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"MM"-Bürgerbarometer: Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen zieht Bilanz unserer Umfrage

"Rennen noch längst nicht gelaufen"

Von unserem Redaktionsmitglied Stephan Wolf

Matthias Jung schlägt Alarm: "Es droht eine sehr schlechte Beteiligung bei der Kommunalwahl am 7. Juni, wenn die Parteien jetzt nicht Gas geben." Vor fünf Jahren hatten nur 41,3 Prozent der Bürger ihr Kreuzchen gemacht. Diesmal könnte die Beteiligung noch einmal niedriger ausfallen. Der Vorstand des Mannheimer Meinungsforschungsinstituts liest aus den Zahlen des "MM"-Bürgerbarometers ab, dass die Abstimmung über das Stadtparlament bislang kaum im Bewusstsein der Bürger angekommen ist.

"Da verwundert es auch nicht, dass die Politiker praktisch nicht bekannt sind", so Jung weiter. 56 Prozent der Befragten konnten ohne Vorgabe keinen wichtigen kommunalen Akteur nennen. Die Forschungsgruppe Wahlen hatte vom 20. bis 24. April 1016 Wahlberechtigte in der Quadratestadt interviewt.

Die Demoskopen sehen derzeit die SPD in der politischen Stimmung mit 36 Prozent vorne, die CDU kommt auf 30, die Grünen liegen bei 17, die FDP bei 7, Mannheimer Liste bei 4 und Die Linke bei 3 Prozent. Auch wenn diese Zahlen, die auf einer Wahlabsicht von 75 Prozent basieren, keine Prognose darstellen, wer am Ende als Erster durchs Ziel geht, hat nach Jungs Auffassung derzeit die SPD die besten Chancen, stärkste Kraft zu werden. "Die Sozialdemokraten profitieren von ihrer strukturellen Stärke und zeigen sich vergleichsweise geschlossen", analysiert Jung.

Für alle Parteien komme es in den nächsten vier Wochen darauf an, ihre Klientel zu mobilisieren. Dafür müssten sie aber jetzt die wichtigen Themen in Mannheim besetzen. Die Genossen seien gut beraten, sich auf alle Fragen rund um die soziale Sicherheit zu konzentrieren. "Ihnen wird aber auch in anderen wichtigen Politikfeldern wie Bildung und Wirtschaft mehr Kompetenz zugeschrieben als der CDU", so Jung. Die Christdemokraten könnten besonders dann punkten, wenn sie Ordnung und Sicherheit in den Vordergrund schieben. Die breite Zustimmung zur Ausweitung des Kommunalen Ordnungsdienstes und für die Videoüberwachung an Schulen zeige, dass die Wählerschaft für die Themen der CDU empfänglich sei. Ohnehin erwartet Jung, dass es den Christdemokraten besser gelingen werde, ihre Wähler zu mobilisieren. "Es fehlt der Partei aber an bekannten Zugpferden, die die derzeitige Schwäche ausgleichen könnten."

Gespannt dürfe man auch sein, inwieweit es der ML gelingen werde, der CDU Stimmen abzujagen. Die Mannheimer Liste sei die Gruppierung, die den Wahlkampf am meisten brauche. "Die Freien Wähler sind auf Bundes- und Landesebene nicht präsent, das muss jetzt ausgeglichen werden", meint Jung. Dass sie das schaffen können, zeigt die Wahl 2004. Damals lag die ML fünf Wochen vorher noch bei 4 Prozent im "MM"-Bürgerbarometer, konnte dann aber 9,13 Prozent verbuchen. Die Grünen können nach Einschätzung des Demoskopen mit einem "hervorragenden Ergebnis" rechnen, selbst wenn sie nicht alle ihre Anhänger mobilisieren. "Sie müssen ganz stark auf ihre Kernkompetenzen im Umwelt und Bildung setzen", empfiehlt Jung. Noch gibt es keine Vorentscheidung über den Wahlausgang am 7. Juni, ist sich Jung sicher. Aber: "Je weniger die Parteien mit eigenen Themen die Wähler begeistern, desto stärker greift die politische Struktur in der Stadt."

Mannheimer Morgen
09. Mai 2009

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