bund und Kommune aufbringen, reichten nicht aus. CDU-Wähler (58 Prozent) sind hier etwas kritischer als SPD-Anhänger (52 Prozent).
Mannheimer Morgen
08. Mai 2009
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