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Jetzt ist Bürgerengagement "dringend geboten"

OB Gerhard Widder begrüßt neue "MM"-Aktion / Auch Benz-Belegschaft und IHK stehen hinter dem Appell

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Für "dringend geboten" hält Oberbürgermeister Gerhard Widder die Aktion, die der "Mannheimer Morgen" heute startet: Wir bitten die Bürger der Region, sich einem Appell an den zweitgrößten Automobilkonzern der Welt anzuschließen: "Kein Daimler ohne Benz". Wir fordern das Unternehmen auf, nach der Trennung von Chrysler wieder den traditionsreichen Firmennamen Daimler-Benz zu verwenden.

"Es kann ja auch nicht sein, dass die Firma in ihrem Namen den Erbauer des ersten Automobils der Welt verschweigt", bekräftigt OB Widder. Doch danach sehe es derzeit aus, bedauert er. Auf die Mitte Mai einstimmig vom Gemeinderat verabschiedete Resolution reagierte der Vorstandschef von DaimlerChrysler, Dr. Dieter Zetsche, jetzt ablehnend. Widder erhielt gerade einen Brief, wonach man zwar verschiedene Alternativen geprüft, sich dann aber allein für den Namen "Daimler" entschieden habe. Benz finde ja bei "Mercedes-Benz" Verwendung. Doch das sei eben eine von mehreren Marken des Konzerns, für den insgesamt "Daimler" besser passe. Damit könne man "an Tradition anknüpfen als auch Aufbruch signalisieren", habe Zetsche geschrieben, wundert sich Widder und meint: "Die Plausibilität der Argumente steht in eklatantem Widerspruch zu der sonst gewohnten Qualität der Produkte des Unternehmens", kritisiert Widder deutlich. Der eingeführte Name Daimler-Benz stehe "für Jahrzehnte weltweit höchst erfolgreiche Firmengeschichte". "Warum der schlechter sein soll als der Name des gescheiterten Modells DaimlerChrysler, erschließt sich kaum." Allerdings fürchtet Widder, bei der Unternehmensspitze nichts mehr ausrichten zu können: "Die Hauptversammlung entscheidet, wir müssen die Aktionäre überzeugen." Da helfe nur, "dicke Bretter zu bohren", "aber ich weiß, dass die Bürger das erwarten". Daher sei er für die "MM"-Aktion "sehr dankbar".

"Eine gute Aktion, das ist bürgernahes Engagement", dankt ebenso IHK-Präsident Dr. Gerhard Vogel für die "MM"-Aktion. Auch er hatte sich schon in einem Schreiben an Zetsche für die Wiederaufnahme von "Benz" in den Firmennamen stark gemacht, lägen doch die historischen und erfolgreichen Wurzeln des Unternehmens in Mannheim: "Benz steht für einen Pionier der Automobilindustrie, für Innovation und Erfinderreichtum." Daran wieder zu erinnern, könne das Unternehmen Mannheim ja zum 400. Geburtstag schenken, regt Vogel namens der Wirtschaft an.

"Darauf haben viele nur gewartet", freut sich Joachim Horner, der Betriebsratsvorsitzende des Benz-Werks auf dem Waldhof, über die "MM"-Aktion. Viele Arbeiter hätten schon Unterschriftenaktionen angeregt, "aber dass hier alle dafür sind, ist ja klar". Der "MM" könne aber für breitere Öffentlichkeit sorgen und zeige jetzt, dass das ein Anliegen der ganzen Stadt ist: "Und ich bin mir sicher, dass sehr viele das begrüßen und gerne mitmachen, denn der Name Benz darf einfach nicht verschwinden", fordert auch Horner.

Mannheimer Morgen
02. Juni 2007

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