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Einer der großen Arbeitgeber der Region

Im Mannheimer Werk von DaimlerChrysler werden Lkw-Motoren und Busse produziert

Von unserem Redaktionsmitglied Ruth Weinkopf

Mannheim hat für die Mobilität der Menschheit eine ganz besondere Bedeutung. Karl von Drais erfand in der Quadratestadt das Laufrad, sein Namensvetter mit "C", Carl Benz, das Auto, einige Jahre später feierte der Bus seine Weltpremiere in der Stadt an Rhein und Neckar.

Des Tüftlers Keimzelle "Benz & Co Rheinische Gasmotoren-Fabrik" wuchs im Laufe der Jahrzehnte zum zweitgrößten Nutzfahrzeugwerk des Stuttgarter Autokonzerns in Deutschland. Den Standort verlassen jährlich 410 000 Lkw-Motoren und 2620 Busse. Mit 8500 Beschäftigten in Mannheim gehört DaimlerChrysler auch zu den größten Arbeitgebern der Metropolregion. Weitere 9888 Menschen beschäftigt der Konzern im südpfälzischen Wörth, das 2006 über 94 000 schwere Lkw auf die Straßen schickte. Beide Standorte sind eng miteinander verbunden. Mannheim liefert die Motoren für den "Actros" aus Pfälzer Produktion.

Seit 1996 ist der Standort gesellschaftsrechtlich zweigeteilt. Vor elf Jahren übernahm die damalige Mercedes-Benz AG den Ulmer Bus-Konkurrenten Kässbohrer und gliederte die Produktion von Stadt-, Überland- und Reisebussen in einer eigenständigen Tochtergesellschaft namens EvoBus aus. Mit gravierenden Folgen für das Benz-Werk. Seither steht ein Teil der Belegschaft auf der Lohn- und Gehaltsliste der DaimlerChrysler AG (aktuell 4986 Mitarbeiter), der andere Teil arbeitet für die EvoBus GmbH (3428 Beschäftigte). Augenfällig wird die Trennung des Werkes beispielsweise bei der gewinnabhängigen Mitarbeiterbeteiligung, die in früheren Jahren für die Benzler im Motorenbau oft üppiger ausgefallen war als für ihre Kollegen von EvoBus. Der Grund: In der AG sprudelte der Gewinn dank des hochprofitablen Pkw-Geschäftes deutlich stärker als bei der Konzerngesellschaft EvoBus. Das Thema hatte zeitweise zwar für Ärger gesorgt, doch generell sieht sich die Belegschaft als große Familie, die stolz ist, "beim Benz" zu schaffen. Die Verbundenheit mit dem Erfinder des Automobils geht so weit, dass nicht wenige Mitarbeiter den Schriftzug Chrysler auf ihrer Arbeitskleidung bereits durch den Namen Benz ersetzt haben.

Das weitläufige Werk im Mannheimer Stadtteil Waldhof arbeitet, so ist zu hören, seit zwei bis drei Jahren profitabel. Jahrzehntelang hatte dem Benz-Werk das Image des teuren, wenig produktiven Standorts angehaftet, der allerdings nie wirklich in Gefahr war. Denn von Mannheim aus agierten in früheren Jahren mit Herbert Lucy und Karl Feuerstein zwei gleichermaßen mächtige wie beliebte Konzernbetriebsratsvorsitzende. Außerdem hatte der langjährige Mercedes-Manager Werner Niefer seine schützende Hand über den Standort gehalten - gleich, welche Zahlen das Werk präsentierte. Das Erbe von Carl Benz war Niefer wichtig.

In den vergangen Jahren durchliefen der Standort und seine Mitarbeiter ein strammes Effizienzsteigerungsprogramm. Der Busbau ist bereits modernisiert, die Motorenproduktion wird es bis spätestens 2013 sein. Der letzte größere Einschnitt in die Produktion, die Verlagerung der Kabelsatzfertigung nach Tschechien, liegt drei Jahre zurück. Die Angst von 800 Beschäftigten dieses Teilbereichs erwies sich im Nachhinein gottlob als unbegründet, denn allen Betroffenen konnten im Werk neue Arbeitsplätze vermittelt werden.

Die Besonderheit des Benz-Werkes ist seine Zwei-Produkt-Strategie, die Tradition hat. Auf dem Waldhof werden Nutzfahrzeugmotoren, der Stadtbus Citaro und Buskarosserien gefertigt. Beide Geschäftsbereiche sind sehr gut ausgelastet. Die Motorenproduktion profitiert vom anhaltenden Lkw-Boom, der Busbau von Großaufträgen aus dem Ausland und von der Deutschen Bahn. Auf dem Firmengelände sitzen auch Forscher und Entwickler, deren Arbeit in Zeiten der Klimaschutzdiskussion völlig neue Bedeutung erlangen könnte. Sie arbeiten im Kompetenzzentrum emissionsfreie Nutzfahrzeuge und beschäftigen sich mit alternativen Antriebsarten wie Gasmotoren, Brennstoffzelle und Batterie. Noch dieses Jahr will der Konzern beispielsweise einen Citaro mit Hybridantrieb vorstellen.

Mannheimer Morgen
05. Juni 2007

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